BLICK ZUM TOGGENBURGER HIMMEL

Geschichten wurden am Himmel «verewigt» Der Sternenhimmel im Juli 2013 Aufgang: 1. Juli: ca. 5.39 Uhr MOSZ 31. Juli: ca. 6.06 Uhr MOSZ Untergang: 1. Juli: ca. 21.16 Uhr MOSZ 31. Juli: ca. 20.

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Geschichten wurden am Himmel «verewigt»

Der Sternenhimmel

im Juli 2013

Aufgang:

1. Juli: ca. 5.39 Uhr MOSZ

31. Juli: ca. 6.06 Uhr MOSZ

Untergang:

1. Juli: ca. 21.16 Uhr MOSZ

31. Juli: ca. 20.51 Uhr MOSZ

MOSZ = Mitteleuropäische (Sommer-) Ortszeit, Region Toggenburg

Neumond: Montag, 8. Juli, im Sternbild Zwillinge

Vollmond: Montag, 22. Juli, im Sternbild Schütze

MERKUR

Erst Ende Monat ist es möglich, den innersten Planeten als kleines Pünktchen am Himmel tief am Nordosthimmel zu entdecken, ab circa 4.30 Uhr Sommerzeit. Wegen der Morgendämmerung verschwindet das «Pünktchen» gegen 5 Uhr wieder.

VENUS

Die Venus ist der Stern des frühen Abendhimmels. Ihre Helligkeit erlaubt es, sie in der Dämmerungsphase zu beobachten. Derzeit sieht sie im Fernrohr aus wie der abnehmende Mond, etwa sechs Tage nach Vollmond. Sie geht Anfang Juli um circa 23 Uhr unter, Ende Juli bereits um 22 Uhr.

MARS

Erst Ende Juli taucht der rote Planet wieder am Morgenhimmel auf, nachdem er sich einige Monate am Abendhimmel nicht mehr sehen liess, denn er war in (optisch) unmittelbarer Nähe der Sonne am Taghimmel.

JUPITER

Der Jupiter geht erst ab Monatsmitte um circa 4 Uhr morgens auf, Ende Monat kurz nach 3 Uhr. Man kann ihn wegen der früh einsetzenden Dämmerung nicht lange sehen.

SATURN

Der Ringplanet ist am Abendhimmel bis kurz nach Mitternacht zu sehen, dann geht er unter. Interessant könnte der 16. Juli werden. Dann zieht der Mond südlich am Planet Saturn um circa 23 Uhr vorbei. Die beiden stehen jedoch nur wenig über dem Horizont.

STERNE UND MILCHSTRASSE

Die Milchstrasse erstreckt sich von Nordosten über den Osten bis in die Meridianregion. Auffallend ist das sich von Norden zum Süden hin verbreiternde Milchstrassenband. In der Zenitregion der Milchstrasse befinden sich die Sternbilder Schwan und, westlich der Milchstrasse, das Sternbild Leier mit dem hellen Stern Wega. Südlich vom Schwan sehen wir das Sternbild Adler. Dann folgt das Sternbild Schlangenträger mit der Schlange. Der westliche Teil des grossen Sternbildes befindet sich ausserhalb der Milchstrasse. Der Kopf der Schlange, als kleines Dreieck erkennbar, liegt südlich des Sternbildes Nördliche Krone. Unterhalb des Schlangenträgers sehen wir das unverkennbare Sternbild Skorpion mit dem hellen rötlichen Stern Antares. Dieser Stern ist riesig: sein Durchmesser beträgt 970 Millionen Kilometer. Die Erdbahn läge dort noch innerhalb des Sternes.

