Besuche streichen und Hygienemassnahmen einhalten: Alters- und Pflegeheime im Appenzellerland haben Massnahmen zum Schutz der Risikogruppe ergriffen

Der Corona-Virus ist speziell für ältere Personen gefährlich. Besuche in Alters- und Pflegeheimen müssen eingeschränkt und auf die Hygieneregeln geachtet werden.

Janine Bollhalder
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Der Alltag in Alters- und Pflegeheimen geht weiter - wenn auch mit diversen Schutzmassnahmen.

Der Alltag in Alters- und Pflegeheimen geht weiter - wenn auch mit diversen Schutzmassnahmen.

Bild: Christian Beutler/Keystone

Normalerweise hat es kurz vor Mittag viele Gäste im Restaurant der Stiftung Altersbetreuung Herisau. Dieses ist nun aber geschlossen. Neben dem Empfangsschalter steht ein Desinfektionsmittelspender sowie eine Tafel mit den Schutzmassnahmen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) – Betreuungs- und Pflegeleiter Detlef Schmidt und sein Team sind auf das Corona-Virus vorbereitet: «Wir haben ein Pandemieteam aufgestellt und halten täglich ein Meeting ab», sagt er.

Der Kanton hat am Freitag beschlossen, Besuche im Altersheim zu untersagen. Dies zum Schutz der gefährdeten Altersgruppe. In Herisau galt dieses Verbot schon seit einiger Zeit. Spezialvereinbarungen gibt es aber: Etwa bei an Demenz erkrankten Personen, für die der Besuch einer Vertrauensperson ein haltgebendes Ritual darstellt. Oder auch, wenn eine Person im Sterben liegt.

Appell an die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden

«Wir haben die Mitarbeitenden auf die Gefahren des Virus hingewiesen und achten auf ihre Gesundheit», sagt Detlef Schmidt. «Wenn jemand krank wirkt, muss er nach Hause.» Der Pflege- und Betreuungsleiter erzählt, dass viele Angestellte auch anrufen würden, wenn sie Grippe- oder Erkältungssymptome aufweisen.

«Das Pandemieteam befragt sie dann und entscheidet, ob sie zur Arbeit kommen sollen oder nicht. Bei einer schlichten Erkältung werden diese Personen dann aufgefordert, eine Schutzmaske zu tragen.»

Angst seitens der Bewohner spüre Schmidt aber nicht in der Altersbetreuung Herisau. «Es kommt auf die Art an, wie man die Leute über die aktuelle Situation ins Bild setzt und im Alltag begleitet. Sie müssen informiert und auf die Schutzmassnahmen wie etwa das Händewaschen und die Verwendung von Desinfektionsmittel hingewiesen werden – wir möchten dabei aber keine Panik schüren», sagt Detlef Schmidt. Er sei ausserdem in Austausch mit der Ausserrhoder Kantonsärztin und dem kantonalen Amt für Soziales.

«Als Fachperson muss man mit Situationen wie diesen umgehen können.»

Nicht ganz untersagt aber stark eingeschränkt waren bisher die Besuchsmöglichkeiten für Besucher des Alterszentrums Rotenwies in Gais. «Das haben wir solange möglich aufrecht erhalten, da es für die Senioren wichtig ist, Kontakte nach aussen zu pflegen», sagt Heimleiterin Rita Manser. Das ist nun generell nicht mehr möglich – nur in Ausnahmefällen, wie etwa, wenn jemand im Sterben liegt.

Manser und ihr Team haben das Virus aber zu keiner Zeit auf die leichte Schulter genommen. Die Heimleiterin berichtet auch, dass die Bewohner sich nie verängstigt zeigten.

«Sie wussten, dass wir stets auf ihr Wohl Acht geben»

Manser berichtet auch von umsichtigen Besuchern: «Angehörige haben uns angerufen und sich erkundigt, ob ein Besuch unter den gegebenen Umständen in Ordnung geht.»

