«Bin weder evangelikal noch liberal»

HERISAU. Der seit 1. Oktober in Herisau tätige reformierte Pfarrer Frank Wessler stellt sich Ende November zur Wahl für eine fixe Anstellung. Während des Studiums wechselte Wessler aus mehreren Gründen von einer Freikirche zur Landeskirche.

Roger Fuchs
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Pfarrer Frank Wessler will die Gaben der Menschen fördern. (Bild: rf)

Pfarrer Frank Wessler will die Gaben der Menschen fördern. (Bild: rf)

Der 41jährige reformierte Pfarrer Frank Wessler bezeichnet sich selbst als «Mann der Basis». An seinem bisherigen Wirkungsort in Ferenbalm, einer Kirchgemeinde im bernisch-freiburgischen Grenzgebiet, hat er in einem Einzelpfarramt Erfahrungen als «Allrounder» gesammelt. Zudem war er Mitglied des freiburgischen Kirchenparlaments. Er finde die Gesetzesarbeit zwar wichtig, doch in Herisau wolle er sich wieder auf das Pfarrersein konzentrieren. Sein Schwerpunkt wird das Ressort Kinder und Familie bilden. Einige Erfahrungen in diesem Bereich bringt er aus seiner ehemaligen Kirchgemeinde mit. Diese Arbeit liegt ihm jedoch auch deshalb nahe, weil er selbst verheiratet ist und zwei Kinder im Alter von fünf und acht Jahren hat.

Wesslers Traumberuf

Die längste Zeit seines Lebens verbrachte Frank Wessler in Hamburg. Dort liess er sich einst auch zum Krankenpfleger ausbilden. Pfarrer sei aber schon immer sein Traumberuf gewesen. Als junger Erwachsener habe er sich in einer Freikirche in der Jugendarbeit engagiert, in der er auch aufgewachsen ist. Er habe dabei festgestellt, dass seine Arbeit ankomme. Der Wechsel zur Landeskirche erfolgte während des Theologiestudiums. Wessler nennt verschiedene Gründe: Zum einen habe er den Umgang mit Frauen in der dortigen Freikirche als schwierig erlebt, als anderen Grund nennt er den Umgang mit der Bibel. Im Studium habe er gelernt, dass dem Buch der Bücher auch kritisch begegnet werden dürfe und es darin auch Widersprüche gebe.

Etliches ist Frank Wessler in dem knappen Monat, in dem er nun im Appenzellerland lebt, aufgefallen: Nebst dem erstmaligen Erlebnis einer Viehschau ist ihm die rege Bautätigkeit in der Region ins Auge gestochen. In der Kirchgemeinde konnte er feststellen, dass es viele freiwillig Engagierte gibt. An seinem vorherigen Wirkungsort sei noch das Bild vom «Pfarrer, der alles macht» vorherrschend gewesen. Wessler dagegen ist es ein Anliegen, die Menschen ins Kirchenleben einzubeziehen. «Es ist im reformatorischen Sinn, dass der Pfarrer die Gaben der Menschen entdeckt und fördert», sagt er.

Dass Frank Wessler seinen Wirkungsort vor sieben Jahren in die Schweiz verschob, hatte mit der damaligen Stellensituation in Deutschland zu tun. Inzwischen hätte sich die Lage zwar entspannt, doch Wessler weiss von Kollegen, die in bis zu drei Kirchgemeinden tätig seien. Da frage er sich, wie man noch Schwerpunkte setzen könne. Zudem fühlen er und seine Familie sich in der Schweiz längstens heimisch.

Im Lichte der Bibel deuten

Über konkrete Projekte im Bereich seines Herisauer Schwerpunktgebiets will sich der neue Pfarrer erst mit den Verantwortlichen und Freiwilligen im Ressort «Kind und Familie» abstimmen. Neben diversen Angeboten und Aktivitäten gibt es bereits Mutter-Kind-Angebote. Etwas, das er sich vorstellen könne, seien sogenannte «Vater-Kind-Anlässe». In seinen Predigten will Frank Wessler versuchen, Aktualitäten aufzugreifen und diese im Lichte der Bibel zu deuten. Er sei nicht evangelikal und auch nicht liberal, sondern irgendwo dazwischen, sagt Wessler und fügt an: «Ich bin einfach reformiert.»

Informationsveranstaltung zur Urnenabstimmung von Ende November diesen Sonntag, 10.45 Uhr, in der reformierten Kirche Herisau.

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