BEWEGT: Möbel zum Leben erweckt

Dass Tische und Stühle mehr als nur Einrichtungsgegenstände sein können, zeigt Architekt und Designer Stephan Hürlemann. Der Urnäscher lebt und arbeitet seit 1991 in Zürich.

Karin Erni
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Einzelne Gliedmassen der Figuren können durch Seilzüge bewegt und die Riesen sowie der Zwerg so zum Leben erweckt werden. (Bild: PD)

Einzelne Gliedmassen der Figuren können durch Seilzüge bewegt und die Riesen sowie der Zwerg so zum Leben erweckt werden. (Bild: PD)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Für Horgenglarus, die älteste Stuhl- und Tischmanufaktur der Schweiz, schuf Stephan Hürlemann die Installation «Riesen mit Zwerg». Die sieben bis zu zweieinhalb Meter hohen Figuren sind aus Stuhl- und Tischteilen gefertigt und können wie Marionetten durch Seilzüge bewegt werden. Erstmals gezeigt wurden die Werke im November am Designers’ Saturday 2016 in Langenthal. Dort öffnen Firmen wie Création Baumann, Ruckstuhl oder Glas Trösch alle zwei Jahre ihre Produktionshallen für eine spezielle Designausstellung. Rund 15000 Besucher strömten während dreier Tage durch die Hallen. «Unsere Aufgabe bestand darin, dem Publikum einen Anreiz zum Stehenbleiben zu schaffen und seine Aufmerksamkeit auf die Ausstellung zu lenken», sagt Hürlemann. Gelungen ist dies mit Marionetten. «Die Resonanz war toll. Wir haben Briefe erhalten, und einige Leute wollten die Figuren sogar kaufen.»

Neue Gestalt für einige Trouvaillen

Das Baumaterial beschafften sich Hürlemann und sein Team im Fundus der Firma Horgenglarus. Die Möbelmanufaktur gehört hinsichtlich Design und Qualität seit 135 Jahren zur Weltspitze. Im staubigen Estrich hat sich über die Jahre ein immenser Fundus an Stuhl- und Tischteilen angesammelt. Unter anderem Trouvaillen wie die Hinterbeine mit Rückenlehne des «Dreibeinstuhls» von Max Bill und die Sitzschale des «ga Stuhls» von Hans Bellmann. Hier schliesst sich der Kreis, denn die beweglichen Holzfiguren sind eine Hommage an die Marionetten, die im Wirkungskreis der Kunstschule Staatliches Bauhaus entstanden sind, wo Hans Bellmann von 1931 bis 1933 studiert hat. «Es war nicht einfach, die massigen Körper der Figuren mit eher filigranen Teilen wie Stuhllehnen oder Tischbeinen darzustellen», so Hürlemann. Die Möbelteile wurden im Originalzustand belassen und lediglich mit Bohrlöchern versehen, um sie mittels Kabelbindern zu verbinden. Beim Thema «Riesen mit Zwerg» hat sich Hürlemann von der Sagenwelt seiner Heimat inspirieren lassen. «Bergler wie die Glarner und die Appenzeller haben Freude an mystischen Figuren.»

Video Die Entstehung der Marionetten wurde von der Filmemacherin Jela Hasler mit einem kurzen Video dokumentiert. Es ist zu sehen unter www.huerlemann.com