Bloch unterwegs im Hinterland

URNÄSCH. Gestern zog die Urnäscher Blochmannschaft ihr Bloch erstmals nach Hundwil und Stein. Auf den Dorfplätzen wird sie warm empfangen. Die Appenzeller Zeitung begleitet die Männer und ihren Baumstamm ein Stück Wegs vom Sonder nach Hundwil.

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Nach der Mittagsrast im Sonder geht es weiter nach Hundwil: Die Männer ziehen das Bloch und «erdulden» die Peitsche des Fuhrmanns und seine Rufe. (Bilder: gbe)

Nach der Mittagsrast im Sonder geht es weiter nach Hundwil: Die Männer ziehen das Bloch und «erdulden» die Peitsche des Fuhrmanns und seine Rufe. (Bilder: gbe)

Währschafte Kost im Restaurant Sonder, zwischen Stein und Hundwil: Die hungrigen Urnäscher essen schnell. Seit fünf Uhr sind sie auf den Beinen, Abmarsch vorm «Anker» in Urnäsch war um halb sechs Uhr. Und seither nehmen sie vor allem Flüssiges zu sich: Kafi Schnaps und Spezli. Auf der Strasse steht das Bloch, das kleine Feuerlein im Ofen erlischt langsam, ein paar Neugierige, mit teuren Fotokameras, gehen um den Rosswagen mit dem Baumstamm.

Am Morgen zogen die Männer als altertümliche Schreiner, Jäger, Förster, Schmiede, Zimmermänner und Bauern verkleidet das Bloch erstmals nach Hundwil und Stein statt nach Herisau. Die Verkehrssicherheit ist der Kantonspolizei wichtiger als der alte Fasnachtsbrauch. Aber das macht den Männern nichts aus; sie geniessen ihren Ausflug über Land sichtlich. In den Dörfern werden sie zudem warm empfangen.

Ihr Weg führt die Blochmannschaft über die Urnäscherstrasse nach Hundwil und über die Hauptstrasse nach Stein. Kurz vor Mittag reiten der «Herold» hoch zu Ross und die Vorreiter vor dem Restaurant Sonder auf. Nach der Mittagsrast führt der Weg der Gesellschaft über Hundwil und Waldstatt zurück nach Urnäsch, wo der Baumstamm schliesslich versteigert wurde.

Zäuerli vor der Arbeit

Auf den Kaffee verzichteten die Männer und setzten lieber ihren Weg fort. Vor der Wirtschaft nehmen einige der Männer ein Zäuerli; dann ruft der Fuhrmann «Ihstoh!». Doch das Fussvolk lässt sich Zeit, manch einer zündet sich noch einmal einen «Krummen» an, zupft sich am falschen Bart oder rückt die Kleider, den Tornister zurecht. «Ihstoh!», ruft der Fuhrmann noch einmal, energischer, und dann nehmen die Männer die Riemen in die Hand und ziehen den Karren über die schneebedeckte Strasse.

Die Kässelibuebe rennen die Strasse entlang, klopfen an die Türen der verstreut liegenden Höfe links und rechts der Route und rascheln mit dem Münz in der Blechbüchse. Steil fällt die Strasse vom Sonder zur Hauptstrasse hinab, der Wagenwart dreht an der Bremse und kommt ins Schwitzen, derweil die Männer vorne lachen: Hier ist's ein Leichtes!

Ab und zu knallt ein Boller; der Schmied hält solche ins Feuer seines Ofens und dann mit einer Zange in die Luft – es kracht. Dann füllt er Reisig in den Ofen, es raucht und stinkt. Es schwingt der Fuhrmann seine Peitsche und blasen die Musikanten auf dem Holzstamm eine Polka.

Fast triumphal in Hundwil

Der Empfang vorm Restaurant Ochsen in Hundwil dann ist fast schon triumphal. Als ob man hier schon lange auf die Routenänderung gehofft hätte. Voller Stolz langen die Urnäscher Männer an; die Hundwiler bieten ihnen Kafi Schnaps und Bier, viele Gäste haben sich um 13 Uhr hier eingefunden. Auch Frauen sind dabei, obwohl ihnen die «Entführung» durch den Bären droht. Und der macht seinem Geschlecht alle Ehre: Das Appenzeller Wappentier scheucht die Besucherinnen auf, packt die eine oder andere, bis dass der Jägermeister ihn an der Kette zur Ruhe mahnt. «Ihstoh!», ruft der Fuhrmann über den Platz, und bald ist die Ordnung der Truppe wieder hergestellt. Das Bloch fährt im Schritttempo über den Landsgemeindeplatz, und die beiden Musikanten spielen wehmütig das Landsgemeindelied. Es geht zurück nach Urnäsch.

Guido Berlinger-Bolt

Das Bloch fährt über Land.

Das Bloch fährt über Land.

Herold und Vorreiter, dahinter die bärtigen Männer und das Bloch.

Herold und Vorreiter, dahinter die bärtigen Männer und das Bloch.

Kafi Lutz und später ein Zäuerli vor der «Krone» in Hundwil.

Kafi Lutz und später ein Zäuerli vor der «Krone» in Hundwil.

Die Musikanten machen Pause auf dem Baumstamm.

Die Musikanten machen Pause auf dem Baumstamm.

Das wilde Treiben des Appenzeller Wappentiers.

Das wilde Treiben des Appenzeller Wappentiers.

Auf geht's über den Landsgemeindeplatz gen Urnäsch.

Auf geht's über den Landsgemeindeplatz gen Urnäsch.