Nur etwa 1 Grad westlich kann man schon von blossem Auge – klare Sicht vorausgesetzt – ein sternartiges Gebilde sehen. Im Fernrohr entpuppt sich das zartschimmernde Objekt als Kugelsternhaufen. Es ist als M 4 bekannt. Im Sternbild Schlangenträger sowie östlich in den Sternbildern Schütze und Adler sind sehr viele Nebel, Sternhaufen und Kugelsternhaufen zu sehen. Die Milchstrasse südlich des Sternbildes Adler ist eine wahre Fundgrube für Hobby-Astronomen. Westlich des Skorpions folgt das Sternbild Waage und dann das Sternbild Jungfrau mit dem Planeten Saturn. Immer noch leuchtet der rötliche und helle Stern Arktur mitten am südwestlichen Himmel. Das Sternbild Herkules rückt immer mehr in die Meridianregion. Jetzt ist es möglich über dem Sternbild Herkules den Drachen zu sehen, der sich zwischen dem Kleinen Bär und dem Grossen Bär hindurchschlängelt. Die Sterne des Drachens sind bei weitem nicht so markant wie diejenigen des Grossen Bären. Auch der Kleine Bär hat noch zwei hellere Sterne. Der Kopf des Drachens steht vor dem Schwert des Herkules, das er in der Hand hält. Herkules besiegte nach der griechischen Sage den Drachen. Die Astronomen hielten den Augenblick kurz vor dem tödlichen Stoss des Herkules fest. So eine Geschichte musste damals am Himmel «verewigt» werden. Östlich über dem Sternbild Adler befindet sich ein kleines, hübsches Sternbild: der Delphin. Im Feldstecher ist der Delphin als Fisch klar erkennbar. Bei vielen Sternbildern muss die Fantasie mithelfen, um in den Sternen die Bilder zu erkennen, die ihnen zugeordnet wurden.

STERNSCHNUPPEN

Es sind nicht viele Sternschnuppen zu erwarten. Zwei Gürtel mit Sternschnuppen passieren die Erde im Juli. Es handelt sich um sternschnuppenschwache Gürtel. Nach Mitternacht sind bis zu maximal 20 Sternschnuppen pro Stunde zu erwarten. Bei einem Staubgürtel handelt es sich um einen aufgelösten Kometen.

KUGELSTERNHAUFEN

Charles Messier, ein französischer Astronom im 18. Jahrhundert, war vor allem ein Kometenjäger. Bis 1801 hatte er 20 neue Kometen entdeckt und beschrieben. Nun sah er bei der Suche nach Kometen viele Objekte, die kometenähnlich aussahen, sich jedoch nicht bewegten. Damals wusste man noch nichts über Galaxien, Sternhaufen und Nebel. Er brachte einen Katalog mit 110 Objekten heraus. Die Objekte bekamen alle M (essier)-Nummern. So ist zum Beispiel M 31 die Andromeda – Galaxie.

Unter Hobby-Astronomen werden heute Messier-Marathon-Veranstaltungen durchgeführt. Da müssen in einer Nacht sämtliche Messier-Objekte beobachtet werden. So ein Marathon kann gut neun Stunden dauern. Vor allem die Zeit von Anfang März bis Mitte März ist für solche Übungen günstig.

Schöne Beobachtungsobjekte

Nun zu den Kugelsternhaufen: Der M 4 neben dem Stern Antares ist mit seinen knapp 7000 Lichtjahren Entfernung vermutlich der uns am nächsten stehende Kugelsternhaufen. Man weiss es deshalb nicht genau, weil sich wahrscheinlich einige Kugelsternhaufen hinter Dunkelwolken verstecken. Bis heute hat man 151 Kugelsternhaufen um die Milchstrasse herum entdeckt. Die Kugelsternhaufen befinden sich auch in andern Galaxien am sogenannten Bulge einer Galaxie, also ausserhalb. Man schätzt, dass etwa 200 Kugelsternhaufen um die Milchstrassen-Galaxie heru angesiedelt sind. Kugelsternhaufen sind Ansammlungen von alten Sternen, die metallarm sind. In der Anfangszeit des Universums gab es noch kaum Supernova-Explosionen. Erst in diesen Explosionen entstehen schwere Metalle, welche bei späteren Stern- und Planetenbildungen in den sich verdichtenden Gaswolken eingebettet wurden. Übrigens wurden im Halo (Bulge) der Andromeda-Galaxie rund 500 Kugelsternhaufen entdeckt. Für Hobby-Astronomen sind Kugelsternhaufen sehr schöne Beobachtungsobjekte, weil mit relativ kleinen Teleskopen bereits Randsterne aufgelöst werden können wie zum Beispiel in demjenigen im Sternbild Herkules, der als M 13 bekannt ist.

Hanspeter Steidle