Bier beruhigt

Brosmete

Stephanie Sonderegger
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«Bier? Nicht für mich!», hatte ich damals in Berlin gesagt, als ich mit 19 Jahren dorthin ausgewandert war. Meine Freundin hatte es mir dennoch in die Hand gedrückt. «Wir sind in Berlin, hier trinkt man Bier», sagte sie. Wenige Monate später war ich selber eine von ihnen, die mit einer Bierflasche durch die Strassen zog. Das Berliner Bier schmeckte mir gut, Schweizer Bier hingegen fand ich hingegen immer noch «gruusig».

Dann die Kehrtwende: Ich durfte mit meiner Schwester – damals Flugbegleiterin – nach Thailand reisen. Wir verbrachten eine aufregende Woche auf verschiedenen Inseln des Landes. Als ich am letzten Tag meinen Koffer packte, kam meine Schwester von ihrem Briefing für den Flug zurück. Auf ihrer Stirn perlte Schweiss. «Wir haben ein Problem», sagte sie. «Der Flieger ist voll.» Was das bedeutete, wusste ich so gut wie sie. Als Begleitperson hatte ich keinen Anspruch auf einen Sitzplatz. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Passagiere nicht erscheinen, war denkbar klein. «Jänu», dachte ich mir, «dann schauen wir am Flughafen weiter.»

Gesagt, getan. Banges Warten, während meine Schwester längst im Flieger verschwunden war. «Sie können leider nicht mitfliegen», hiess es am Check-in. Ich begab mich ins nächste Reisebüro und versuchte mein Glück mit einem anderen Rückflug. «Sie können übermorgen in der Business Class fliegen – für 1700 Euro», sagte mir die Reiseveranstalterin. Als ich widerwillig die Kreditkarte zückte, sprang die Türe auf: «Ihr Flieger wartet, Sie können noch mit!», rief eine Flughafenangestellte. Ehe ich mich versah, rannte ich durch die Abfertigungshallen. Kurz lächeln für den Ausreisestempel, schon wurde ich auf die Landebahn gefahren. Ich sprintete die Treppen zum Flieger hoch, ignorierte die Kommentare der ungeduldigen Passagiere und schon klappte mir meine Schwester einen Notsitz in der Bordküche herunter. Ehe ich mich versah, hob das Flugzeug ab. Ich schwitzte. «Ich habe da ­etwas, das beruhigt!», rief meine Schwester. Sie reichte mir eine blaue Dose. Es zischte und schäumte, als ich den Verschluss öffnete. Der erste Schluck und es war geschehen um mich: Ich liebte es, dieses Schweizer Bier. Auf das «Quöllfrisch», prost!

Stephanie Sonderegger