«Bitte schick mir deine Handynummer»

MOSNANG. Die jüngste Betrugsmasche mit gefälschten Facebook-Profilen erreicht das Toggenburg. In einem Fall aus Mosnang verliert eine junge Frau 700 Franken – abgebucht über ihr Handy.

Martina Signer
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Statt eines Anrufs erhält Hannah kurz nach der Kontaktaufnahme eine SMS mit einem Zahlencode. (Bild: Serge Hediger)

Statt eines Anrufs erhält Hannah kurz nach der Kontaktaufnahme eine SMS mit einem Zahlencode. (Bild: Serge Hediger)

MOSNANG. Die jüngste Betrugsmasche mit gefälschten Facebook-Profilen erreicht das Toggenburg. In einem Fall aus Mosnang verliert eine junge Frau 700 Franken – abgebucht über ihr Handy.

Hannah Zwahlen* dachte sich nichts dabei, als sie kürzlich von ihrer Facebook-Freundin eine Nachricht erhielt: «Kannst du mir bitte rasch deine Handy-nummer schicken», fragte eine ehemalige Klassenkollegin, von der Hannah schon lange nichts mehr gehört hatte. Sie erfüllte ihr den Wunsch. Vielleicht hat die Freundin ein neues Profil erstellt oder das Passwort fürs alte vergessen. Vielleicht will sie Hannah ja wegen des bevorstehenden Klassentreffens kontaktieren. Doch statt eines Anrufs erhält Hannah kurz darauf ein SMS mit einem Zahlencode. «Habe dir ein SMS gesendet, worin ein Code mit vier Ziffern steht. Mach dir bitte die Mühe und schreib mir diesen Code auf.» Warum auch nicht, denkt sich Hannah. Was kann schon Schlimmes dabei sein?

Kauf wurde abgeschlossen

Kaum ist Hannah dieser Anweisung gefolgt, haben die Betrüger ihr Ziel erreicht: Das Profil der Freundin, das der ersten Kontaktaufnahme diente, ist täuschend echt gefälscht, und mit dem Code wird eine Geldzahlung über die Mobiltelefonrechnung veranlasst – im Falle von Hannah über jeweils 100 Franken für Chips, die für Spiele auf Facebook benötigt werden. Die Aufforderungen lassen nicht nach: «Schreib mir den zweiten Code. Bitte.» So geht es weiter, bis mit dem siebten Code von einem Drittanbieter ein Bestätigungs-SMS über einen Kauf von 100 Franken eingeht. «Vielen Dank. Ihr Kauf über einmalig 100 Franken wurde abgeschlossen.» Plötzlich gehen sechs weitere solcher Textnachrichten ein. Jetzt erst stoppt Hannah die Nachrichten.

Hannah ist nicht die einzige

Vergangene Woche warnte die Kantonspolizei Solothurn vor der neuen Betrugsmasche mit gefälschten Facebook-Profilen; Hunderte Kundinnen und Kunden sind betroffen. Hannah kontaktiert ihre Mobiltelefongesellschaft – vergebens. Auch der Drittanbieter wiegelt ab, und bei Facebook schliesslich kommt sie auch nicht weiter: «Hallo Hannah. Anscheinend hat jemand mit deinem Telefon Käufe getätigt, von denen du nichts wusstest. Zum Schutz deines Kontos haben wir die Telefonnummer aus dem System entfernt, so dass du keine Abbuchungen mehr erhältst, die du vorher nicht genehmigt hast.»

«Betrug auf hohem Niveau»

Internet-Experten haben erste Fälle der neuen Masche bereits vor längerem registriert. Sie raten zu Vorsicht und Skepsis: Ist der Name des Freundes richtig geschrieben? Hat er tatsächlich ein inaktives, ein zweites Profil?

Im nachhinein könnte Hannah Zwahlen sich die Haare raufen. «Wie konnte ich nur so leichtgläubig sein? Aber das war Betrug auf hohem Niveau. Das gefälschte Profil wies sogar Freundschaften mit weiteren meiner Bekannten auf. Deshalb bin ich nicht stutzig geworden», sagt die 28-Jährige. «Was mir passiert ist, ist mir einfach nur peinlich. Und das Geld werde ich nie wiedersehen. Mein Vertrauen wurde aufs Übelste missbraucht.» Als Konsequenzen hat Hannah Käufe via Drittanbieter auf ihrem Handy gesperrt und überlegt, sich bei Facebook abzumelden. Das gefälschte Profil wurde auf Facebook mittlerweile gelöscht.

* Name geändert

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