Besondere Pflanzen am Wegrand

WATTWIL. Die Ärztin Helena Pajtler leitete kürzlich in Wattwil eine öffentliche Exkursion über Heil- und Giftpflanzen. Das geführte Erlebnis in der Natur wurde vom WWF Ostschweiz ermöglicht.

Fränzi Göggel
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Aufmerksam lauschen die Teilnehmer den informativen Worten von Helena Pajtler. (Bild: Fränzi Göggel)

Aufmerksam lauschen die Teilnehmer den informativen Worten von Helena Pajtler. (Bild: Fränzi Göggel)

WATTWIL. Frisch gepflückte Bärlauchblätter peppten das mitgebrachte Znünibrot auf. Direkt von den Bäumen knabberten die Teilnehmer an Buchen- und Lindenblättern. Leicht säuerlich schmeckten die der Buche, vollmundig die der Linde.

An der kleinen Rundreise in die heimische Pflanzenwelt lernten die Teilnehmer an ausgewählten Pflanzen, deren Heilwirkungen oder Giftigkeit richtig einzuordnen. Das Naturerlebnis wurde vom WWF Ostschweiz angeboten. Nur 50 gegessene Nadeln der Eibe sind für einen Erwachsenen tödlich. Das Fruchtfleisch der Beere hingegen ist süss und bekömmlich, der Kern dagegen giftig. Solche und noch viel mehr Informationen bekam die muntere Schar von Wissbegierigen von der Ärztin Helena Pajtler an der Heil- und Giftpflanzen-Exkursion vermittelt. Treffpunkt war der Bahnhof in Wattwil, ehe man gemeinsam in Richtung Burg Iberg losmarschierte. Der Weg über Nagelfluh und Wurzeln war rutschig, Regenwasser tropfte von den hochgezogenen Kapuzen, die Stimmung war hervorragend. «Lasst uns Du sagen, die Natur kennt kein Sie», bat Exkursionsleiterin Helena Pajtler. «Das Suchen und Finden im Wald ist Entschleunigung. Es bringt uns eine Etage tiefer und ist sehr förderlich in der heutigen, schnelllebigen Zeit. Die Natur ist wie ein Bühnenstück. Manchmal versetzt sie uns in alte Zeiten zurück», erzählte sie und zeigte auf die Burg Iberg, die uns mit den davor weidenden Schafen gedanklich beinahe ins Mittelalter zurück versetzte. Dass Löwenzahn nichts mit wilden Tieren zu tun hat, Huflattich kein Pferdefuss ist und von der Teufelskralle nur der Name giftig ist, erzählte Helena Pajtler in ihrer erfrischenden Art. Oft liess sie in ihre Informationen ein Gedicht einfliessen, mystisch und romantisch zugleich.

Die Teilnehmer erfuhren viel Wissenswertes über verschiedenste Themen. Der Fuchsbandwurm wurde angesprochen, Pilze, die Bäume absterben lassen, verschiedenste Giftigkeiten und ihre Folgen wurden erklärt. Die Teilnehmer wissen nun, dass Aspirin nach der Formel des Mädesüss hergestellt wird, dass Brunnenkresse nur an reinem Wasser gedeiht, der Ackerschachtelhalm die Lunge stärkt, dass der Löwenzahn im Mittelalter extrem rar war und sich erst mit der Gülle stark vermehrte und heute als der Erneuerer des Menschen gilt, ähnlich des asiatischen Ginseng. Helena Pajtler vermittelte auf gut verständliche Art wichtige Tips über das Sammeln, Kochen und den Gebrauch von Wildpflanzen. Der älteste Teilnehmer, Otto Bösch aus Ebnat-Kappel brachte es auf den Punkt: «Ich habe schon lange nicht mehr einen so lehrreichen Sonntag verbracht.»

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