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Von der Apotheke in die Hipster-Bar

Wenn irgendwo in der Schweiz vom «Appenzeller» gesprochen wird, ist meist der Alpenbitter gemeint. Das Traditionsgetränk wird seit 1902 in Appenzell hergestellt und ist heute beliebter denn je.
Karin Erni
Auch Bären stehen offenbar auf das Bittergetränk. Das älteste noch vorhandene Werbeplakat für Appenzeller Alpenbitter stammt aus dem Jahr 1921. (Bild: PD)

Auch Bären stehen offenbar auf das Bittergetränk. Das älteste noch vorhandene Werbeplakat für Appenzeller Alpenbitter stammt aus dem Jahr 1921. (Bild: PD)

25000 Touristen besuchen jährlich die Schaukräuterkammer der Appenzeller Alpenbitter AG an der Weissbadstrasse. Hier beugen sie sich über die hölzernen Fässer und schnuppern an den verschiedenen Kräutern und Gewürzen. Die Nase erkennt schnell einmal Koriandersamen, Gewürznelken oder Vanilleschoten. Doch es sind noch viel mehr, 42 an der Zahl. In welchem Verhältnis sie gemischt werden, bleibt geheim. Nur zwei Leute aus den Gründerfamilien kennen die genaue Rezeptur: Beat Kölbener und Walter Regli. Letzterer ist studierter Jurist und Betriebswirt. Vor fünf Jahren hat er die Aufgabe von seinem Vater übernommen, der gut 37 Jahre in dieser Funktion tätig war.

Kräuter aus dem Appenzellerland

Der grösste Teil der Ingredienzen wird importiert. Seit fünf Jahren werde aber ein Teil der Kräuter auf Feldern rund um Appenzell angepflanzt, sagt Geschäftsführer Stefan Maegli. «Es sind die eher einfacheren Sorten wie Zitronenmelisse, Pfefferminze, Bohnenkraut, Majoran oder Wermut.» Diese würden – im Gegensatz zum Enzian, der Lastwagenweise aus Frankreich angeliefert wird – im Alpenbitter in eher kleinen Mengen verwendet. «Bei diesen Komponenten decken wir mittlerweile fast 100 Prozent des Bedarfs.» Der Kräuteranbau in Appenzell sei eine sehr erfreuliche Sache, so Maegli. «Die sieben Bauersfrauen und ein Kräuterbauer sind mit Eifer bei der Sache und haben sich Trockenschränke gebaut, um die Kräuter optimal verarbeiten zu können.»

Die Zutaten werden in verschiedenen Kombinationen mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch versetzt, anschliessend vereint und in grossen Edelstahltanks gelagert. Die Qualität werde in jedem Verarbeitungsstadium in Bezug auf Duft, Geschmack, Aussehen und Farbe kontrolliert, so der Geschäftsführer. «Da wir mit natürlichen Inhaltsstoffen arbeiten, können diese je nach Charge Veränderungen unterworfen sein. Deshalb haben wir beim Enziandestillat Tanks aus verschiedenen Jahrgängen, die wir mischen und somit den Geschmack- und Aromenstandard beibehalten können.»

Neue Getränketrends ausnutzen

Mit dem Aufbau seiner Spirituosenhandlung legte Emil Ebneter im Jahr 1902 den Grundstein für die heutige Appenzeller Alpenbitter AG. Gemeinsam mit seinem Schwager Beat Kölbener gründete er 1908 die Kollektivgesellschaft Emil Ebneter & Co, die im Jahre 2006 zur Appenzeller Alpenbitter AG umfirmiert wurde. Das Paradeprodukt des Hauses erfreut sich nach wie vor grosser Beliebtheit. «Wir wachsen mit dem Markt», sagt Stefan Maegli. «Seit Jahren können Bitterspirituosen weltweit Zuwachsraten verbuchen.» Man mache seit einigen Jahren Marketinganstrengungen, um den Alpenbitter in Berlin auf den Markt zu bringen. «Das war am Anfang hartes Brot.» Mittlerweile sei man in der dortigen Barszene aber gut vernetzt. Viel verspricht man sich vom derzeitigen Cold-Brew-Boom. Der kalte Kaffee hat sich zum Trendgetränk entwickelt. «Sein Geschmack passt hervorragend zum Alpenbitter», sagt Maegli. Der gute alte «Kafi Biberflade» wird also in Berlin neu aufgelegt.

Trotz Erfolg auf neue Produkte setzen

Doch Stehenbleiben und sich auf den Lorbeeren ausruhen, ist bei der Appenzeller Alpenbitter AG keine Option. Daher tüftelt man an der Weissbadstrasse bereits an einem neuen Produkt herum. «Wir machen derzeit Versuche, einen eigenen Rum herzustellen», verrät Stefan Maegli. Rum weise das grösste Wachstumspotenzial aller Spirituosen auf, ist er überzeugt. Per Definition muss Rum aus Zuckerrohr hergestellt werden. Weil dieses im Schweizer Klima nicht gedeiht, sei man auf heimische Zuckerrüben ausgewichen. Diese wurden eingemaischt (vergoren) und anschliessend gebrannt.

Den Finish erhält das Getränk, das dereinst unter dem Namen «Castrum» (was auf Deutsch so viel wie Festung heisst) verkauft werden soll, in einem ehemaligen Militärbunker auf dem Kronberg. Sechs Monate reifen die Fässer, in denen früher Portwein, Malaga oder Bourbon lagerte, auf dem Berg. Die Verkostung anlässlich der letzten Generalversammlung sei extrem vielversprechend verlaufen, sagt Maegli. Darum will man nach den Sommerferien die «Castrum»-Produktion im grossen Stile aufnehmen.

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