Blütezeiten Mineralheilquelle

Während 500 Jahren war Rietbad ein Kurort mit Mineralheilquelle.

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Während 500 Jahren war Rietbad ein Kurort mit Mineralheilquelle. Eingebettet im Lutherntal im Bergsturzgebiet zwischen Stockberg und dem Gebirgsrücken Hinterfallen-Pfingstboden-Gössigen, mit Blick zum Säntis hin, trotzte es seiner abgeschiedenen Lage über lange Zeit, erlebte mehrere Blütezeiten und geriet nach dem Brand des Kurhauses in Vergessenheit. Die folgenden geschichtlichen Schwerpunkte stammen aus dem «Toggenburger Heimatjahrbuch 1957» des Ennetbühlers Jakob Wickli-Steinegger.

Grafen Über die Entdeckung der Schwefelquelle und die Erbauung des Badhauses ist nichts bekannt. Der älteste Hinweis findet sich im Buch «Chronik oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft St. Gallen» von August Naef, wonach schon die Grafen von Toggenburg und deren Nachfolger, die Freiherren von Raron, der Quelle zum Heile der Leidenden besonderen Schutz verliehen. Erstere regierten etwa von 1044 bis 1436.

Vadian Mitte des 16. Jahrhunderts besucht Arzt, Humanist und Reformator Vadian die Quelle und lässt das Wasser untersuchen. Er stellt fest, dass es guten Schwefel, etwas Alaun und Terrae sigillatae (rote Heilerde) enthält.

Bestandteile Dr. Nadler vom Polytechnikum in Zürich bestätigt diese Mineralien 1860 und stellt erheblich mehr Bestandteile fest: Kalk, Magnesia, Natron, Eisenoxydul, Kali, Chlornatrium und Kieselsäure. Als gasige Bestandteile werden Kohlensäure und Schwefelwasserstoff nachgewiesen.

Hans Suter Die Besitzer und Lehentrager des Rietbads sind schriftlich festgehalten, seitdem das Toggenburg 1468 vom Kloster St. Gallen abhängig ist, da die Äbte genau Buch führten. Als erster empfängt Hans Suter von Sidwald das Bad um 1500 mit 15 Rinderrechten zur Wideralp.

Familie Hug Nach vielen Wechseln geht das Rietbad 1584 an Bartholomäus Hug von Lichtensteig, der als auswärtiger Burger erstmals die Alpen nicht erhält. Es bleibt im Besitz seiner Familie, bis 1625 ein Johannes Hermann oder Germann von Nesslau Haus, Hof, Hofstatt, Badhaus und Garten empfängt.

Badmeister Als 13. Besitzer ist Elias Wirth von Enetbüel bekannt, der das Haus nicht gleich wieder verkauft oder überlässt. Er kauft es um 1641 und ist 20 Jahre später immer noch Badmeister.

Renovation Nach einem Blitzschlag wird das Haus 1668 unter Claus Scherrer, Leutnant zu Kramen, Sidwald, durchgreifend renoviert. Er und sein Bruder Hans Wendelin geben 1677 auch die erste Druckschrift zum Rietbad heraus. Das Geschlecht Scherrer zählt fortan fast hundert Jahre lang zu den Badinhabern. Das 17. Jahrhundert stellt für das Toggenburger Bad auch im Vergleich zu anderen im Land eine Glanzzeit dar.