Blick in die Geschichte Bütschwils

BÜTSCHWIL. Rund 35 kleine und grosse Laienschauspieler haben am Wochenende die Geschichte des heiligen Kilian, aber auch interessante Eckpunkte aus der Geschichte der Pfarrei Bütschwil auf der Bühne wiedergegeben. Die Besucher wähnten sich dank detailtreuen Spiels in der Zeit zurückversetzt.

Beatrice Bollhalder
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Originell wurde von der Theatergruppe «Also denn…» auch die eigentlich «trockene» Szene der Geschichte des Heiligen Kilian inszeniert.

Originell wurde von der Theatergruppe «Also denn…» auch die eigentlich «trockene» Szene der Geschichte des Heiligen Kilian inszeniert.

Dass ein Pfarrer – genau wie ein Arzt oder der Herr Lehrer – früher Respektperson war, ist bekannt. Dass das geistliche Oberhaupt aber meist auch als Schulratspräsident wirkte und dabei oft seine Stellung ausnutzte, zeigte das Theater «Alles Kilian», das zum 600-Jahr-Jubiläum der Pfarrei Bütschwil am Wochenende zweimal aufgeführt wurde. Auf den Aufruf an die Bevölkerung, Episoden, die im Zusammenhang mit der Geschichte der Bütschwiler Pfarrei stünden, hatten sich vor über zwei Jahren einige Bütschwiler mit Anekdoten aus früherer Zeit gemeldet. Aus den einzelnen kleinen Geschichten, gespickt mit eigenen Erfahrungen, hat Monika Rösinger-Krapf schliesslich ein Drehbuch geschrieben.

Talente auf der Bühne

Die Theatergruppe «Also denn…» hat schliesslich Personen gesucht, die bei diesem Blick in die Geschichtsbücher mitwirken wollten. Man wurde schnell fündig, denn die Aufführungen der Bütschwiler Theatergruppe erfreuen sich immer grosser Beliebtheit und viele Bütschwiler lieben es, wenn sie ihr Talent auf der Bühne ausleben dürfen. In den ersten Proben im Frühsommer wurden die Szenen in separaten Räumen im Dorfschulhaus in Dietfurt einzeln einstudiert. Dabei stand jeder Gruppe ein erfahrenes Mitglied der Theatergruppe zur Seite, das Empfehlungen für den Ablauf abgab. Spannend wurde es für die Schauspieler, als die ganze Geschichte schliesslich am Stück gespielt wurde.

«Stück wuchs mit jeder Probe»

Ein Stück, das viel historisches Material beinhaltet, ist nicht sehr leicht zu spielen. Die beiden Regisseurinnen, Irene van der Rijt und Esther Brunner, mussten sich bei jeder Szene – die erste spielt um das Jahr 900, die letzte in der heutigen Zeit – in den jeweiligen Zeitraum versetzen. «Wir haben viele der Kleider aus einem Kostümverleih geholt. Alles originalgetreu wiederzugeben, ist aber nicht möglich», erklärt Irene van der Rijt. Zudem hätten viele Mitglieder der Theatergruppe in ihren Kästen gestöbert, um Utensilien aus früherer Zeit selber mitbringen zu können. «Es war spannend zu verfolgen, wie das Stück mit jeder Probe wuchs», erklärte einer der Schauspieler. Er sei am Anfang selber etwas skeptisch gewesen, wie sich das Festspiel entwickeln würde, sei nun aber glücklich, dass die Aufführungen beim Publikum so gut angekommen seien, erklärte er. Am Anfang habe er nicht gedacht, dass es so unterhaltsam und lustig werden würde. Durch den grossen Einsatz aller gut drei Dutzend Mitmachenden und der Beachtung vieler Details war aber klar, dass die Zuschauer sowohl am Samstagabend als auch am Sonntagnachmittag überwältigt von den Vorführungen des Festspiels waren.

Geschichte aufgeführt

Das Festspiel beginnt in der heutigen Zeit. In einer Familie wird Nachwuchs erwartet und als der Name Kilian dafür ins Spiel kommt, nimmt sich der werdende Vater, ein eifriger Journalist, vor, sich auf die Spuren des Heiligen Kilian zu machen. Dabei führt seine Geschichte bis ins Jahr 900 zurück. In einem Kloster ist die Geschichte des Heiligen, der aus dem hohen Norden ins deutsche Würzburg kam, handschriftlich von den Mönchen notiert worden.

Ein Höhepunkt und ein grosses Fest wert war für die Bütschwiler die Gründung einer eigenen Kirchhöre im Jahre 1414. Bis zu jenem Jahr musste nämlich für einen Kirchenbesuch immer der beschwerliche Weg nach Ganterschwil unter die Füsse genommen werden. Der erste Pfarrer, ein gewisser Peter Keller, wurde deshalb mit einem grossen Fest herzlich willkommen geheissen. Die Mitglieder der Theatergruppe haben den wichtigen Moment für die Pfarrei auf der Bühne wiedergegeben. In Bütschwil gab es in den vergangenen 600 Jahren aber auch viel Schmerzvolles. So wurden die Pestjahre – zu jener Zeit wurde die halbe Bevölkerung vom schwarzen Tod dahingerafft – und auch die Reisläuferei im Festspiel zum Thema gemacht.

Am Stammtisch, eine Szene, die die neuere Zeit beleuchtet, wurden Erfahrungen aus der alten Zeit ausgetauscht. So etwa hat man sich Gedanken dazu gemacht, wie viel die frühere «Christenlehre» wohl genutzt haben könnte. Oder wie sich der Religionsunterricht in den Jahrzehnten verändert hat und welche Werte auch heute noch zählen.

Amüsantes wurde also mit Geschichtlichem vermischt und mit viel Einsatz der Schauspielerinnen und Schauspieler perfekt auf die Bühne gebracht. Zahlreiche Stunden wurden aber auch für den Bühnenbau oder die Videoaufnahmen, mit denen das Festspiel umrahmt worden ist, aufgewendet.

Das Jahr 1414 mit der Gründung einer eigenen Kirchbehörde und damit der Einsetzung des ersten Pfarrers von Bütschwil wurde vom Volk mit einem grossen Fest gefeiert.

Das Jahr 1414 mit der Gründung einer eigenen Kirchbehörde und damit der Einsetzung des ersten Pfarrers von Bütschwil wurde vom Volk mit einem grossen Fest gefeiert.

Dass der Pfarrer nicht nur eine Respektperson war, sondern seine Macht des öftern auch missbrauchte, wurde in dieser Szene, die auf wahren Begebenheiten beruht, dargestellt. (Bilder: Beatrice Bollhalder)

Dass der Pfarrer nicht nur eine Respektperson war, sondern seine Macht des öftern auch missbrauchte, wurde in dieser Szene, die auf wahren Begebenheiten beruht, dargestellt. (Bilder: Beatrice Bollhalder)

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