BLICK ZUM TOGGENBURGER HIMMEL

Nagelfluh auf dem Mars Der Sternenhimmel im September 2013 Aufgang: 1. September: ca. 6.48 Uhr MOSZ 22. September: ca. 7.15 Uhr MOSZ 30. September: ca. 7.25 Uhr MOSZ Untergang: 1. September: ca. 19.57 Uhr MOSZ 22. September: ca. 19.

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Nagelfluh auf dem Mars

Der Sternenhimmel

im September 2013

Aufgang:

1. September: ca. 6.48 Uhr MOSZ

22. September: ca. 7.15 Uhr MOSZ

30. September: ca. 7.25 Uhr MOSZ

Untergang:

1. September: ca. 19.57 Uhr MOSZ

22. September: ca. 19.14 Uhr MOSZ

30. September: ca. 18.59 Uhr MOSZ

MOSZ = Mittlere Orts-Sommerzeit, Region Toggenburg

Vollmond: Donnerstag, 19. September, im Sternbild Fische

Neumond: Donnerstag, 5. September, im Sternbild Sextant

MERKUR

Der Merkur kann während des ganzen Monats nicht beobachtet werden.

VENUS

Die Venus ist am Abendhimmel in der Dämmerungsphase noch zu sehen. Am 1. September geht sie um circa 21 Uhr, am 30. September schon kurz nach 19 Uhr unter.

MARS

Der Mars scheint am Morgenhimmel. Am 10. September zieht er im Sternbild Krebs südlich am offenen Sternhaufen Praesepe (Krippe) vorbei. Wer dieses wirklich schöne Schauspiel sehen möchte, muss früh aufstehen. Der Mars geht um circa 5 Uhr auf.

JUPITER

Der Jupiter ist der Planet der zweiten Nachthälfte. Er geht am 1. September um circa 2 Uhr auf, am Ende des Monats schon um 0.30 Uhr. Die günstigste Zeit zum Sternschnuppenbeobachten ist die Zeit nach Mitternacht.

SATURN

Der Saturn kann nicht mehr lange am Abendhimmel beobachtet werden, weil er Anfang September um 21 Uhr untergeht, Ende Monat bereits um 20 Uhr.

STERNE UND MILCHSTRASSE (22 bis 23 Uhr)

Noch stehen die Sommersternbilder Schwan, Adler und Leier mit ihren hellen Hauptsternen in der Meridianregion. Ende September sind sie im Westen zu sehen. Auf der Sternkarte sind die drei Sterne mit einer Linie verbunden und bilden ein fast rechtwinkliges, grosses Dreieck. Im Osten gehen jetzt die Herbststernbilder auf: Es sind die Sternbilder Pegasus, Andromeda, Perseus und die Fische. Horizontnah erkennt man die Sternbilder Steinbock und Wassermann.

In klaren Nächten ist es reizvoll, das Milchstrassenband mit den dunkleren Regionen zu beobachten. Wir sehen beim Blick zur Milchstrasse immer nur einen Teil eines Galaxienarms unserer Balkenspiralgalaxie, in der wir zu Hause sind. Die Milchstrassengalaxie hat einen balkenähnlichen Kern, von dem zwei Hauptsternäste ausgehen. Zwischen den Sternbildern Schwan und Adler befindet sich östlich ein kleines, deutlich erkennbares Sternbild: der Delphin. Westlich in der Milchstrasse, auf gleicher Höhe wie der Delphin, ist das Sternbild Pfeil zu sehen. Am 14. August dieses Jahres entdeckte ein japanischer Hobby-Astronom zwischen den beiden Sternbildern einen «neuen» Stern. Es ist eine Nova. Sicher haben Sie schon von Supernovas gehört. Das sind Sterne, die in ihrem Endstadium explodieren. Ein Stern, der zur Supernova wird, entledigt sich seiner aufgeblähten äusseren Sternhüllen. In einem Doppelsternsystem mit einem weissen Zwergstern kann es zu einer explosiven Zündung kommen. Über den physikalischen Prozess bei einer Nova weiss man heute gut Bescheid. Es erfolgt ein Helligkeitsausbruch, der nach Tagen oder Wochen wieder vorbei ist. Der dänische Astronom Tycho Brahe entdeckte bei seinen Himmelsbeobachtungen 1572 eine Nova-Explosion, die rund eine Woche lang zu sehen war. Er nannte den neuen Stern «Nova», was «neuer Stern» bedeutet. Im Sternbild Pegasus ist das Objekt M15 angegeben. Betrachten Sie einmal mit dem Feldstecher diese Gegend. Der schwache Lichtfleck wird Ihnen auffallen. Wenn Sie durch ein Fernrohr bei mittlerer Vergrösserung (circa 40- bis 60fach) den Fleck betrachten, werden Sie bereits einzelne Randsterne im Kugelhaufen M15 erkennen. 1746 wurde dieser Fleck entdeckt. Es gelang erst 1783, mit einem besseren Fernrohr den Lichtfleck in Sterne aufzulösen. In diesem Sternhaufen wurden bis heute neun Pulsare entdeckt. Das sind Sterne im Endstadium nach Supernova-Explosionen. M15 ist rund 30 000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 500 000 Sterne. Hoch im Westen, in der Zenitregion, können wir auch den Kugelsternhaufen M13 bestaunen. Dazu benötigen wir ein Fernrohr. Er zählt zu den schönsten am ganzen Himmel. Ein interessantes Objekt ist der Kopfstern Albireo im Schwan. Er besteht aus zwei Sternen, von denen einer orange, der andere blau leuchtet. Der orange Stern ist 19mal grösser als die Sonne und scheint 100mal heller als sie. Wenn man im Fernrohr die beiden Sterne defokussiert, das heisst, sie zu Scheibchen verschwimmen lässt, sind die Farben der beiden Sterne viel besser zu sehen. Schliesslich lässt sich am Septemberhimmel bereits die Andromeda-Galaxie im Osten als elliptische Scheibe mit einem hellen Kern beobachten. Sie ist unsere Nachbargalaxie in einer Entfernung von zweieinhalb Millionen Lichtjahren. Diese Distanz ist für astronomische Verhältnisse durchaus nachbarlich.

