«Bevölkerung muss hinter Projekt stehen»

Die Exkursion des Vereins Energie AI/AR nach Freiamt hat den Teilnehmern die Möglichkeit geboten, sich ein eigenes Bild von Windenergieanlagen zu machen. In kurzen Statements erläutern vier Teilnehmer sowie ein Anwohner ihre Meinung zur Windenergie.

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Windenergieanlagen sind oft umstritten. Wichtige Argumente gegen Projekte sind die Lärmbelästigung und die Bedrohung für Vögel, Fledermäuse und den Lebensraum weiterer Wildtiere. Wie beurteilen Sie diese Faktoren?

Christian Eisenhut, Rehetobel: Ich befasse mich seit 2005 mit Windenergie, und nie habe ich an konkreten Standorten in Deutschland, Österreich oder der Schweiz negative Folgen für Tiere gesehen. Wird die 300-m-Abstandgrenze eingehalten, ist auch die Lärmentwicklung tief.

Beat Müller, Urnäsch: Windkraftanlagen sind in Bezug auf Lärmbelastungen und unter Einhaltung der gesetzlichen Mindestabstände für Menschen unbedenklich. Allfällige Bedrohungen für Tiere sollten weiter erforscht werden. Effektive Schäden kenne ich aber keine.

Thomas Thym, Urnäsch: Eine fundierte Aussage zur Lärmbelästigung oder zum Tierschutz ist schwierig. Als störend habe ich es empfunden, mich im Schatten der rotierenden Flügel aufzuhalten.

Hanspeter Walser, Urnäsch: Der Lärm ist selbst wenn man unter dem grossen Turm steht kaum spürbar. Die Bedrohung der Vögel und der Fledermäuse ist bei dieser Anlage kein Thema, Ähnliches gilt für das Wild.

Kurt Haas, Freiamt: Zu den Vögeln und Fledermäusen haben wir nichts gehört, also wurden auch keine toten Tiere gefunden. Bezüglich der Wildtiere haben wir in unserem Revier mit drei Windrädern keine Veränderungen festgestellt. Wir sind der Meinung, die Tiere passen sich an die veränderten Bedingungen an.

Als weiteren Nachteil führen Gegner ins Feld, dass ein Windpark ein intaktes Landschaftsbild störe und damit auch den Tourismus beeinträchtige. Teilen Sie diese Ansicht?

Eisenhut: Ich persönlich bin fasziniert vom Anblick einer grossen Windenergieanlage. Mit einem klugen Mix aus erneuerbaren Energien kann eine Region ein Zeichen setzen und unter anderem auch den Tourismus stärken.

Müller: Windkraftanlagen beeinträchtigen das Landschaftsbild erheblich. Ob sie störend einwirken, ist eine subjektive Beurteilung. Auch bei touristischen Besuchern existieren Meinungen pro und kontra Windenergie.

Thym: Es ist unbestritten, dass eine Landschaft mit Windrädern anders aussieht als ohne. Die verschiedenen Interessen müssen sorgfältig abgewogen werden. Dazu gehört auch eine Diskussion in den betroffenen Gemeinden.

Walser: Was den Tourismus betrifft, begrüssen die einen Windräder als fortschrittliches Umsetzen der Energiewende, die andern reden von einer Verschandelung der Landschaft. Ich finde Windräder schön und ihren Lauf beruhigend, langsam und majestätisch.

Haas: Alles mit Mass und Ziel. Sicher sind Windräder keine landschaftlichen Highlights. Aber mit wenigen Windrädern kann man sich gut arrangieren. Hier überwiegt der Energievorteil.

Haben Sie nach dem Besuch des Windparks in Freiamt ihre Haltung gegenüber Windenergie geändert?

Eisenhut: Ja, die Akzeptanz ist weiter gestiegen. Dies aufgrund der Tatsache, wie in Freiamt die Anlagen basierend auf Bürgerinitiativen entstanden sind. Die Wertschöpfung bleibt in der Region und die Projekte werden von einer breiten Basis getragen.

Müller: Die Besichtigung der Anlagen in Freiamt hat meine insgesamt positive Haltung gegenüber Windkraftanlagen nicht verändert.

Thym: Grundsätzlich habe ich eine positive Haltung gegenüber der Windenergie. Der Schwarzwald ist eine weitläufigere Landschaft mit mehr Wind und nicht so dicht besiedelt wie das Appenzellerland. Ich bin mir nicht sicher, dass die Windenergie auch das Richtige für uns hier ist.

Walser: Ich war schon ein Befürworter der Windkraft vor der Besichtigung der Anlage. Die Fakten, die ich erfahren habe, bestärken meine Haltung.

Könnten Sie sich einen Windpark, wenn alle rechtlichen Vorgaben eingehalten sind und ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist, im Kanton Appenzell Ausserrhoden vorstellen?

Eisenhut: Ja, absolut. Der Kanton sollte mindestens zehn Prozent seines Strombedarfes mit Windkraft decken. Nutzt unsere Region diese Chance nicht, werden es andere tun – und gewinnen.

Müller: Die Erfahrungen der Betreiber in Freiamt machen mich für rentable Windkraftanlagen in Ausserrhoden skeptisch. Sicher müssten Windanlagen im Besitz der Bevölkerung oder regionaler Investoren sein.

Thym: Wenn die Bevölkerung vor Ort nicht über ein konkretes Projekt abstimmen kann, ist für mich ein Windpark im Appenzellerland nicht vorstellbar. Auch von der Wirtschaftlichkeit bin ich nicht überzeugt.

Walser: Ich könnte mir eine Anlage in Urnäsch vorstellen. Allerdings müsste eine Mehrheit der Bevölkerung hinter einem Projekt stehen und sich nach Möglichkeit an der Finanzierung beteiligen.

In Freiamt produzieren sechs Windkraftanlagen Strom. Fühlen Sie sich durch die Anlagen gestört?

Haas: Auf keinen Fall. Es ist wichtig, dass wir uns Gedanken darüber machen, den Atomstrom zu reduzieren. (pd)