Bewegende Einblicke ins Leben

In der Mogelsberger Mehrzweckhalle fand am Mittwochnachmittag die jährliche Bäuerinnentagung mit dem Motto «usem Läbe … rond om s'Läbe» statt. Kurzweilige Unterhaltung, aber auch Tiefgang prägten den Anlass.

Lisa Leisi
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MOGELSBERG. Zuerst erwartete die zahlreich angereisten Bäuerinnen und Landfrauen aus dem unteren Toggenburg ein Apéro an der Sonne. Dazu ertönten stimmige Alphornklänge, welche bestens in die idyllische Umgebung passten.

Drinnen im Saal sorgte darauf in einer humorvollen Einlage eine verzweifelte Bäuerin für manchen Lacher. Ihr Mann hatte einfach kein Gehör und machte keine Anstalten, sich als besonderer Gast rechtzeitig richtig einzukleiden für die Bäuerinnentagung. Entsprechend bekam er am Schluss der Veranstaltung einiges zu hören, als sie endlich ankamen.

Andere Herausforderungen

Die Präsidentinnen Ursi Jäger und Brigitte Gämperli von den Bäuerinnen und Landfrauen Mogelsberg-Hoffeld und Ebersol führten durch das perfekt organisierte Programm, und die Wilket-Örgeler Franca Raschle, Anja und Pirmin Meier unter der Leitung von Silvia Schönenberger sorgten für lüpfige musikalische Unterhaltung. Die Gemeindepräsidentin Vreni Wild vom Neckertal verglich in ihrer Begrüssungsrede treffend ihre zehn Orte mit verschieden grossen Kindern mit jeweils anderen Herausforderungen. Auch Aurelia Looser wandte sich als Gesandte von der St. Galler Kantonalvertretung an die Frauen und informierte über diverse Angebote und Aktivitäten. Dazwischen gab es ein feines Dessert, Zeit für geselliges Plaudern und am Schluss das traditionelle Schinken-Sandwich.

«Goht nöd, gits nöd»

Den Höhepunkt bildeten jedoch die bewegenden Schilderungen von Wisi Zgraggen aus Erstfeld. Der 16. Oktober 2002 veränderte sein Leben und das seiner jungen Familie nachhaltig, als durch eine Unvorsichtigkeit seine Arme in der Ballenwalze eingeklemmt wurden. Beide Arme verlor er und trotzdem hatte er riesiges Glück, dass er überhaupt überlebte. «Ich hatte in allem einen Schutzengel», ist für ihn klar. Fortan kämpfte er sich beharrlich zurück in die Selbständigkeit. Er habe viel Zeit gehabt zum Nachdenken und habe sich seinen Fehler vergeben müssen. Eine grosse Hilfe war dem jungen Landwirt das wiederholte Sprechen über alles Erlebte und ganz besonders seine Frau Angelika, die ihm von Anfang an eine grosse Stütze war. Hinzu kam seine Frohnatur, aber auch seine Einstellung gegenüber Problemen. «Goht nöd, gits nöd» heisst sein Leitspruch und Titel seines Zeugnisses deshalb nicht zufällig.

Eindrückliches Vorbild

Aus eigener Erfahrung ermahnte er darum die Zuhörerinnen eindringlich, Probleme anzugehen, zu lösen und nicht vor sich her zu schieben. Zusammen mit einem Orthopäden tüftelte Wisi Zgraggen an einer Armprothese, die es ihm ermöglicht, bei diversen Arbeiten wieder selbst zuzupacken. Es gab mannigfache Herausforderungen und Änderungen, bis er schliesslich den Hof seines Vaters übernehmen konnte. Unterdessen helfen und übernehmen seine Kinder auch schon Verantwortung auf dem florierenden Betrieb. Seine Familie hat einen hohen Stellenwert, seine Kinder sind sein Kapital und wohl vielen Menschen wurde er schon zu einem eindrücklichen Vorbild.

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