BLICK ZUM TOGGENBURGER HIMMEL

Ho, Chi, die Andromeda-Galaxie und der Granatstern Der Sternenhimmel im Oktober 2010 Aufgang: 1. Oktober: 7.22 Uhr MOSZ 31. Oktober: 7.04 Uhr MOZ Untergang: 1. Oktober: 19.08 Uhr MOSZ 31. Oktober: 17.

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Ho, Chi, die Andromeda-Galaxie und der Granatstern

Der Sternenhimmel

im Oktober 2010

Aufgang:

1. Oktober: 7.22 Uhr MOSZ

31. Oktober: 7.04 Uhr MOZ

Untergang:

1. Oktober: 19.08 Uhr MOSZ

31. Oktober: 17.10 Uhr MOZ

MOSZ = Mitteleuropäische Sommer-Ortszeit, Region Toggenburg

MOZ = Mitteleuropäische (Winter-)Ortszeit, Region Toggenburg

Am Sonntag, 31. Oktober, werden die Uhren wieder auf die Winterzeit umgestellt.

Neumond: Donnerstag, 7. Oktober, im Sternbild Jungfrau

Vollmond: Samstag, 23. Oktober, im Sternbild Fische

MERKUR

Vom 1. bis 3. Oktober kann der Merkur am Morgen kurz vor Sonnenaufgang beobachtet werden. Vom 4. Oktober an ist er während des ganzen Monats nicht mehr zu sehen.

VENUS

Der helle Planet hält sich am Taghimmel auf und ist nicht zu beobachten.

MARS

Der rote Planet ist im Oktober nicht zu beobachten.

JUPITER

Der Jupiter bleibt, wie im September, der helle Planet am Nachthimmel. Seine Distanz zur Erde vergrössert sich wieder und er wird optisch kleiner. Am Morgenhimmel wird er weniger lang sichtbar sein. Seine Untergangszeit wird Ende Monat schon kurz nach 03.30 Uhr erfolgen.

Wer den Jupiter mit seinen Wolkenformationen noch genauer beobachten möchte, muss dies im Oktober tun. Am Himmel wandert er vom Sternbild Fische in das Sternbild Wassermann, also westlich.

SATURN

Erst gegen Monatsende wird der Ringplanet am Morgenhimmel erscheinen und wegen der aufgehenden Sonne nicht mehr lange zu sehen sein.

STERNE UND MILCHSTRASSE

Wegen der immer früher einsetzenden Dunkelheit sind die Sommersternbilder um ca. 20 Uhr im Zenit sehr gut zu sehen. Wer einige Objekte des Sommerhimmels, (z. B. den Ringnebel in der Leier) mit einem Fernrohr beobachten will, hat im Oktober die Möglichkeit, ihn und andere Objekte in den Sternbildern Schwan, Adler und Leier zwischen 20 und 21 Uhr hervorragend zu sehen. In der Zenitregion ist der Weg des Sternenlichts durch die Atmosphäre am kürzesten. Deshalb sind Objekte in der Zenit- und Ostregion am besten geeignet für die Beobachtung.

Der Pegasus (das sogenannte Herbst-Viereck) sowie die darunter liegenden Fische sind leicht zu finden. Der Jupiter leuchtet unterhalb des westlich liegenden Fischteils hell und ist als Orientierungshilfe wertvoll.

Die Milchstrasse zieht sich vom Nordosten zum Südwesten. Das Sternbild Cassiopeia, ganz in der Milchstrasse gelegen, bietet für den Feldstecher und für das Fernrohr einmalig schöne Stellen: Zwischen den Sternbildern Perseus (ganz im Osten) und dem Schwan

(im Westen) bietet sich die Gelegenheit, das Staunen Galileo Galileis nachzuempfinden, als er sein Fernrohr auf die Milchstrasse richtete: Früher meinte man, ein Himmelsnebel verdecke die Sicht zu weiteren Sternen. Galileo sah als einer der ersten, dass die Milchstrasse selbst nur aus Sternen besteht. Heute ist das beste Fernrohr für die Beobachtung der Milchstrasse der Feldstecher (mit ca. 10facher Vergrösserung und einem Objektivdurchmesser von 4 bis 5 cm).

