Besinnung trotz Corona: Die Botschaft des Weihnachtsfests kommt nun in Form von Texten zu jedem nach Hause

Ab dem 1. Advent erscheint in der «Appenzeller Zeitung» die Serie «Lichtblicke». In dieser äussern Pfarrpersonen ihre persönlichen Gedanken zu dem, was ihnen in der diesjährigen Adventszeit Halt gibt. Organisatorin ist die evangelische Pfarrerin in Rehetobel, Ulrike Hesse.

Astrid Zysset
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Ulrike Hesse ist reformierte Pfarrerin in Rehetobel. Sie ist es, welche die Organisation der Textserie «Lichtblicke» übernommen hat.

Ulrike Hesse ist reformierte Pfarrerin in Rehetobel. Sie ist es, welche die Organisation der Textserie «Lichtblicke» übernommen hat.

Bild: Astrid Zysset

Die diesjährige Adventszeit ist eine andere. Aufgrund der Pandemie finden viele Veranstaltungen nicht statt. Sich zu treffen oder gemütlich beisammen zu sitzen, ist derzeit nicht möglich. Die Botschaft des Weihnachtsfests soll aber trotzdem verbreitet werden, findet die reformierte Pfarrerin in Rehetobel, Ulrike Hesse. Dies soll mittels Texten geschehen. Ab dem 1. Advent bis zum Heiligen Abend veröffentlicht die «Appenzeller Zeitung» in jeder Ausgabe persönliche Gedanken einer Pfarrperson aus dem Appenzellerland zur Adventszeit. Übergeordnetes Thema: Was gibt mir Halt, was ist mein Lichtblick? «Wir möchten den Menschen, die sich in dieser Zeit vielleicht einsam und alleine fühlen, Impulse geben, ihnen die Augen dafür öffnen, was ihnen Freude bereiten könnte.» Der Advent gilt eigentlich als besinnliche Zeit, in welcher man sich trifft und sich austauscht. Da dies heuer ausfällt, sind die kommenden Wochen für viele eine traurige, drückende Zeit. «Wir möchten Hoffnung vermitteln», so Hesse weiter.

«Mit kleinen Anregungen soll es gelingen, das Gefühl von Geborgenheit zu stärken. Kraft und Halt ist es, was viele jetzt brauchen.»

Vermittelt werden soll dies mit den «Lichtblicke»-Beiträgen.

Die Initiative hierzu kommt von der reformierten Pfarrerschaft. Regelmässig trifft sie sich im Pfarrkonvent. Anfang November dann der spontane Einfall mit der Textserie. Hesse hat die Organisation übernommen. Und schnell war klar: Die Idee stösst auf grosse Resonanz.

«Viele Kollegen hatten sich sofort bereiterklärt, ihre Gedanken zur Adventszeit beizusteuern. Einige wollten sogar zweimal schreiben.»

Auch Pfarrpersonen, Pastoralreferenten und Seelsorger der katholischen Kirche machen mit wie auch ein Pfarrer der methodistischen Kirche. Worüber sie schreiben, ist ihnen selbst überlassen. Zumindest teilweise. «Bei einigen Daten wie dem Barbaratag am 4. Dezember oder dem Nikolaustag am 6. Dezember ist es naheliegend, dass diese Themen aufgegriffen werden. Ansonsten aber können es sehr individuelle Gedanken sein, die niedergeschrieben werden.» Absprachen zwischen den Pfarrpersonen gibt es nicht. Ulrike Hesse schmunzelt: «Ja, wir müssen schon genau lesen, was die Kollegen schreiben. Sonst könnte es passieren, dass mehrmals derselbe Gedanke thematisiert wird.»

Kirche ist besonders gefordert

Die Hoffnung auf eine grosse Vielfalt ist da. Denn mit den Texten sollen möglichst alle Menschen «abgeholt» werden, führt die reformierte Pfarrerin weiter aus. Dass hier die Kirche während der Coronazeit besonders gefordert ist, weiss Ulrike Hesse aus eigener Erfahrung. Zwar werden die Gottesdienste in Rehetobel mittlerweile live gestreamt, doch längst haben nicht alle Bürgerinnen und Bürger Zugang zum Internet. Alle paar Wochen verteilt Hesse darum die Predigten schriftlich im Dorf. «Man verspürt eine gewisse Dünnhäutigkeit der Menschen. Sie sind für einen kurzen Kontakt wahnsinnig dankbar.» Eine Idee des Pfarrkonvents war es auch, Adventskalender in den Gemeinden zu verteilen. Doch dafür reichte die Zeit nicht mehr aus. Zusätzlicher Halt sollen nun die Adventstexte geben.

Zeitung als Herberge genutzt

Ulrike Hesse freut sich bereits heute auf den ersten Beitrag. Sie selbst veröffentlicht ihre Gedanken am 24. Dezember. Worüber sie schreiben wird, weiss sie heute allerdings noch nicht. Vorerst steht für sie ohnehin die Hoffnung im Raum, dass die Texte den Lesern in dieser schwierigen Zeit eine Stütze sein werden. «Wie die Botschaft von Weihnachten vermittelt wird, ist nicht entscheidend. Nur dass sie ankommt, ist wichtig», so Hesse. Die Zeitung werde dabei als Herberge genutzt. Durch sie sollen nun Hoffnung und Wärme vermittelt werden.