BOZEN: Neue Beziehung zum Toggenburg

Sie sind Schweizer Bürger, ihre Vorfahren spielten in der europäischen Politik eine grosse Rolle: Ulrich und Eberhard, Grafen von Toggenburg, leben in Bozen und produzieren auf ihrem Gut in der Toscana hochklassigen Wein und Olivenöl.

Sabine Schmid
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Das Palais in Bozen und die Familie Toggenburg haben eine grosse Bedeutung in der Geschichte der Länder Österreich und Italien.

Das Palais in Bozen und die Familie Toggenburg haben eine grosse Bedeutung in der Geschichte der Länder Österreich und Italien.

BOZEN. Es ist ein geschichtsträchtiges Haus, das Palais Toggenburg in Bozen. Ursprünglich am Stadtrand gelegen, ist es seit etwa 1840 Lebens- und Familienmittelpunkt der Grafen von Toggenburg. Im ehemaligen Gerichtsgebäude und Sitz der Südtiroler Landesregierung wurde 1796 die Idee zum Herz-Jesu-Bund geboren. Die Tiroler wollten damit ihr Land dem Heiligsten Herzen Jesu anvertrauen und so göttlichen Beistand im Kampf gegen die französischen Truppen Napoleons erhalten. Um an dieses Bündnis zu erinnern, werden noch heute jeweils am dritten Sonntag nach Pfingsten in Südtirol an Bergen die Herz-Jesu-Feuer angezündet. Der Saal, erklärt Ulrich Graf Toggenburg bei einem Besuch in Bozen, präsentierte sich damals anders. Heute sei es der einzige Saal im Empirestil in ganz Tirol und werde von der Familie nur noch selten genutzt.

Gleich im Raum nebenan ist die Bibliothek eingerichtet. Dominierend ist ein Bildnis des österreichischen Kaisers Franz Josef I. «Er hat es meinem Urgrossvater, Georg Graf Toggenburg, geschenkt, als dieser Statthalter von Venedig war», sagt Graf Ulrich. Graf Georg war auch in der Schweiz tätig, er stand im kaiserlichen Dienst und besass das Schloss Sargans. Dieses wurde von seinem Sohn Friedrich als letzter Besitz der Toggenburger in der Schweiz verkauft.

Wein führt ins Toggenburg

Graf Ulrich hat einen Teil seiner Schulzeit in Vorarlberg absolviert. «Mit 14 Jahren war ich erstmals in der Schweiz, obwohl ich die Schweizer Staatsbürgerschaft besitze», sagt er. Selber hat er nie in der Schweiz gelebt, wohl aber sein Bruder. Dessen Sohn ist als Arzt in Buchs tätig.

Immer wieder in der Schweiz und auch im Toggenburg ist Graf Ulrichs Sohn, Eberhard. 2004 haben die Toggenburger in der Toscana das Gut Poggio Rozzi gekauft. Dort produzieren sie Wein und Olivenöl, das Haus verfügt auch über einige Gästezimmer. 2007 wurde der erste Wein der Grafen von Toggenburg abgefüllt, der in mehreren Ländern vertrieben wird. «Der Wein hat mich bereits mehrere Male in meine Heimat geführt», sagt Graf Eberhard. Vor drei Jahren besuchte er die Toggenburger Messe TOM, an der er in diesem Jahr wieder präsent sein wird. Besonders in Erinnerung ist ihm das Jubiläum der Iddaburg, wo er erstmals an den Ursprung seiner Familie gekommen ist.

Exzellenz in Bozen

Zurück in Bozen geht es von der Bibliothek in den Park. Zwar sind die Pflanzen noch in der Winterruhe. Graf Ulrich weist auf botanische Besonderheiten in diesem einen Hektar grossen grünen Idyll mitten im Stadtgebiet hin. «Hier wohnen etwa ein Dutzend Papageien. Wir wissen nicht, woher die stammen», erzählt Graf Eberhard. Er kann sich erinnern, dass ein Gärtner hier einen Minizoo unterhalten hat mit Vögeln und Affen. Früher waren die Toggenburger in Bozen hoch angesehen. Graf Friedrich wurde von den Bozenern mit «Exzellenz» angesprochen. Zu Recht, wie sein Enkel Graf Ulrich meint. In den ersten Jahren des Ersten Weltkriegs war er, wie bereits sein Vater, Statthalter von Tirol und Vorarlberg. Im letzten Kriegsjahr war Friedrich Graf Toggenburg Innenminister beim österreichisch-ungarischen Kaiser Karl I. Nach dem Krieg wurde Südtirol Italien zugeschlagen und Graf Friedrich wurde zum ersten deutschsprachigen Abgeordneten im damaligen faschistischen Rom.

Die Grafen Ulrich (rechts) und Eberhard Toggenburg vor dem Bild des jungen Kaisers Franz Josef von Österreich in der Bibliothek des Palais. (Bilder: Sabine Schmid)

Die Grafen Ulrich (rechts) und Eberhard Toggenburg vor dem Bild des jungen Kaisers Franz Josef von Österreich in der Bibliothek des Palais. (Bilder: Sabine Schmid)

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