Bildung, Poesie und andere Welten

Mit einer Bilderausstellung des St. Galler Poeten der Alltagsbanalitäten – Manuel Stahlberger in den Bibliotheksräumen und einem Auftritt von Stahlbergerheuss am Abend in der Schüür feierte die Dorfbibliothek Brunnadern, in Zusammenarbeit mit Kultur im Dorf, ihr 10-Jahr-Jubiläum.

Conny Oberholzer
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Brunnadern. Vorwort: «Bibliotheken sind Sinnbild für eine funktionierende Demokratie», erklärt Thomas Wieland von der Kantonsbibliothek Vadiana St. Gallen. «Und davon gibt es in der Gemeinde Neckertal gleich zwei», stellt Gemeindepräsidentin Vreni Wild bei ihrer Ansprache stolz fest. Eine davon die Dorfbibliothek Brunnadern, sie feierte am Samstagmorgen ihr 10-Jahr-Jubiläum und eine kleine, aber illustre Gästeschar fand sich in den Räumen an der Steigstrasse 11 ein, um dem Bibliotheksteam rund um Trudi Ammann zum Geburtstag zu gratulieren und die Bilderausstellung des St.

Galler Comiczeichners, Buchautors und Musikers Manuel Stahlberger zu bewundern.

Kapitel eins: Unkompliziert

Entstanden ist die Dorfbibliothek aus dem Engagement der beiden Brunnödliger Frauen Marlies Debrunner und Gabi Ezzeddine. In privatem Kreis sammelten sie Bücher und stellten sie im Untergeschoss eines alten Hauses Interessierten zur Ausleihe zur Verfügung. Geöffnet war nur sporadisch. «Die meisten wussten aber, wo der Schlüssel hing und konnten sich so selbst bedienen.

Völlig unkompliziert», erinnert sich Trudi Ammann. Nach rund zwei Jahren «unkomplizierter Ausleihe» brachte der ehemalige Gemeinderat Georges Meier die Idee ein, aus der Privatbibliothek eine öffentliche zu machen. Zehn Jahre später stehen heute rund 5000 Medien in den Regalen bereit: Sachbücher, Belletristik, Hörbücher, DVDs, Kassetten und Magazine warten auf die Besitzer der 75 Familienabos, 30 Einzelabos sowie auf 130 Primarschüler, die die Dorfbibliothek regelmässig besuchen.

Kapitel zwei: Genial banal

«Manuel Stahlberger ist ein stiller Beobachter», kündigte Trudi Ammann den Jubiläumsgast an. Auch der Protagonist von Stahlbergers Comicbüchern, Herr Mäder, ist ein ruhiger Zeitgenosse, der sich oftmals über die Absurditäten des Alltagslebens in seiner Heimatstadt – unschwer als St. Gallen zu erkennen – wundert.

Stahlbergers Beobachtungsgabe und seine Liebe zum Detail äussert sich in den in der Bibliothek ausgestellten Originalbildern des Mädercomics ebenso, wie in seinen Liedtexten. Ob es nun der süssliche Duft vom Fenchel-Zvieri seines Zugnachbarn ist, oder das betretene Schweigen und der umherirrende Blick beim Aufeinandertreffen in der Sauna mit einer fremden Frau – die Lieder lösten beim Publikum in der Dorfbibliothek schallendes Gelächter aus.

Erst wenn man die Texte etwas auf sich wirken lässt, kommt man der innewohnenden Poesie auf die Schliche.

Kapitel drei: Hochstapeleien

Die Kleinen lauschten unterdessen spannende Kindergeschichten in Ursula Rosa's Geschichtenwagen, oder versuchten sich im Bücherwettstapeln. Rund einen Meter hoch wurden die Türme und wer sich nicht als Bücherbaumeister betätigen wollte, konnte sich am Glücksrad oder der Mohrenkopfschleuder versuchen.

Schlusswort: Ein unerwartetes Geburtstagsgeschenk gab es schon vorab. «Zwei Wochen vor der Jubiläumsfeier gab der Bibliothekscomputer seinen Geist auf und die Gemeinde finanzierte uns einen neuen, sogar mit einem neuen, aktuelleren Bibliothekenprogramm», freut sich Trudi Ammann.

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