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Scheidende Gemeindepräsidentin Inge Schmid: «Bühler muss wieder zur Einheit werden»

Bühlers Gemeindepräsidentin Inge Schmid muss am Freitag ihren Sitz räumen. Zeit für einen Rückblick. Erreicht hatte sie vieles, Misserfolge gab es auch. Die hatten sie aber nie so hart getroffen wie die persönlichen Angriffe.
Astrid Zysset
Bühlers scheidende Gemeindepräsidentin Inge Schmid blickt zufrieden auf ihre Arbeit der vergangenen 15 Jahre zurück. (Bild: Astrid Zysset)

Bühlers scheidende Gemeindepräsidentin Inge Schmid blickt zufrieden auf ihre Arbeit der vergangenen 15 Jahre zurück. (Bild: Astrid Zysset)

Sie beweist Galgenhumor. Auf die vergangene Abstimmung angesprochen – die Totalrevision der Gemeindeordnung wurde kürzlich an der Urne bachab geschickt – meint Bühlers scheidende Gemeindepräsidentin scherzhaft: «Es macht mir den Abschied etwas leichter.»

Zu lachen war Schmid in den vergangenen Monaten nicht oft. Nach 15 Jahren im Amt schaffte sie vergangenen März die Wiederwahl nicht. Gemeinderat Jürg Engler machte das Rennen. Er hatte ihr im Vorfeld der Wahl mangelnde Kommunikationsfähigkeit vorgeworfen. Eine Anschuldigung, die sie verletzt habe, wie Schmid heute zugibt. «Von Enttäuschung bis Wut waren alle Emotionen vorhanden.» Aber auch Familie und Freunde hätten gelitten. Aufgrund des Amtsgeheimnisses konnte sich die Gemeindepräsidentin jedoch nie konkret zu den Vorwürfen äussern. Darum spricht sie rückblickend auch von «nicht sauberer» Kritik, mit welcher sie sich konfrontiert sah.

Noch keine Pläne für ihre weitere Karriere

Ende Mai muss sie ihr Büro in der Gemeindekanzlei räumen. Der Politik kehrt sie damit den Rücken. «Politisch interessiert werde ich immer bleiben. Das ist wie ein Virus, den man nicht wieder los wird», sagt sie lachend. Aber auf das politische Parkett in der Gemeinde will sie nicht zurückkehren. Doch was macht sie stattdessen? «Ich weiss es nicht», sagt sie schulterzuckend. «Mein Wunsch ist es, die nächsten Jahre im Arbeitsprozess bleiben zu können.» Schmid ist 58 Jahre alt. Sie hat eine 40 Prozent-Anstellung als Fachexpertin für das bäuerliche Bodenrecht beim Kanton. Doch das laste sie nicht aus. Sie sei voller Tatendrang und suche darum eine zusätzliche Anstellung, die ihr wieder eine Vollzeitbeschäftigung ermöglicht. Den bäuerlichen Familienbetrieb hatten sie und ihr Mann anfangs Jahr ihrem Sohn und dessen Familie übergeben.

Viele Erfolge, aber auch Misserfolge

Mit ihrer Arbeit als Gemeindepräsidentin ist sie rückblickend «sehr zufrieden». Sie habe viele gute Kontakte mit der Bevölkerung gehabt. «Ich hatte nie das Gefühl, die Leute drehten sich um und gingen in eine andere Richtung, wenn sie mich sahen. Im Gegenteil: Es war immer sehr schön, auf der Strasse und an Anlässen Gespräche zu führen.» Erreicht hatte Schmid in den vergangenen Jahren einiges: Ein Sportplatz, die Hochwasserschutzverbauung des Rotbachs wie auch der Wärmeverbund wurden erstellt, die Überarbeitung der Ortsplanung und die innere Verdichtung sind weit fortgeschritten, zwei Schulhäuser wurden saniert und verwaltungsintern neue Strukturen aufgebaut. So war der Bühlerer Gemeinderat der erste in Ausserrhoden, der vollumfänglich digital arbeitete. «Das hat sich bewährt. Alle Gemeinderäte haben ihr Büro seitdem immer auf einem Ipad dabei.» Schmid betont jedoch, dass die Erfolge nicht ihr alleiniger Verdienst seien, sondern dass viele Menschen im Hintergrund mitgewirkt hätten. «Ich stand als Gemeindepräsidentin nur im Vordergrund und trug für Gutes wie auch Schlechtes die Verantwortung.»

Negatives gab es in ihrer Zeit an der Spitze Bühlers auch einiges. Es ist nicht alles gelungen, wie beispielsweise die Umsetzung der Markthalle, die als Gegenpol zum Lädelisterben gebaut werden sollte. Aber auch der Adressstreit blieb in Erinnerung oder jüngst die Totalrevision der Gemeindeordnung, die nach Ansicht der Kritiker zu wenig sorgfältig vorbereitet gewesen war und gegen welche die FDP mit einem Flugblatt Stimmung machte. Insgesamt war der Wind rau, welcher der SVP-Frau entgegen wehte, die Kritik nicht nur sachlich.

Alte Geschichten auf ihrem Rücken ausgetragen

Viele persönliche Angriffe musste Schmid während ihrer Amtszeit einstecken. Über all die Jahre hat sie sich ein dickes Fell zugelegt. So sagt sie nüchtern, dass viele Anschuldigungen schlichtweg aus der Luft gegriffen waren. Es gebe alte Querelen zwischen der SVP und der FDP, die auf ihrem Rücken ausgetragen worden waren. «Die vielen Rückenschüsse, die unbegründet waren, sind nicht anders zu erklären. Die alten parteiübergreifenden Geschichten durfte ich wohl einfach ausbaden.»

Keine Selbstreflexion? «Man stellt sich immer in Frage. Aber mir wurde von vielen Leuten attestiert, dass ich gut arbeite.» Auch was ihre in Kritik geratene Kommunikationsfähigkeit betraf. Schmid verweist auf ihre Zeit als Präsidentin der Gemeindepräsidienkonferenz. Viele positive Rückmeldungen habe sie erhalten. «Die Gemeindepräsidienkonferenz und der Regierungsrat begegnen sich heute auf Augenhöhe. Das ist eine sehr positive Errungenschaft, die nicht möglich gewesen wäre, wenn ich mich undiplomatisch gezeigt hätte.» Auch wenn sie sich selbstkritisch betrachte, sei sie keine Person, die «immer ins Fettnäpfchen» trete, so die 58-Jährige. «Aber scheinbar konnte ich es für viele einfach nicht Recht machen, egal wie und was ich tat.» Sie empfinde es als besorgniserregend, wie mittlerweile politisiert werde. Konstruktive Kritik werde immer mehr in den Hintergrund gestellt. Stattdessen würde man sich nicht mehr grundlegend mit der Materie auseinandersetzen und auf kurzfristige Effekthascherei pochen. «20-Minuten-Politik» nennt dies Schmid. «Ich sorge mich um unser Milizsystem. Denn wer will sich unter solchen Voraussetzungen überhaupt noch zur Verfügung stellen?»

Hoffen auf einen Neuanfang

Für Schmid sind die Auseinandersetzungen der Vergangenheit nun aber Geschichte. Das Kapitel sei für sie abgeschlossen, sagt sie. Die Zeit der negativen Äusserungen soll vorbei sein. «Ich möchte dem neuen Gemeinderat einen guten Start ermöglichen und hoffe, dass das Dorf wieder zu einer Einheit zusammen wächst.»

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