Bewegungsmangel
«Es ist nie zu spät, um mit Sport anzufangen» – ein TVO-Bewegungsprogramm fördert die Gesundheit während der Pandemie

Spezielle Sport- und Fitnessprogramme der Pro Senectute AR und des Amtes für Gesundheitsvorsorge des Kantons St.Gallen helfen während der Pandemie, Bewegungsmangel vorzubeugen. Aber nicht nur für ältere Menschen ist angemessene Bewegung wichtig. Zu Gast in der Sendung «Bliib fit – mach mit!» am Montag ist der Ausserrhoder alt Regierungsrat Matthias Weishaupt.

Elia Fagetti
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Ursula Meier Köhler und ihr Gast Matthias Weishaupt in der Sendung «Bliib fit - mach mit!» zeigen wie man sich fit hält.

Ursula Meier Köhler und ihr Gast Matthias Weishaupt in der Sendung «Bliib fit - mach mit!» zeigen wie man sich fit hält.

GRIPS.ch

Silvia Hablützel von der Pro Senectute Appenzell Ausserrhoden warnt vor zu wenig Bewegung während der Pandemie. Mit ihrem Programm «Zwäg is Alter» hält sie Seniorinnen und Senioren fit. Im Zuge ihrer Arbeit ist ihr schon zu Beginn der Coronakrise bewusst geworden, dass die Bewegung der Menschen leiden dürfte. Ihre Vermutung sieht sie bestätigt. Nicht nur aus ihrem Arbeitsumfeld hört sie, dass sie Jung und Alt darüber klagen, dass sie ihr altes Leben wieder zurück wollen. Hablützel sieht einen Grund in der mangelnden Bewegung. Wenn man sich bewege, dann schütte das Hirn Glückshormone aus und helfe der Psyche, sich zu stabilisieren. «Für mich war der kommende Bewegungsmangel sofort ein zentrales Thema», sagt sie.

Es ist nie zu spät

Hablützel arbeitet vor allem in der Prävention im Alter. Dazu zählt auch der Sport. Dazu sagt sie:

«Man kann nicht früh genug anfangen. Aber es ist auch nie zu spät, um mit Sport anzufangen. »

«Gerade in der Pandemie», sagt sie, «ist es wichtig, den Menschen Sicherheit zu geben.» Viele Senioren haben Angst, sich mit anderen zu treffen. Der soziale Kontakt, den viele Rentner über Turngruppen und Mannschaftssport aufrechterhielten, fiel weg. Deswegen fördert Hablützel unter anderem Übungen für zu Hause. So sei es am einfachsten, die Übungen in den Alltag einzubauen.

In der Schweiz verletzen sich jährlich 87'000 Personen über 65 Jahre bei einem Sturz so stark, dass sie zum Arzt oder ins Spital müssen. So steht es auf der Stoppsturz-Website von Zepra (Zentrale Prävention). Deswegen empfiehlt Hablützel Aktivitäten wie während des Zähneputzens auf die Zehenspitzen zu stehen und wieder zurück in eine normale Position zu gehen. Das trainiert die Wadenmuskulatur. Dies wiederum hilft, Stürzen vorzubeugen. Generell sei Bewegung wichtig. So zum Beispiel kann regelmässiges Rasenmähen helfen. Es reichen also auch kleinere Übungen, um den Körper in Schwung zu bringen. Doch wie bringt man diese Informationen unter die Leute?

Gemeinsam vor dem Fernseher trainieren

Die Fernsehsendung «Bliib fit – mach mit!», die dreimal in der Woche seit Beginn der Pandemie vom Sender TVO ausgestrahlt wird, bietet genau das. In der Sendung, die auf Senioren ausgerichtet ist, trainiert Ursula Meier Köhler mit einem Gast. Die Sendung soll die Bevölkerung dazu animieren, sich fit zu halten. Meier Köhler ist integrative Bewegungstherapeutin in der Psychiatrischen Klinik in Herisau und hat als Projektleiterin Stoppsturz in gemeinsamer Zusammenarbeit mit dem Amt für Gesundheitsvorsorge des Kantons St.Gallen und dem Ostschweizer Fernsehen TVO die Sendung innerhalb einer Woche auf die Beine gestellt. Meier Köhler arbeitet seit vielen Jahren mit geriatrischen Patientinnen und Patienten. Auch für sie war schon zu Beginn der Pandemie klar, dass man etwas gegen den sich abzeichnenden Bewegungsmangel tun muss.

«70 Prozent aller Gestürzten über 65 Jahre entwickeln eine Angst vor dem Stürzen» – BFU, Status 2019

Um Stürze zu verhindern, brauche es Gleichgewicht, Koordination und Kraft. All diese Fähigkeiten nehmen ab dem 50. Lebensjahr ab. Deswegen sei von grosser Bedeutung, dass auch Nicht-Sportlerinnen und -Sportler erfahren, das auch kleinere Bewegungen im Alltag helfen, sich fit zu halten. Für die Bewegungstherapeutin Ursula Meier Köhler ist es wichtig zu betonen, dass Bewegungen, die man früher in seinem Leben gemacht hat, auch Jahre später noch abgerufen werden können. Meier Köhler gibt dazu ein Beispiel: Sie hat eine Zuschauerin getroffen, diese tanzte in jungen Jahren Tango. Nun kann die Dame einfach auf einem Stuhl sitzen und die Bewegungen mit den Beinen und Füssen machen. Allein dies reicht schon aus, um mit Freude den Kreislauf in Schwung zu bringen.

Für den jungen Teil der Bevölkerung gelten diese Tatsachen auch. Fit bleiben schützt vor Problemen im Alter. Heutzutage enthalten Nahrungsmittel viel Zucker, das führt schnell zu Diabetes II. Dies kann verringert werden, wenn man genug Sport treibt. Bewegung treibt den Zucker aus dem Blut zurück in die Zellen. So braucht der Körper kein oder weniger Insulin. Dies ist nur einer der Vorteile von ausreichender Bewegung. Neben einer besseren psychischen Verfassung unterstützen regelmässige Bewegung und Sport auch die Denkfähigkeit, Schlafqualität, Stresstoleranz und reduzieren das Risiko vieler Erkrankungen wie Krebs, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

2. Gast aus dem Appenzellerland

Matthias Weishaupt – ehemaliger Regierungsrat

Matthias Weishaupt – ehemaliger Regierungsrat

Diesen Montag tritt der zweite Gast aus dem Appenzellerland in der Sendung auf: Matthias Weishaupt. Er war von 2006 bis 2019 Regierungsrat im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Dort leitete er das Departement Gesundheit und Soziales. Heute ist er Mediator bei der Weishaupt Lendenmann GmbH. Von seinen Erfahrungen mit Bewegung während der Pandemie erzählt er in der Sendung.