Bier, Brot und Bleifrei

APPENZELLERLAND. Der Zopf am Sonntagmorgen oder Milch und Bratwurst nach Feierabend: Die Fahrt zum Tankstellenshop ist für viele Berufstätige längst zur Gewohnheit geworden. Dies zeigen auch die Zahlen. Anfang Jahr gab es 1344 Tankstellenshops in der Schweiz, im Appenzellerland sind es zehn.

Michael Genova
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Tankstellenshop an der Alpsteinstrasse in Herisau. (Bild: mge)

Tankstellenshop an der Alpsteinstrasse in Herisau. (Bild: mge)

APPENZELLERLAND. Der Zopf am Sonntagmorgen oder Milch und Bratwurst nach Feierabend: Die Fahrt zum Tankstellenshop ist für viele Berufstätige längst zur Gewohnheit geworden. Dies zeigen auch die Zahlen. Anfang Jahr gab es 1344 Tankstellenshops in der Schweiz, im Appenzellerland sind es zehn. Seit einigen Jahren sei die Zahl der Shops mehr oder weniger stabil, sagt Ueli Bamert vom Verband der Schweizer Tankstellenshop-Betreiber (VTSS). «Der Markt ist gesättigt und es findet eine Konsolidierung statt.»

Tankstellenshops als Pioniere

Der grosse Vorteil der Tankstellenshops gegenüber gewöhnlichen Läden sind ihre Öffnungszeiten. In beiden Appenzell dürfen Shops werktags von 6 bis 22 Uhr öffnen, an Sonn- und Feiertagen von 7 bis 22 Uhr. Eine Ausnahme bildet Herisau: An Samstagen dürfen hier Tankstellen ihre Kunden sogar bis 23 Uhr bedienen.

Die Betreiber von Tankstellen merkten früh, wie sich die gesellschaftlichen Gewohnheiten veränderten. Darauf reagierten sie mit eigenen Shops, wo sich Berufstätige auch in Randzeiten mit Lebensmitteln eindecken können. «Wir haben die Marktlücke entdeckt», sagt Ueli Bamert. Die Menschen wünschten sich heutzutage eine höhere Flexibilität, weil dies der Arbeitsmarkt auch von ihnen verlange.

Bamert sieht Tankstellenshops als Vorreiter der sogenannten 24-Stunden-Gesellschaft. Der Begriff sei zwar negativ besetzt und für viele Menschen in der Schweiz sei der Sonntag noch heilig. Gleichzeitig stelle er aber fest, wie gut an Sonntagen die Läden in grossen Bahnhöfen besucht würden. «Die Menschen wollen nicht mehr jeden Tag verplanen – das ist ein Zeichen der Zeit.» In diesem Sinne seien auch Tankstellenshops eine Alternative.

Die Betreiber von Tankstellenshops im Appenzellerland sind von unterschiedlicher Herkunft. Darunter befinden sich lokale Garagen, aber auch grosse Ketten wie Coop Pronto oder die Agrola-Tankstellen der Landi. Anfänglich waren die Shops noch ein zusätzliches Standbein, mittlerweile sind sie unverzichtbar. Tankstellen mit Laden verkaufen gemäss Ueli Bamert nämlich auch mehr Benzin.

Angebot für Zugreisende

Nicht nur Autofahrer, sondern auch Zugpendler wollen nach Feierabend noch schnell etwas einkaufen. An diese Kunden richten sich die Appenzeller Bahnen (AB) mit ihren Mercato-Shops. An sechs Bahnhöfen verkaufen die AB auch wenige Produkte für den täglichen Bedarf. «Als Ersatz für den Dorfladen sehen wir uns nicht, eher als dessen Ergänzung», sagt Yvonne Schoch, Geschäftsführerin der Mercato Shop AG. Diese steht eher in Konkurrenz zu grossen Tankstellenshops und Läden wie Migrolino oder Coop Pronto – auch was die Öffnungszeiten anbelangt.

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