Bitte Abstand halten

Ich gebe zu, ich bin mit meinen 26 Jahren ein absoluter Spätzünder im Autofahren. Nicht, weil ich vor acht Jahren keinen Mut gehabt hätte, den Führerschein zu machen, sondern einfach, weil ich ihn nicht gebraucht habe.

Stephanie Sonderegger
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Bild: Stephanie Sonderegger

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Ich gebe zu, ich bin mit meinen 26 Jahren ein absoluter Spätzünder im Autofahren. Nicht, weil ich vor acht Jahren keinen Mut gehabt hätte, den Führerschein zu machen, sondern einfach, weil ich ihn nicht gebraucht habe. Vom abgeschlossenen Gymnasium ging es für mich direkt in die Weltmetropole Berlin. Dort, wo alle vier bis zehn Minuten eine U-Bahn, eine Strassenbahn, eine S-Bahn oder ein Bus fährt, war ein Führerschein völlig unangebracht. Beim Anblick des fünfspurigen Kreisverkehrs wurde mir ausserdem leicht schwindlig. Nein, hier brauchte ich keinen Fahrausweis.

Und so blieb es auch, bis ich mich schliesslich entschied, zurück ins St. Galler Rheintal zu kommen. Spätestens nachdem ich an einem Sonntag wutentbrannt nach Hause kam, weil ich meinen Bus um zwei Minuten verpasst hatte und nun eine Stunde warten sollte, war klar: Ohne Auto geht hier nichts. So arbeitete ich ambitioniert die endlos lange Liste an zu erfüllenden Punkten ab. Ein Führerschein ist heutzutage nämlich nicht nur teuer, sondern auch mit ziemlich viel Papierkram verbunden. Bis ich also die Fahrprüfung erfolgreich bestanden hatte, dauerte es seine Zeit. Was zugegebenermassen aber auch an meiner nicht vorhandenen Fahrtechnik lag. Am Berg anfahren war nicht ganz so meine Stärke – ist es auch heute noch nicht.

So stehe ich auch heute noch regelmässig mit unserem Geschäftsauto an einem Hang irgendwo inmitten des Appenzellerlandes – laut fluchend und noch viel mehr schwitzend. Die Benutzung der Handbremse beherrsche ich nicht. Sie wurde mir in der Fahrschule nicht beigebracht, weil keine vorhanden war. Zum Anfahren bleibt mir also nur die ungeliebte Schleifpunkt-Variante. Die endet in der Regel in einem absterbenden Motor oder einem überdurchschnittlich lauten Aufheulen. Ist dies nicht der Fall, bin ich es, die aufheult – allerdings vor Freude.

Dank der vielen Hügel im Appenzellerland komme ich zurzeit zwangsläufig viel zum Üben. Und ich verbessere mich. Dennoch: Sollten Sie jemals hinter einem Appenzeller-Zeitung-Auto an einem Hang stehen, halten Sie besser etwas Abstand.

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