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«Betreuer kann nicht zurückschlagen»

Im Kanton St. Gallen gibt es für den südlichen Kantonsteil eine Lösung für Behinderte, die einige Zeit in einem Time-out-Platz untergebracht werden müssen. Zwei Plätze werden dafür benötigt. Für den nördlichen Kantonsteil ist eine Lösung in Diskussion.
Martin Knoepfel
Gestellte Szene aus dem Kurs in Selbstverteidigung. (Bild: pd)

Gestellte Szene aus dem Kurs in Selbstverteidigung. (Bild: pd)

TOGGENBURG. Betreuer, die in einem Toggenburger Wohnheim für Behinderte arbeiten, haben unter anderem beim Budo-Club Toggenburg einen Kurs in Selbstverteidigung besucht. Den Grund für die Durchführung des Kurses bildeten teils massive tätliche Angriffe von Bewohnern auf Mitarbeiter der Einrichtung (Ausgabe von gestern).

Ethisches Problem

Es handle sich um ein bekanntes Phänomen, sagt dazu Peter Hüberli, Präsident von Insos St. Gallen. Insos biete entsprechende Schulungen an. Insos ist der Nationale Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Behinderung. Im Kanton St. Gallen hat man laut Peter Hüberli untersucht, wie viele Menschen, die in Wohnheimen leben, schwierig sind, dies in unterschiedlichem Ausmass bis hin zur Gewalttätigkeit. Man sei auf 15 bis 17 Prozent gekommen. Für Betreuer seien gewalttätige Bewohner ein ethisches Problem, sagt Peter Hüberli. «Der Betreuer kann ja nicht zurückschlagen.»

Im Kanton St. Gallen gebe es ein Konzept für den Umgang mit Personen, die so schwierig seien, dass man sie nicht mal in der Psychiatrie unterbringen könne. Für den südlichen Kantonsteil stünden im Lukashaus in Grabs zwei Plätze zur Verfügung. «Das Problem ist also nicht riesig», sagt Peter Hüberli. Solche Time-out-Plätze sind für Personen gedacht, die wegen ihres Verhaltens einige Zeit lang nicht am bisherigen Ort leben können. Offen ist laut Peter Hüberli, welche Institution für den Norden des Kantons zuständig ist. Möglicherweise ist es die Institution Landscheide in Wald-Schönengrund. Sie umfasst ein Wohnheim (34 Plätze) und eine Werkstätte (48 Arbeitsplätze) für geistig, körperlich oder psychisch behinderte Erwachsene.

Nicht im Wohnheim leben

«Wir würden das im Sinn einer Weiterentwicklung gern anbieten. Wir sehen es als Aufgabe, im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Beitrag zu leisten zur Betreuung von Menschen mit psychischen Problemen, die mit Gewalt reagieren», sagt Christian Gertsch. Der Sozialpädagoge ist Heimleiter der Landscheide. Er hat dem Kanton ein Konzept für zwei Entlastungsplätze eingereicht, die kurzfristig belegt werden könnten. Das Zielpublikum sind geistig Behinderte mit psychischen Problemen. Personen, die diese Plätze belegten, würden sich tagsüber in der Landscheide aufhalten, ohne im Wohnheim zu leben oder auch in einem anderen Lebensumfeld, sagt Christian Gertsch. Er weist zugleich darauf hin, dass sich im Grenzbereich von Gesundheits- und Sozialwesen die Frage stellt, wer die Kosten trägt. «Auch wir trainieren Menschen im Umgang mit Gewalt. Der Schwerpunkt liegt darin, deeskalierend zu wirken und die Not hinter dem Verhalten zu sehen», sagt Christian Gertsch. Es brauche ein gutes Betreuungskonzept und eventuell eine Therapie, um aus der Krise herauszufinden.

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