Berufsmaturität für Erwachsene lässt auf sich warten

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Appenzell/Herisau Fehlender Schulraum spielt auch im Folgenden eine ­zentrale Rolle: Die Berufsbildungskommission beider Appenzell hat in den ­vergangenen Monaten die gemeinsame Lancierung eines Jahreskurses zur Erlangung der Berufsmaturität für Erwachsene, eine sogenannte BM 2, geprüft. Auslöser war unter anderem ein Votum des einstigen Innerrhoder Grossratmitglieds Josef Schmid, der an der Session vom Dezember 2014 einen entsprechenden Wunsch geäussert hatte. Auch Innerrhodens Erziehungsdirektor Roland Inauen kann sich mit dem Anliegen gut anfreunden. «Wenn heute jemand nach der Lehre die Berufsmaturität machen will, ist dies in den beiden Appenzeller Kantonen nicht möglich.»

Im Verlauf der Arbeit hat man gemäss Inauen erkannt, dass das Berufsbildungszentrum BBZ Herisau das beste Kompetenzzentrum für eine BM 2 wäre. Allerdings zeigte sich anlässlich des Jahrestreffens der beiden Bildungs- und Erziehungsdirektoren vom März dieses Jahres, dass das Bildungsdepartement AR dem Projekt mangels Räumlichkeiten derzeit keine Priorität schenkt. Das BBZ Herisau sei voll ausgelastet und könne keine neuen Bildungsgänge wie eine berufsbegleitende BM 2 aufnehmen, lautete die Begründung.

Appenzell hätte Räume und Personal

Bereits zuvor sei darüber nachgedacht worden, den besagten Lehrgang von Herisau aus zu managen und in Appenzell durchzuführen, sagt Roland Inauen. Appenzell könnte Räume und Lehrkräfte bieten. Die damaligen Abklärungen hätten aber gezeigt, dass es nicht einfach sein würde, eine genügend grosse Anzahl Studierender zu gewinnen. In der Folge wurde das Projekt vorerst nicht weiterverfolgt. Dieser Stand der Dinge geht aktuell auch aus einem Bericht der Standeskommission zuhanden des Grossrats hervor. Dabei ist ebenso herauszulesen, dass eine gemeinsame Berufsmaturität noch nicht komplett vom Tisch ist. In einem nächsten Schritt sollen jedoch gemäss Roland Inauen erst einmal die Industrie- und Gewerbebetriebe des Appenzellerlands dazu gewonnen werden, dass sie ihre Mitarbeitenden auch zum Besuch der Berufsmaturität motivieren und ihnen die entsprechende Möglichkeit geben würden. Anlässlich der Plattform Berufsbildung vom 15. November will man deshalb eine Befragung bei den Betrieben durchführen. Dies soll eine zentrale Entscheidungsgrundlage über die Weiterführung des Projekts bilden.

Die Abwägung des richtigen Standorts ist noch offen

Hanspeter Schläpfer, Rektor des BBZ, bestätigt Überlegungen punkto Verlegung des Lehrgangs nach Appenzell. Das Thema der Berufsmaturität werde aktuell im Rahmen einer Gesamtauslegeordnung des BBZ weiterbehandelt. Würde man sich dereinst für einen Weiterzug des Projekts entscheiden, gelte es in einem weiteren Schritt abzuwägen, wo der richtige Standort dafür sei. Appenzell könne weiterhin eine Option sein.

Nebst der Befragung bei den Industrie- und Gewerbebetrieben im November ist man am Berufsbildungszentrum Herisau in diesen Wochen dabei, wie Schläpfer weiter ausführt, auch bei den Lernenden mittels Befragungen zu klären, wie gross das Interesse und Potenzial für eine BM 2 ist.

Roger Fuchs

roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch