Bonnie & Clyde aus Notwehr

Beat und ich brechen frühmorgens auf, um mit unserem Bob und sechs Alphörnern einen Anlass auf der Schweizerischen Botschaft in Berlin zu beehren. Mit unseren Diplomaten-Papieren, die zwingend am Zoll abzustempeln sind, fahren wir arglos den Grenzübergang Au an.

Alex Baumann
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Bild: Alex Baumann

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Beat und ich brechen frühmorgens auf, um mit unserem Bob und sechs Alphörnern einen Anlass auf der Schweizerischen Botschaft in Berlin zu beehren. Mit unseren Diplomaten-Papieren, die zwingend am Zoll abzustempeln sind, fahren wir arglos den Grenzübergang Au an. Der österreichische Zöllner beschaut sich die Papiere mit der Hektik eines altgedienten Beamten, den höchstens die defekte Kaffeemaschine zur Znünipause aus der Ruhe bringen kann. Nüchtern stellt er fest, dass dies deutsche Papiere sind und er uns deshalb die 20minütige Passage durch sein Heimatland nicht gestatten könne. Wir weisen ihn auf die Harmlosigkeit der Fracht hin. Daraufhin sucht er den gesunden Menschenverstand und findet nichts. Eine Verwandtschaft mit einem gewissen Theophil Läppli aus Buckten streitet er hartnäckig ab. Also drehen wir um und fahren nach Konstanz. Dort verschwindet die Dame am Schalter mit unseren Papieren und taucht kurz darauf an der Spitze einer Beamtenpolonaise wieder auf. Offenbar ist die Unterschrift auf dem Botschaftsdokument beim Zollamt nicht hinterlegt und dies erfordere nun dringliche Anrufe an das Hauptzollamt bzw. das Innenministerium in Berlin, um eine Sonderbewilligung für unsere Weiterreise zu erwirken. Wir sehen bereits die bilateralen Verträge durch unseren Bob und die sechs Alphörner ins Wanken kommen. Es wird uns Kaffee in der Halblitertasse gereicht, was durchaus als Zeitprognose für die Bearbeitung des Falles verstanden werden darf. Zwei Stunden später erfolgt dann die Einreisegenehmigung. Die Untersuchungen haben ergeben, dass die beim Zoll hinterlegte Liste mit der fehlenden Unterschrift aus dem Jahr 2011 stammt und somit seit vier Jahren veraltet ist. Aber immerhin würden sie den Fehler zugeben. Bei der Rückreise verzichten wir auf sämtliche Stempel und fühlen uns beim Gang in die Kleinkriminalität ein wenig wie Bonnie & Clyde. Einfach ohne Liebe und Tod und so.