Blick in die fade Nebelsuppe

Eine Frage, keine Antwort: Warum MeteoSchweiz keine Aussage zur Nebelhäufigkeit im Appenzellerland machen kann. Im Schweizer Mittelland jedoch gibt es in den letzten 40 Jahren immer weniger Nebeltage. Der Grund sind die wärmeren Temperaturen in der kalten Jahreszeit.

Patrik Kobler
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Gehört auch zum Herbst: Bodennebel im Saum bei Herisau. (Bild: pk)

Gehört auch zum Herbst: Bodennebel im Saum bei Herisau. (Bild: pk)

HERISAU. Der Herbst bringt neben goldenen Tagen oft auch Nebel. Gestern blieben auch weite Teile des Appenzellerlands nicht von ihm verschont. Hartnäckig hockte er den ganzen Tag über den Högern, von denen wir sonst oft schadenfreudig auf die Wolkendecke über dem Flachland blicken können. Aber: Täuscht das Gefühl oder haben wir auch im Appenzellerland immer häufiger Nebel?

Keine Statistik

MeteoSchweiz kann diese Frage nicht beantworten. Stephan Bader von den Klimadiensten: «Es gibt keine Statistik zur Häufigkeit des Nebelvorkommens in den einzelnen Gemeinden und Regionen der Schweiz.» Analysen liegen nur von wenigen Messstandorten vor. «Nebel kann nicht automatisch gemessen werden, sondern muss mit Augenbeobachtungen erfasst werden», so Bader. Das erfordere Beobachter, welche täglich mehrmals die Nebelsituation beurteilen würden. Nebel, insbesondere der Bodennebel (Sichtbarkeit unter 1 km) ist gemäss Stephan Bader ein «extrem regionales Phänomen», das vor allem durch die lokale Topographie gesteuert wird. «Im komplexen Gelände der Schweiz müssten wir also in jeder Gemeinde mehrere Beobachtungspunkte haben, an denen über Jahre hinweg das Nebelverhalten aufgezeichnet wird. Denn viele Gemeinden erstrecken sich über sehr unterschiedliche Höhenlagen.» Insbesondere das Bodennebelverhalten sei unten im Tal ganz anders als in den höheren Lagen. Diese Unterschiede müsste man seiner Ansicht nach aber für eine zufriedenstellende Statistik für jede Gemeinde abdecken können. «Man stelle sich vor, was ein solch engmaschiges Beobachtungsnetz und die anschliessende Datenbearbeitung kosten würde», sagt Bader.

Obwohl eine flächendeckende Erfassung des Nebelvorkommens zu komplex ist, gibt es eine Zusammenstellung zur Nebelentwicklung in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten. Sie basiert auf einzelnen Messstationen. Nebeltage sind demnach im Schweizer Mittelland seltener geworden. Insbesondere seit 1971 sei ein starker Rückgang der Nebelhäufigkeit im Winter zu beobachten. Waren für die Jahre 1971 bis 75 im Mittel 41 Nebeltage zu verzeichnen, sind es in den Jahren 2000 bis 2004 nur noch deren 25. Dieser Rückgang stehe im Zusammenhang mit den markant wärmeren Wintertemperaturen, sagt Stephan Bader: «Mit der grundsätzlichen Abnahme der winterlichen Kaltluftzufuhr verringert sich entsprechend das Nebelpotenzial.»

Badewanne Mittelland

Hochnebel entsteht laut MeteoSchweiz vor allem bei Bisenlagen. Die kalte Luft wird von Nordosten her in die «Badewanne» Mittelland unter die leichtere warme Luft geblasen und bleibt dort liegen. Es entsteht eine sogenannte Inversionslage (s. Kasten). Dabei bildet sich eine graue, eintönige Schichtwolke, Stratus genannt. Hochnebel kann aber auch entstehen, wenn bei stabilen Hochdrucklagen nach kalten, klaren Nächten Bodennebel entsteht und allmählich angehoben wird. Entsteht bei einer Hochdrucklage ein leichtes Druckgefälle von Nord nach Süd, wie bei Bisenlagen typisch, liegt die Nebelgrenze relativ hoch, meist über 1000 Metern, da die Luft an den Alpen gestaut wird. Besteht kein Druckunterschied oder eher ein Gefälle von Süden nach Norden, sinkt die Nebelgrenze auf 600 bis 800 Meter. Je tiefer die Nebelgrenze liegt, desto grösser ist laut MeteoSchweiz die Chance, dass der Nebel sich im Laufe des Tages auflöst.