STERNSCHNUPPEN

Vom 7. bis 11. Oktober quert die Erde die Bahn eines ehemaligen, aufgelösten Kometen. Die einzelnen Meteore dieses Kometen werden Draconiden oder Giacobiniden genannt, weil sie aus dem Sternbild Drache zu fliegen scheinen und früher zum Kometen Giacobini-Zinner gehörten. Am 21. Oktober sind es die Orioniden, die ziemlich zahlreich daherkommen. Man rechnet mit bis zu 70 Sternschnuppen pro Stunde. Man vermutet, dass es abgestossene Meteore des Halleyschen Kometen sind.

Um möglichst viele Kometen zu sehen, lohnt es sich, in der Zeit von Mitternacht bis am frühen Morgen den Himmel zu beobachten, der überdies in dieser Zeit meistens am klarsten ist.

MOND UND STERNE

Vom 1. bis 17. Oktober ist die erste Nachthälfte für die Sternbeobachtung günstig.

Vom 4. bis ca. 20. Oktober ist der zunehmende Mond sehr interessant.

Mit einem Fernrohr können die Schatten von Kratern in der Terminatorzone (Tag-Nacht-Grenze) besonders schön beobachtet werden.

ÖFFENTLICHER BEOBACHTUNGSABEND

Bei schönem Wetter wird am Freitag, dem 1. Oktober, ab 20 Uhr ein öffentlicher, kostenloser Beobachtungsabend in der Sternwarte Heiterswil durchgeführt.

INTERESSANTE BEOBACHTUNGEN

Ho und Chi im Perseus: Zur Erinnerung an die beiden Astronomen/Astrologen im alten China, die ihrem Kaiser eine bevorstehende Sonnenfinsternis nicht voraussagten und deshalb geköpft wurden, sind die beiden wunderschönen offenen Sternhaufen nach ihnen benannt worden. Sie sind von blossem Auge bereits als kleines Wölkchen zu erkennen und lösen sich in kleinen Fernrohren in Einzelsterne auf.

Der berühmte rote Stern im Cepheus, als Granatstern bekannt, ist ein roter Überriese in einer Entfernung von 2800 Lichtjahren. Seine tiefrote Farbe sieht man im Fernrohr besonders gut. M 15 ist ein offener, prächtiger Sternhaufen in 33 000 Lichtjahren Entfernung. Er ist mit Feldstecher und Fernrohr ein beeindruckendes Objekt.

Die Andromeda-Galaxie, 2,7 Millionen Lichtjahre entfernt, ist immer ein herrlicher Anblick. Der intensiv helle Kern fällt besonders auf.

M 57: Ringnebel in der Leier. Er sieht im Fernrohr aus wie ein Rauchring und ist nicht leicht zu finden. Wer ihn gesehen hat, will ihn immer wieder sehen. Es ist die Hülle eines Sterns, der einmal explodiert ist. Diesen Stern inmitten der Hülle kann man erst mit grossen Fernrohren sehen.

ASTRONOMISCHES

Die Wega, Hauptstern im Sternbild Leier, 25 Lichtjahre von uns entfernt, ist ein junger Stern, erst 400 Millionen Jahre jung. Das ist, astronomisch gesehen, ein jugendliches Sternalter.

Man denke an unsere Erde: Schon 200 Millionen Jahre früher ist Leben auf der Erde entstanden. Vor 400 Millionen Jahren, im Erdzeitalter Silur, gab es Graptolithen, kleine Meerestiere, die sich stetig zu neuen Lebensformen weiterentwickelten. Auch Trilobiten gab es damals. Das Leben begann sich damals schnell auszubreiten, nachdem es am Ende des Erdzeitalters Ordovizium, einige Millionen Jahre früher als das Silur-Zeitalter, aus heute noch ungeklärten Gründen fast ausgestorben war.

Die Wega ist nicht der jüngste Stern am Himmel. Es gibt Sterne, z. B. im Sternbild Orion, die erst einige 100 Jahre jung sind, Sternbabys sozusagen.

Weil die Wega nur gerade 25 Lichtjahre von uns entfernt ist, weist sie gegenüber den viel weiter entfernten Sternen eine grosse Eigenbewegung auf. Sie wird in 200 000 Jahren im Sternbild Cepheus anzutreffen sein. In 300 000 Jahren wechselt sie zur Cassiopeia.

Sie nähert sich übrigens auch unserer Milchstrassen-Galaxie: In 290 000 Jahren wird sie nur noch circa 17 Lichtjahre von uns entfernt sein.

Hanspeter Steidle