BESTÄTIGT: «Geben Heft nicht aus der Hand»

Guido Sutter, Präsident der St.Galler Spitalverbunde, machte in der Ostschweiz am Sonntag Kooperationsgespräche mit dem Ausserrhoder Spitalverbund publik. Nun nimmt Svar-Präsidentin Christiane Roth Stellung.

Patrik Kobler
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Das Spital Heiden befindet sich in der Krise – die Geburtenzahlen entwickeln sich negativ. (Bild: Michel Canonica)

Das Spital Heiden befindet sich in der Krise – die Geburtenzahlen entwickeln sich negativ. (Bild: Michel Canonica)

Patrik Kobler

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@appenzellerzeitung.ch

Guido Sutter geht in der Ostschweiz am Sonntag in die Offensive. War das Interview mit Ihnen abgesprochen?

Wir pflegen einen sehr guten und offenen Austausch und es geschieht nichts hinter dem Rücken des anderen.

Wo arbeitet man heute schon zusammen und wo könnte die Zusammenarbeit noch vertieft werden?

Die beiden Akutspitäler arbeiten bereits in verschiedenen Bereichen mit dem Kantonsspital St.Gallen zusammen: Die beiden Frauenkliniken kooperieren mit dem Brustzentrum des Kantonsspital SG. Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (Svar) ist Mitglied des Netzwerkes Onkologie und im Ostschweizer Kooperationsnetz Infektiologie. Zudem besteht eine Partnerschaft im Zusammenhang mit der Weiterbildung der Assistenzärzte Gynäkologie und Geburtshilfe.

Weitere Kooperationsmöglichkeiten werden im Zusammenhang mit der Gesamtunternehmensstrategie Svar laufend geprüft. Wo und wie eine Zusammenarbeit vertieft werden kann, ist Gegenstand von Gesprächen. Ziel ist eine Win-win-Situation für die Kooperationspartner zum Nutzen für die Patienten.

Was erhofft man sich von der Kooperation mit dem Kantonsspital St.Gallen?

Ziel ist, eine optimale Versorgung der Bevölkerung des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Kooperationen dienen der Optimierung und qualitativen Verbesserungen von Leistungen und Angeboten. Sie dienen der Erfüllung der drei Kriterien Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW-Kriterien).

Guido Sutter spricht bereits offen über den Svar – zum Beispiel über die schwierige Zukunft für das Spital Heiden. Wie weit gibt der Svar das Heft aus der Hand?

Wir geben das Heft nicht aus der Hand. Wir wollen die Spitallandschaft in Appenzell Ausserrhoden optimal aufstellen. Herr Sutter hat klar über die unter- schiedlichen Zuständigkeiten gesprochen. Die Zuständigkeiten sind im Svar-Gesetz klar geregelt. Wir werden auch weiterhin im Spital Heiden die gesamte medizinische Grundversorgung im Vorderland und Teilen des Mittellandes gemäss aktuell gültigem Leistungsauftrag sicherstellen.

Im vergangenen Jahr wurde eine vertiefte Zusammenarbeit mit Hirslanden angekündigt. Warum wird diese Kooperation nicht weiterverfolgt? Die Gründe bleiben bis jetzt im Dunkeln.

Tatsache ist, dass die Anforderungen gemäss Spitalliste 2017/2019 die geplante Kooperation nicht wie ursprünglich beabsichtigt zulassen und die beabsichtigte Kostenreduktion deshalb nicht erzielt werden kann.

Ist ein Grund, dass die im Rahmenvertrag festgehaltene Trennung der Chirurgie von der Inneren Medizin in Heiden rechtlich nicht zulässig ist?

Der angesprochene Rahmenvertrag enthält keinen solchen Passus. Es ist jedoch so, dass die Verpflichtung zur Notfallversorgung eine Behandlung «inhouse» fordert, auf der Basis der Anforderungen der Spitalliste 2017 bis 2019, weshalb das Projekt Kooperation mit der Hirslanden-Klinik am Rosenberg nicht in der geplanten Form umgesetzt werden kann.

Man hat das Gefühl, dem SVAR-Verwaltungsrat fehlt ein klarer Kurs. Was will er?

Der Verwaltungsrat stellt im Rahmen der Leistungsaufträge und in Absprache mit der Regierung die Gesundheitsversorgung für AR sicher. Um dies auch in vernünftigem finanziellem Rahmen zu gewährleisten, überprüfen wir das bestehende Leistungsangebot. Synergien innerhalb des Verbundes werden ausgebaut, bestehende Kooperationen überprüft, weitere Kooperation evaluiert sowie die Prozesse und Strukturen optimiert.

Das erste Quartal ist vorbei. Wie ist der Spitalverbund ins Jahr 2017 gestartet?

Der Svar rapportiert nach Trimester-Abschlüssen. Die Zahlen werden nicht nach aussen kommuniziert.

Man hört, dass am Spital Heiden insbesondere die Geburtenzahl rückläufig sein soll. Können Sie uns dazu etwas sagen?

Die Geburtenzahlen in Heiden entwickeln sich leider nicht positiv. Wir können verstehen, dass die öffentliche Berichterstattung über das Leistungsangebot und die Geburtenabteilung in Heiden Menschen verunsichert haben. Es sind Massnahmen in Umsetzung und geplant, um das nötige Vertrauen wieder aufzubauen.

Im Raum steht eine Wertberichtigung für Sachanlagen und Immobilien am Standort Heiden. Was würde das für den Svar bedeuten, wenn es zu einer Wertberichtigung käme? Sie halten eine Lösung für wahrscheinlich. Können Sie das bitte konkretisieren?

Der Svar wird sich gemäss den Vorschriften zur Rechnungslegung verhalten und den Empfehlungen der Revisionsgesellschaft betreffend Wertberichtigungen folgen. Die Wertberichtigung auf das Anlagevermögen hat selbstverständlich keine positive Auswirkung. Das Anlagevermögen sinkt und der Aufwand wird damit grösser. Es ist deshalb alles daran zu setzen, die Immobilien voll zu nutzen und entsprechend ihrem Wert auszulasten.