«Bike to Work» führt ins Tal des Zitterns

Zugegeben, meine Teilnahme an der Aktion «Bike to Work» war keine grosse Leistung. Schliesslich wohne ich kaum einen Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt. Sie reichte aber aus, um eine alte Leidenschaft wieder zu entdecken.

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Bild: Martina Basista

Bild: Martina Basista

Zugegeben, meine Teilnahme an der Aktion «Bike to Work» war keine grosse Leistung. Schliesslich wohne ich kaum einen Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt. Sie reichte aber aus, um eine alte Leidenschaft wieder zu entdecken.

Als Kinder nutzten wir die Velos pausenlos. Nur schon deshalb, weil einen die Eltern damals nur ausnahmsweise zur Schule oder ins Training chauffierten. Selbst im Winter schwangen wir uns auf den Drahtesel. Unvergessen, wie sich jeweils am Morgen alle schadenfroh vor dem Veloständer versammelten, weil es dort schnuder hähl war. Für Sturzflüge setzte es spontanen Szenenapplaus ab.

Auch in der Freizeit unternahmen wir Velotouren. Sogar ins Verkehrsgetümmel in der Stadt St. Gallen wagten wir Landkinder uns vor. Da musste man schon höllisch aufpassen, nicht von einem monströsen Trolleybus oder so überrollt zu werden. Vorsichtshalber klappten wir deshalb den orangen Abstandshalter am Gepäckträger seitlich aus. Ein solcher gehörte damals zur Standardausrüstung. Heute gibt's ja nicht mal mehr Gepäckträger. Wobei wir auf diesen als Teenager ebenfalls liebend gerne verzichteten. Wer etwas auf sich gab, hatte nämlich ein Mountainbike, sofern er kein Töfflibueb war.

Ich hatte sogar eines aus Karbon. Geendet hat es vor einigen Jahren im Alteisen, weil ich es als bequemer Erwachsener, der nicht mehr aufs Velo angewiesen war, im «Krontal» in St. Gallen stehen liess und es der Platzwart irgendwann entsorgte.

Aber jetzt bin ich zurück auf dem Sattel. In den letzten Wochen habe ich einige Ausfahrten in der Region unternommen. Stolz habe ich sogar die sicherlich schier nicht zu bewältigende, unglaublich steile Schwägalp erklommen. Morgen geht's nun noch höher hinauf. Zusammen mit Redaktionssportskanone Eisenhut klettere ich die Pflastersteinstrasse im Val Tremola – zu deutsch «Tal des Zitterns» – auf den Gotthard hoch. So viel Einsatz muss sein, bei «Bike to Work» habe ich nämlich eine Pumpe gewonnen. Die Luft sollte mir also nicht ausgehen – jedenfalls im Pneu.

Patrik Kobler