Blues-Rock und Café? Mutig und kreativ

WATTWIL. Ob das zusammengeht: Blues-Rock im Café? Es war zu beweisen, am Freitag im Wattwiler Café Abderhalden, denn es war ein Konzert angesagt, eins der etwas lauteren Art. Die Band, die da auftrat, hiess Invade, wohlbekannt im ganzen Toggenburg und darüber hinaus, hat schon in fast jeder Location gespielt.

Michael Hug
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Tolles Konzert mit Invade im Café – trotz Säule im Sichtfeld. (Bild: Michael Hug)

Tolles Konzert mit Invade im Café – trotz Säule im Sichtfeld. (Bild: Michael Hug)

Tatsächlich, es war lauter als sonst, lauter auch als eine Vernissage oder eine Lesung, all dieses hat das Café schon gesehen und erlebt, und alles ging, auch wenn da eine Säule im Sichtfeld steht. Ebenso hat es die Wirtefamilie Menzi schon mit gesetzter Musik versucht, auch das ging, aber eben, eine Bluesband, die auch dem etwas lauteren Blues-Rock zugetan ist, das war schon recht neu. Doch Gregor Menzi ist mutig in solchen Sachen und sehr kreativ, ausserdem wäre das Café am Freitagabend ohnehin schon geschlossen gewesen, er hat also keine Stammgäste verscheucht.

Einheimische Band

Zudem war die Band, die da auftrat, nicht irgendwer, sondern eine einheimische Band, da ist auch das Publikum sozusagen garantiert. Der ganze Aufwand, Werbung, Bühne, Technik und nicht zuletzt die Gage, der Znacht mitsamt Grappa für die Band, würden also bestimmt nicht umsonst sein. Die Band, die da auftrat, hiess Invade, wohlbekannt im ganzen Toggenburg und darüber hinaus, hat im und ausserhalb dieses schon fast in jeder Location gespielt, warum also nicht auch im Café, wo es sonst eher distinguierter zu und her geht und eine Säule im Sichtfeld steht. Beide Seiten, Wirt und Band, liessen sich also auf den Versuch ein – und gewannen in jeder Beziehung.

Natürlich wissen Habitués, was von Invade zu erwarten ist. Natürlich wussten sie, was da auf sie zukam, natürlich kennen die Meisten die meisten Bandmembers beim vollen Namen und natürlich war es darum für viele höchst natürlich, dass man das Konzert sozusagen als Pflicht ansah, das ja ausserdem gleich um die Ecke stattfand. Summerdays in Arbon oder Invade in Wattwil, das war gar keine Frage, hie wie da dürfte der Altersschnitt derer auf der Bühne wie derer davor etwa der gleiche gewesen sein, und überhaupt, wann endlich sieht der Booker in Arbon ein, dass man die Toggenburger eigentlich auch mal einladen könnte? Und ausserdem steht da unten auf der Arboner Promenade nicht nur eine Säule, sondern ein ganzes Mixergebäude.

Die noch Fans werden könnten

So kamen sie also aus der näheren und ferneren Umgebung, die Fans und die, die es noch werden könnten. Die einen kamen des knackigen Sounds wegen, die anderen, weil eh grad nichts los war im Tal. Damen im besten Alter kamen, weil sie den Klang des Saxophons sexy finden, und Herren kamen, weil sie Blues mögen oder den Saxophonisten als zu sexy einstuften. Wiederum andere kamen, weil sie die Kombination Essen und Musik als besonderes Ausgangserlebnis geniessen wollten, ja und vielleicht kamen auch ein paar, weil sie anderntags etwas zu erzählen haben wollten, und sei's der Ärger wegen der Säule im Sichtfeld.

Denen auf der Bühne – die aus nicht viel mehr als einem schwarzen Tuch an der Wand bestand – war das alles eigentlich egal. Sie wollten und wollen spielen, welcher Musiker wollte das nicht, und sie freuten sich über den regen Zuspruch seitens des Publikums, das im übrigen fast jeden noch verfügbaren Stuhl im Café in Beschlag nahm, so dass Gregor Menzi von einer ausverkauften Veranstaltung sprechen kann. Wie erwähnt, denen auf der Bühne – Franco Pellegrini (Gitarre), Sandro Pantaleoni (Keyboard), Marcel Pedrett (Saxophon), Heinz Wellauer (Schlagzeug) und Markus Schälli (Bass) – konnte das alles nur recht sein. Ein Gig vor heimischem Publikum statt Smoke on the Water am Bodensee – das ist doch alleweil vorzuziehen, auch wenn da eine Säule im Sichtfeld steht.