«Spekulationen sind fehl am Platze»: Brandspuren an geplantem Asylzentrum Sonneblick in Walzenhausen –Stiftungsratspräsident sieht von Vermutungen über die Verursacher ab

Am Wochenende ist es zu einer versuchten Brandstiftung an einem leerstehenden Wohnhaus der Stiftung Sonneblick in Walzenhausen gekommen. In jenem Gebäude soll ein Asylzentrum untergebracht werden.

David Grob/Astrid Zysset
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Fenstersimse, eine Sitzbank und mehrere Meter der Hausfassade sind angekohlt.

Fenstersimse, eine Sitzbank und mehrere Meter der Hausfassade sind angekohlt.

Bild: Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden

Für den Präsidenten der Stiftung Sonneblick, Fredi Züst, kam der Anschlag vollkommend «überraschend». Damit hätte er nie gerechnet. Nichts hätte in diese Richtung gedeutet – weder gab es Drohungen, noch hätte es in der Vergangenheit ähnliche Attentate gegeben. «Wir sind jedoch froh, dass keine Personen zu Schaden kamen», so Züst weiter. Auch der materielle Schaden halte sich in Grenzen.

Am Montagabend wurden an einer Fassade eines der beiden Gebäude der Stiftung Brandspuren festgestellt. Fenstersimse, eine Sitzbank und mehrere Meter der Hausfassade sind angekohlt und weisen Brandschädigungen auf. Zudem wurden fünf Fensterscheiben mutmasslich durch die Hitzeentwicklung beschädigt. Die Kantonspolizei (Kapo) Appenzell Ausserrhoden geht von Brandstiftung aus.

Gemäss Kapo-Mediensprecher Marcel Wehrlin sei die Sitzbank mit einem noch unbekannten Mittel besprüht oder bestrichen worden. «Brennpaste, -sprit oder auch Benzin könnten in Frage kommen.» Die Abklärungen laufen. Die versuchte Brandstiftung könne auf die Zeitspanne zwischen Freitagabend, 21. August, 17 Uhr, bis Montag, 24. August, 9 Uhr, eingegrenzt werden. Den entstandene Sachschaden schätzt die Polizei auf mehrere Tausend Franken. Da das Feuer nicht bemerkt wurde und von selbst erloschen ist, kam es zu keinem Aufgebot der Feuerwehr.

Wer war der Täter?

Hinweise auf die Täterschaft gibt es derzeit noch keine. Darum sei gemäss Wehrlich auch noch offen, ob es sich um einen Jugendstreich oder um einen gezielten Anschlag gehandelt habe. Stiftungsratspräsident Fredi Züst möchte von Vermutungen über die Verursacher gänzlich absehen. «Spekulationen sind fehl am Platze. Das Anliegen der Stiftung ist, dass Frieden in der Gemeinde herrscht. Darum versuchen wir, das Geschehene schnellstmöglich abzuhaken.»

Das geplante Asylzentrum ist seit Jahren ein Politikum

Hintergrund: Im leerstehenden Gebäude der Stiftung Sonneblick soll ein Asylzentrum entstehen. Der Fall ist seit Jahren ein Politikum: 2016 entschied die Ausserrhoder Regierung, das Durchgangsheim im ehemaligen Ferienheim unterzubringen. Die Baubehörde der Gemeinde verweigerte die Baubewilligung, Stiftung und Kanton rekurrierten erfolgreich. In der Folge erhoben Anwohner Einsprache. Erst im Mai 2020 lehnte auch das Bundesgericht die Beschwerde ab. Und das ehemalige Ferienheim soll ab 2021 als Asylzentrum genutzt werden.

Personen, die Hinweise zur Täterschaft machen können oder verdächtige Feststellungen gemacht haben, sind gebeten, sich mit dem Regionalpolizeiposten Heiden, Telefon: 071 353 93 11, in Verbindung zu setzen.