STERNSCHNUPPEN

Die günstigste Zeit, um Sternschnuppen zu beobachten, ist die Zeit nach Mitternacht. Manchmal kann es aber vorkommen, dass Sternschnuppenschwärme tagsüber erfolgen. Leider kann man diese nicht beobachten. Am 1. September 2007 gab es einen Sternschnuppenschauer über die Mittagszeit. Das war im letzten Jahrhundert nur dreimal der Fall.

Drei Sternschnuppenströme gibt es im September: Sternschnuppen, die aus den Sternbildern Fische, Stier und Fuhrmann zu fliegen scheinen. Es sind nur etwa fünf bis zehn pro Stunde.

ASTRONOMISCHES

Der Curiosity-Rover auf dem Mars (Curiosity bedeutet Neugier) ist ein Erfolg für die Nasa, wie er nicht besser sein könnte. Der Rover hat Spuren von Wasser gefunden. Flussläufe auf dem roten Planeten kennt man zwar schon lange, die Gewissheit jedoch fehlte, ob es sich wirklich um Wasser handelte oder nicht. Curiosity hat seit August nach der weichen Landung nicht nur Bodenproben analysiert, sondern auch neue Fotos von Felsbrocken gemacht, die einmal im Wasser gelegen sein müssen. Rund geformte Steine wie in Flüssen kamen zum Vorschein. Die Bodenanalysen konnten den Beweis für Wasser untermauern. Man könnte beim Anblick der rundgeschliffenen Steine fast von Nagelfluh sprechen. Der Nagelfluh ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass er in grauer Vorzeit in Flussbetten gebildet worden ist. So ist auch das Speer-Massiv einmal in einem Fluss gelegen, ja das ganze Toggenburg. Dort, wo es Wasser gibt oder gab, da kann Leben entstehen. Auf den Mars bezogen: Eine wichtige Voraussetzung für Lebensformen auf dem Mars ist erfüllt. Curiosity entdeckte unter anderem auch kohlenstoffhaltige Verbindungen. Kohlenstoff ist eine weitere Voraussetzung für das Leben. Die dünne CO2-Atmosphäre des Mars könnte in früheren Zeiten Einzellern das Leben ermöglicht haben. Die neulich gefundenen Einzeller sind jedoch noch kein Indiz für jetziges Leben auf dem roten Planeten, weil es sich um, von Curiosity eingeschleppte, Keime handeln könnte. Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass Curiosity in Reinraum-Gebäuden steril entwickelt und produziert worden ist. Man wollte vermeiden, dass Keime ins All geschleppt werden. Trotzdem gibt es Ausreisser. Dass es äusserst schwierig ist, eine total sterile Umgebung zu schaffen, zeigte ein Experiment, das auf der ISS (Internationale Raumstation) durchgeführt worden ist. Während acht Monaten wurden verschiedene Einzeller an der Aussenwand eines ISS-Moduls dem lebensfeindlichen All ausgesetzt. Die ganze kosmische Strahlung prasselte auf diese Einzeller und Keime. Als man sie im Labor untersuchte, lebten sie noch und konnten sich weiter entwickeln. Während der Zeit im All befanden sie sich in einer Art Totenstarre. Sobald die Lebensbedingungen im Labor stimmten, begannen sie wieder zu leben. Aufgrund dieser Erfahrungen ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass der Mars in frühen Zeiten Leben beherbergte.

Hanspeter Steidle

Öffentlicher, kostenloser Beobachtungsabend in der Sternwarte Heiterswil, Freitag, 6. September, ab 21 Uhr (nur bei schönem Wetter). Auf www.avt.astronomie.ch wird am 6. September, um 19 Uhr über die Durchführung orientiert.