Nun gilt es für das Team des Alterszentrums Rotenwies kreativ zu werden: die Bewohner sollen sich nicht einsam oder isoliert fühlen. Rita Manser denkt an Filmvorführungen oder Vorlesen. «Das ist auch für uns eine neue Situation, mit der wir erst umzugehen lernen müssen.»

Besuche streichen und Hygienemassnahmen einhalten

Dass ein Besuchsverbot Sinn mache, davon ist auch Yvonne Blättler-Göldi, Leiterin der Abteilung Pflegeheime und Spitex des Departement Gesundheit und Soziales Ausserrhoden überzeugt. Für sie ist aber klar: «Es wird immer Situationen geben, in welchen Angehörige und nahe Bezugspersonen ein Besuchsrecht erhalten müssen.» Über die Gewährung dieser Ausnahmen entscheidet aber die jeweilige Institution.

Yvonne Blättler-Göldi

Zwischen den Alters- und Pflegeheimen und dem Amt für Soziales bestehe enger Austausch. «Der Kanton legt Wert auf die konsequente Umsetzung der Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und gibt diese Informationen sowie die Beschlüsse der Regierung laufend an die Institutionen weiter», sagt Blättler-Göldi. «Die zu ergreifenden Hygiene-, Verhaltens- und allfällige Isolationsmassnahmen sind mit jenen für den Noro-Virus vergleichbar», sagt sie. «Deshalb verfügen die Pflegeheime über Konzepte, welche jedoch laufend auf die aktuelle Situation angepasst werden müssen»

Cornelia Kühnis, Geschäftsleitungsmitglied der Spitex Appenzellerland, sagt: «Keimverschleppungen müssen jederzeit vermieden werden – sei es im beruflichen oder im privaten Umfeld.» Das Pflegepersonal der Spitex halte sich sowohl an die Hygienerichtlinien des Unternehmens sowie an die nationalen Empfehlungen des BAG und ist in regem Austausch mit dem kantonalen Departement für Gesundheit und Soziales. Die Kundinnen und Kunden, Personen aller Altersgruppen, würden mit der aktuellen Situation gut umgehen, sagt Cornelia Kühnis. «Wir klären sie auf und vermitteln Informationen zum Corona-Virus – dies bald auch noch mit einem persönlichen Schreiben betreffend der momentanen Lage und die dafür erforderlichen Verhaltensmassnahmen.»

Ausnahmen in Ausnahmefällen

Alfons Rutz, Geschäftsleiter des Betreuungszentrums Heiden, sagt: «Ab Donnerstag haben wir die Türen für alle Besucher bereits geschlossen.» Handwerker seien ebenfalls verpflichtet, einen Fragebogen zu ihrer Gesundheit auszufüllen. Nur in speziellen Fällen und palliativen Situationen können die Angehörigen mit der Pflegeleitung eine Ausnahme vereinbaren.

Die Bewohner und deren Verwandten würden grosses Verständnis für diese Schritte aufbringen. Angst von Seiten der Zentrumsbewohner spüre der Geschäftsleiter aber nicht.

«Die Angehörigen haben mehr Angst.»

Rutz teilt die Meinung, dass die Angst und Verunsicherung gegenüber dem Corona-Virus den Meldungen der Medien entwächst. «Ich möchte die Gefahr nicht verharmlosen, aber das Virus ähnelt grundsätzlich der Grippe.»

Der Alltag im Betreuungszentrum Heiden gehe trotz Corona-Virus weiter seinen normalen Gang. Gegessen wird beispielsweise wie immer: «Ein Teil der Bewohner isst auf der Station, der andere Teil gemeinsam im Speisesaal.»

Alfons Rutz hat auch mit den Angestellten des Betreuungszentrums Heiden Gespräche über das Verhalten geführt. «Das Personal ist instruiert, sich an die Hygienevorschriften zu halten und wenn sie Krankheitssymptome haben, nicht mehr zur Arbeit zu kommen.» Er appelliert an die Eigenverantwortung der Mitarbeiter, denn:

«Die Bewohnerinnen und Bewohner des Betreuungszentrums gehören zur Risikogruppe. Es ist daher sehr wichtig, sie mit allen Mitteln zu schützen.»
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