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BERUFSWAHL: Entgegen allen Klischees

Noch immer gibt es Frauen- oder Männerberufe. Valentin Bleiker und Daria Scherrer haben sich entschieden, jeweils einen für ihr Geschlecht «untypischen» Beruf zu lernen.
Sabine Schmid/Delia Hug
Der Kontakt mit den Bewohnern des Alters- und Pflegeheims gefällt Valentin Bleiker sehr gut. (Bild: Sabine Schmid)

Der Kontakt mit den Bewohnern des Alters- und Pflegeheims gefällt Valentin Bleiker sehr gut. (Bild: Sabine Schmid)

Bei der Berufswahl der Oberstufenschülerinnen und -schüler spielen verschiedene Faktoren mit. Gesucht ist ein Beruf, der den Interessen und Neigungen des Jugendlichen am besten entspricht. Kristallisiert sich für ein Mädchen ein Männerberuf heraus oder für einen Knaben ein Frauenberuf, stehen sie plötzlich vor der Wahl, ob sie ihrem Berufswunsch entgegen aller Vorurteile nachgeben sollen. Oder sollen sie dem Klischee entsprechen und auf einen anderen Beruf ausweichen? Das «Toggenburger Tagblatt» sprach mit zwei Lernenden, die geschlechter untypische Berufsausbildungen absolvieren.

«In gewissen Situationen ist Mannsein ein Vorteil»

Verwunderung, Überraschung, aber auch Respekt. Dies strahlt Valentin Bleiker entgegen, wenn er jemandem von seiner Berufsausbildung als Fachangestellter Gesundheit erzählt. Dabei erscheint es dem jungen Mann gar nicht so abwegig, diesen Frauenberuf zu lernen. Er habe in verschiedenen Berufen geschnuppert, doch keiner habe ihm so gut gefallen wie FaGe. Gerade das Soziale und der Umgang mit den Menschen würden ihm zusagen. Die Entscheidung sei ihm leicht gefallen. Vielleicht, mutmasst er, weil er nach der 10. Klasse ein Jahr älter war als andere Jugendliche, die eine Lehrstelle antreten. «Dieses Jahr hat mich reifer gemacht, was mir im Alltag hilft», findet er. Als typischen Frauenberuf sieht Valentin Bleiker FaGe nicht. «Es gibt Situationen, in denen ich froh bin, ein Mann zu sein», sagt er. Er würde es begrüssen, wenn es mehr Berufskollegen gäbe. Aber: «Junge Männer sind wohl gehemmt, einen Frauenberuf zu lernen. Das braucht Selbstvertrauen.» Aber Valentin Bleiker ist zuversichtlich, dass das Klischee des Frauenberufs abgebaut wird.

Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Alters- und Pflegeheims Wier in Ebnat-Kappel kommt der junge Mann sehr gut an. Will eine Bewohnerin nicht, dass Valentin Bleiker ihr bei der Körperpflege hilft, respektiert er das. Bei den Männern hingegen sei es kein Thema. Monika Rutz, Leiterin Pflege des Alters- und Pflegeheims Wier, hätte Freude, wenn noch mehr junge Männer FaGe lernen würden. «Wenn die Geschlechter gemischt sind, tut das einem Team gut, denn so kommen andere Sichtweisen hinein», sagt Monika Rutz.

Seine berufliche Zukunft sieht der Lernende im 1. Lehrjahr im Gesundheitswesen oder im sozialen Bereich. Weiterbildung ist eines seiner Fernziele. «Dafür ist FaGe eine gute Grundbildung», ist er überzeugt.

Wenig Respekt, dafür umso mehr Vorurteile

Es ist laut und die Latzhose gehört zur Arbeitskleidung. Klingt nicht gerade nach einem typischen Arbeitsort einer jungen Frau. Daria Scherrer ist da anderer Meinung.

Für die 18-Jährige war schon früh klar: Im Büro sitzen wird sie auf keinen Fall. «Elektrikerin gefiel mir gar nicht und Floristin hätte mir eigentlich gefallen, aber mit diesem ganzen Latein konnte ich überhaupt nichts anfangen», macht die Lernende im 3. Lehrjahr unmissverständlich klar. Ihr Vater, der gelernter Polymechaniker ist, hat ihr zu einer Schnupperlehre in diesem Metier geraten. Folglich fiel ihr die Entscheidung leicht, auch eine Ausbildung zur Polymechanikerin zu absolvieren.

Sie war noch nie ein typisches Mädchen

Für Daria Scherrers Eltern und Bekanntenkreis war das keine Überraschung. «Ich bin und war nie ein typisches Mädchen. Ich spiele ja auch schon lange Fussball», entgegnet sie selbstbewusst. Nötig für die Lehrstelle waren nur gerade drei Bewerbungsschreiben. Dass sie eine Frau ist, sei für den Ausbildner nie ein grosses Thema gewesen. «In einem Betrieb in Uzwil wollten sie sogar unbedingt mehr Frauen, doch der Betrieb war mir zu gross», erklärt Daria Schrrer, die in Lütisburg wohnt. Im jetzigen Lehrbetrieb in Flawil, der Büchler Reinli und Spitzli AG, sei ihr Ausbildner sehr zufrieden mit ihr. Obwohl die Firma im Vorfeld mit dem weiblichen Geschlecht weniger gute Erfahrungen gemacht hat.

Doch trotz aller Vorurteile und den 60 männlichen Arbeitskollegen fühlt sie sich inzwischen ganz wohl. «Anfangs war es schwierig, meine Arbeitskollegen hatten wenig Respekt und viele Vorurteile gegenüber Frauen», berichtet Daria Scherrer. Doch die forsche Frau erarbeitete sich ihre Anerkennung im Betrieb. Und vor allem könne sie nun besser mit den Klischeevorstellungen umgehen.

Auf die Frage, was ihr denn an diesem Beruf am meisten zusage, fand sie keine konkrete Antwort. «Ich will bestimmt die nächsten Jahre in diesem Beruf weiterarbeiten, und später werde ich zu meinem Vater in die Firma gehen», ist Daria Scherrer der festen Überzeugung.

Und jetzt raten Sie mal, was für ein Geschäft der Vater hat: Nein, natürlich keinen Blumenladen, viel besser; einen Betrieb für Zementwaren.

Daria Scherrer an ihrem Arbeitsplatz, umgeben von Männern und Maschinen. (Bild: Delia Hug)

Daria Scherrer an ihrem Arbeitsplatz, umgeben von Männern und Maschinen. (Bild: Delia Hug)

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