BOB: Premiere für einstiges Erfolgsduo

An der Schweizer Meisterschaft in St. Moritz treffen die ehemaligen Teamkollegen Beat Hefti und Alex Baumann erstmals wettkampfmässig aufeinander, allerdings mit unterschiedlichen Zielsetzungen.

Urs Huwyler
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Radprofi Michael Albasini (links) und Beat Hefti testen an Sandra Graf, ob sie ein neues Appenzeller Bobduo werden könnten. (Bild: UHU)

Radprofi Michael Albasini (links) und Beat Hefti testen an Sandra Graf, ob sie ein neues Appenzeller Bobduo werden könnten. (Bild: UHU)

Sollten aufgrund des McLaren-Reports über den russischen Dopingskandal irgendwann Namen von positiv getesteten Athleten bekanntgegeben werden, dürfte der Silber-Bob Beat Hefti (Schwellbrunn)/Alex Baumann (Stein) ein Paket mit einer Goldmedaille erhalten. Es muss davon ausgegangen werden, dass in Sotschi 2014 auch Alexander Zubkov den Bob nicht nur mit Muskelkraft anschob. Ändern würde sich für den Appenzeller Express wenig. Ausschlachten liesse sich der Triumph kaum mehr, zumal es das Erfolgsduo nicht mehr gibt, nachdem Anschieber Baumann auf diese Saison hin aus sportlichen (Starts im 2er-/4er-Schlitten; Einbindung in ein Team) und finanziellen Überlegungen (höher dotierter Vertrag) mit Unterstützung des Verbands (starker Vierer) und dem Bobclub Zürichsee zum Team von Pilot Rico Peter gewechselt hat.

Der vierfache Olympia-Medaillengewinner Hefti wird deshalb am Wochenende an der SM in St. Moritz maximal um Silber oder Bronze mitfahren können, nachdem die Nachwuchsleute noch nicht so weit sind, um vorne mitmischen zu können. Beim Europacup in Altenberg war das neue Team nach Rangpunkten gerechnet (7./8.) – in Abwesenheit von Peter – allerdings bereits besser klassiert als die andern Schweizer Bobs. «Wir verlieren am Start rund zwei Zehntel, aber ein leichter Aufwärtstrend war erkennbar», resümierte der Schwellbrunner.

Hefti kann abwarten

Heftis Situation präsentiert sich im Hinblick auf die internationalen Titelkämpfe nicht so dramatisch, wie dies erscheinen mag. Nachdem der Ex-Sprinter der Konkurrenz athletisch überlegen ist und fahrerisch mindestens ihr Niveau erreicht, sollte ihm für die EM, WM oder Olympischen Spiele schon im Vorfeld – wegen der Startnummer – vereinzelt ein Top-Bremser auf den Schlitten gesetzt werden. Die Wahl könnte theoretisch und praktisch auf Alex Baumann fallen.

Sportchef Thomas Lamparter (Swiss Sliding) hat schliesslich in der Vergangenheit wiederholt ­betont, angestrebt würden im Zweier und Vierer Medaillen. An Beat Hefti werden die Strategen nicht vorbeikommen. Christoph Langen, nun in Schweizer Diensten stehender bisheriger deutscher Cheftrainer, hat letzten Winter festgestellt, die Schweiz besitze keinen schnelleren Piloten als Hefti. Mit einer starken Mannschaft im Rücken zähle er ihn sogar mit dem Vierer zu den Podestplatzanwärtern. «Wichtig ist», so der Schwellbrunner, «dass ich in Form bin. Dann liegt es am Verband, die Teams zu ­bilden. Durch den Wechsel von Alex, dessen Transfer ich bedaure, kann und muss ich abwarten, was verbandsintern passiert. Das ist eine neue Ausgangslage.»

Baumann statt Zijden

Der rekonvaleszente Alex Baumann wird nach der langen Verletzungspause an der SM erstmals bei Rico Peter zum Einsatz kommen. «Ob ich im Zweier dabei bin, hängt von den Schmerzen im Training ab. Im Vierer werde ich jedoch starten.» Er soll dafür sorgen, dass im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2018 der noch immer bei Schweiz 1 ­anschiebende Holländer Van ­ der Zijden ersetzt werden kann. ­Damit wird deutlich, dass die Schweiz derzeit über maximal drei bis vier international «taugliche» Bremser verfügt.

Beat Hefti und Alex Baumann werden damit in St. Moritz als Gegner aufeinandertreffen. «Ich werde mich auf meine Aufgabe konzentrieren. Damit habe ich genug zu tun», lautet der Tenor vor der vielbeachteten Premiere. Der Umgang wird wie unter rivalisierenden Sportlern üblich kollegial sein. Für beide wird es allerdings nach den gemeinsamen Jahren eine spezielle Wettkampf-situation sein. Zumal Baumann nach dem Wechsel auch nicht mehr dem Micarna-Sportlerteam (u.a. mit Michael Albasini, San­dra Graf, Nicola Spirig, Giulia Steingruber) angehört. Hefti/Albasini haben schon mal Sandra Graf im Rollstuhl angeschoben, um zu testen, ob sie einen neuen Appenzeller Express bilden ­könnten.

Ob die Trennung richtig ist, darüber lässt sich nach den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea Bilanz ziehen. Nach dem Weltcupsieg (u.a. ohne die Deutschen) zum Saisonauftakt startet Rico Peter aus der Pole Position. Aber Beat Hefti ist im Zweier noch nicht geschlagen. Er möchte sich auf den kleinen Schlitten konzentrieren, Alex Baumann strebt einen Doppelstart an.

Urs Huwyler

redaktion@appenzellerzeitung.ch