"Bitte schick mir deine Handynummer"

MOSNANG. Die jüngste Betrugsmasche mit gefälschten Facebook-Profilen erreicht das Toggenburg. In einem Fall aus Mosnang verliert eine junge Frau 700 Franken – abgebucht über ihr Handy.

Martina Signer
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Wer auf Facebook unvorsichtig ist, ist unter Umständen bald viel Geld los - so wie eine junge Toggenburgerin. (Bild: Martina Signer)

Wer auf Facebook unvorsichtig ist, ist unter Umständen bald viel Geld los - so wie eine junge Toggenburgerin. (Bild: Martina Signer)

Hannah Zwahlen (Name von der Redaktion geändert) dachte sich nichts dabei, als sie kürzlich von ihrer Facebook-Freundin eine Nachricht erhielt: "Kannst du mir bitte rasch deine Handy-Nummer schicken?", fragte eine ehemalige Klassenkollegin, von der Hannah schon lange nichts mehr gehört hatte. Sie erfüllte ihr den Wunsch. Vielleicht hatte die Freundin ein neues Profil erstellt oder das Passwort fürs alte vergessen? Vielleicht wollte sie Hannah wegen des bevorstehenden Klassentreffens kontaktieren. Doch statt eines Anrufs erhielt Hannah kurz darauf ein SMS mit einem Zahlencode. "Habe dir eine SMS gesendet, worin ein Code mit 4 Ziffern steht. Mach dir bitte die Mühe und schreib mir diesen Code auf." Warum auch nicht, dachte sich Hannah. Was kann schon Schlimmes dabei sein?

Kauf wurde abgeschlossen
Kaum war Hannah dieser Anweisung gefolgt, hatten die Betrüger ihr Ziel erreicht: Das Profil der Freundin, das der ersten Kontaktaufnahme diente, war täuschend echt gefälscht, und mit dem Code wurde eine Geldzahlung über die Mobiltelefonrechnung veranlasst – im Falle von Hannah über jeweils 100 Franken für Chips, die für Spiele auf Facebook benötigt werden. Die Aufforderungen liessen nicht nach: "Schreib mir den 2. Code. Bitte." So ging es weiter, bis mit dem siebten Code von einem Drittanbieter eine Bestätigungs-SMS über einen Kauf von 100 Franken einging. "Vielen Dank. Ihr Kauf über einmalig 100 Franken wurde abgeschlossen." Plötzlich gingen sechs weitere solcher Textnachrichten ein. Jetzt erst stoppte Hannah die Nachrichten.

Hannah ist kein Einzelfall. Vergangene Woche warnte die Kantonspolizei Solothurn vor der neuen Betrugsmasche mit gefälschten Facebook-Profilen; Hunderte Kundinnen und Kunden sind betroffen. Hannah kontaktierte ihre Mobiltelefongesellschaft – vergebens. Auch der Drittanbieter wiegelte ab, und bei Facebook schliesslich kam sie auch nicht weiter: "Hallo Hannah. Anscheinend hat jemand mit deinem Telefon Käufe getätigt, von denen du nichts wusstest. Zum Schutz deines Kontos haben wir die Telefonnummer aus dem System entfernt, sodass du keine Abbuchungen mehr erhältst, die du vorher nicht genehmigt hast."

"Betrug auf hohem Niveau"
Internet-Experten haben erste Fälle der neuen Masche bereits vor längerem registriert. Sie raten zu Vorsicht und Skepsis: Ist der Name des Freundes richtig geschrieben? Hat er tatsächlich ein inaktives, ein zweites Profil?

Im Nachhinein könnte Hannah Zwahlen sich die Haare raufen. "Wie konnte ich nur so leichtgläubig sein? Aber das war Betrug auf hohem Niveau. Das gefälschte Profil wies sogar Freundschaften mit weiteren meiner Bekannten auf. Deshalb bin ich nicht stutzig geworden", sagt die 28-Jährige. "Was mir passiert ist, ist mir einfach nur peinlich. Und das Geld werde ich nie wieder sehen. Mein Vertrauen wurde aufs Übelste missbraucht." Als Konsequenz hat Hannah Käufe via Drittanbieter auf ihrem Handy gesperrt und überlegt, sich bei Facebook abzumelden. Das gefälschte Profil wurde auf Facebook mittlerweile gelöscht.

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