Bewohner wurden nicht genötigt

LICHTENSTEIG. T., ehemaliger Geschäftsführer eines Wohnheims für erwachsene Menschen mit einer Behinderung, musste sich wegen mehrfacher Nötigung vor Gericht verantworten. Hintergrund dieses Vorwurfs ist die Androhung der so genannten «Phase null».

Sabine Schmid
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LICHTENSTEIG. T., ehemaliger Geschäftsführer eines Wohnheims für erwachsene Menschen mit einer Behinderung, musste sich wegen mehrfacher Nötigung vor Gericht verantworten. Hintergrund dieses Vorwurfs ist die Androhung der so genannten «Phase null». Diese ist angeordnet worden, wenn sich ein Heimbewohner nicht an die Hausordnung gehalten hat. Gemäss Anklageschrift bedeutet «Phase null» die Minimierung der eigenen Rechte durch ein ganzes Bündel von Massnahmen sowie die soziale Ächtung durch Mitarbeiter und Mitbewohner.

Vorbereitung auf Eingliederung

T. führte vor Gericht aus, dass die Bewohner im Wohnheim auf die Wiedereingliederung in der Gesellschaft vorbereitet wurden. Habe sich jemand nicht mehr darum gekümmert und beim Tagesablauf nicht mehr mitgemacht, sei er in die «Phase null» gesetzt worden. «Dort hatte er die Gelegenheit zu überlegen, was er im Wohnheim will und wie seine Zukunft aussehen soll.» Sie sei selten ausgesprochen worden. «Sie gab den Bewohnern den Kick, wieder weiterzumachen», resümierte T. Die Bewohner hätten vom ersten Tag im Wohnheim von dieser «Phase null» Kenntnis gehabt, vielleicht jedoch nicht davon, welche konkreten Auswirkungen sie hat. Den Vorwurf, dass es keinen Kontakt zu Bewohnern in der «Phase null» gegeben hat, widerlegte T. Er habe jeden Tag mit ihnen Gespräche geführt und ihnen geholfen, aus der «Phase null» heraus zu kommen.

Klare Struktur ist wichtig

Der Verteidiger sagte, dass die Anschuldigung der mehrfachen Nötigung an der Realität des Alltags der Institution vorbeigehe. Das Wohnheim sei mehr als eine Unterkunft, es habe eine therapeutische Ausrichtung. Entsprechend wichtig war es, den Bewohnern mit einer Hausordnung und einer klaren Tagesstruktur bei der Rehabilitation zu helfen. Die «Phase null» sei die letzte Massnahme gewesen, wenn sich jemand geweigert habe, am Alltag teilzunehmen. «Der angestrebte Zweck ist zulässig, ja notwendig», sagte der Verteidiger. Die Massnahmen seien verhältnismässig und nicht als rechtswidrig anzusehen.

Der Richter sprach T. vom Vorwurf der mehrfachen Nötigung frei. Den Bewohnern seien durch die «Phase null» keine ernstlichen Nachteile entstanden, auch sei die Beschränkung der Handlungsfreiheit zu gering, als dass sie zu einer Strafe führen würde.