Berufsbeistände neu im Städtli

LICHTENSTEIG. Bis Ende 2014 war die Berufsbeistandschaft Toggenburg mit einer Vereinbarung bei der Gemeindeverwaltung Wattwil angegliedert. Die Gemeinden der Sozialen Fachstellen organisieren dies nun im Rathaus Lichtensteig – ohne Wattwil.

Hansruedi Kugler
Drucken
Teilen
Vor der Berufsbeistandschaft im Rathaus Lichtensteig (von links): Christian Spoerlé (Präsident Soziale Fachstellen), Matthias Schildknecht (Leiter Berufsbeistandschaft), Mathias Müller (Stadtpräsident Lichtensteig), Kilian Looser (Gemeindepräsident Nesslau). (Bild: Hansruedi Kugler)

Vor der Berufsbeistandschaft im Rathaus Lichtensteig (von links): Christian Spoerlé (Präsident Soziale Fachstellen), Matthias Schildknecht (Leiter Berufsbeistandschaft), Mathias Müller (Stadtpräsident Lichtensteig), Kilian Looser (Gemeindepräsident Nesslau). (Bild: Hansruedi Kugler)

Der Verein Soziale Fachstellen Toggenburg und die Gemeinde Wattwil gehen seit fünf Jahren getrennte Wege. Wattwil hatte gleichzeitig mit Lichtensteig aus Unzufriedenheit die Zusammenarbeit gekündigt und mit Ausnahme der Suchtberatung sämtliche Sozialberatungen in die Gemeindeverwaltung, in die eigenen Sozialen Dienste integriert. Die Berufsbeistandschaft wurde weiterhin gemeinsam organisiert – mittels einer interkommunalen Vereinbarung. Die Mitgliedgemeinden des Vereins Soziale Fachstellen Toggenburg haben nun – Lichtensteig ist unterdessen wieder dabei – die Berufsbeistandschaft in ihren Verein integriert und lösen sich aus der Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wattwil. Gemäss dem Ebnat-Kappler Gemeindepräsidenten Christian Spoerlé, zugleich Präsident der Sozialen Fachstellen, soll so die Berufsbeistandschaft organisatorisch näher an die Sozialberatung der Fachstellen rücken. Mittelfristiges Ziel sei es denn auch, beide unter einem Dach zu führen – so wie es die Gemeinden im unteren Toggenburg schon seit Jahren machen.

Bald im Oberstufenschulhaus?

Für einen räumlichen Zusammenschluss fehlen vorläufig geeignete Räume: Am Standort der Sozialen Fachstellen an der Bahnhofstrasse Wattwil ist kein Ausbau möglich. Deshalb mietet sich die Berufsbeistandschaft seit Anfang Januar im Rathaus Lichtensteig ein. Dort hat die Gemeinde für rund 160 000 Franken die leerstehende Wohnung in mehrere Büros umgebaut. Dass sich in wenigen Jahren das ehemalige Oberstufenschulhaus Lichtensteig für einen Zusammenschluss anbietet – nach dem Wegzug der Berufsschule –, will Lichtensteigs Stadtpräsident Mathias Müller vorerst nicht kommentieren. Über die Ausbaupläne der Sozialen Fachstellen werde aber im Verlauf des Februars informiert. Vorderhand bleibt die Berufsbeistandschaft im Lichtensteiger Rathaus und nutzt dort mit der Gemeindeverwaltung gemeinsam Sitzungszimmer, Informatik, Telefonanlage, Post- und Reinigungsdienst.

Fachliche Aufgabe bleibt

Mit der Neuorganisation der Trägerschaft für die Berufsbeistandschaft ändert sich deren fachlicher Grundauftrag nicht. Das betont Stellenleiter Matthias Schildknecht. Sieben Personen arbeiten in der Berufsbeistandschaft im Lichtensteiger Rathaus: Verteilt auf 280 Stellenprozent Berufsbeistandschaft und 160 Stellenprozent Administration. Sie betreuen im Auftrag der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb Toggenburg insgesamt 206 Mandate für 111 Erwachsene und 95 Kinder vom Neckertal bis Wildhaus.

Warum es 3 statt 1 gibt

Warum braucht man im Toggenburg drei Organisationen für die Sozialberatung und die Berufsbeistandschaften? Einerseits hat das historische Gründe: Seit vielen Jahren decken die Sozialen Fachstellen Unteres Toggenburg und Toggenburg ihre jeweiligen Regionen ab – bis zum Austritt von Wattwil und Lichtensteig vor fünf Jahren. Der Nesslauer Gemeindepräsident Kilian Looser sagt aber auch, die Lösung mit der interkommunalen Vereinbarung, welche die Berufsbeistandschaft der Gemeindeverwaltung Wattwil angegliedert und mit einer gemeinsamen Verwaltungskommission beaufsichtigt habe, sei für die Gemeinden zu wenig durchsichtig gewesen. Looser ist Mitglied der Projektleitung für deren Neuorganisation. Zudem wäre die Zusammenarbeit von Berufsbeistandschaft und Sozialberatung einfacher zu handhaben, wenn beide vom Verein Soziale Fachstellen geführt würden, sagt er. Nesslau und Wildhaus-Alt St. Johann haben bereits vor drei Jahren gekündigt.

Den Vorwurf mangelnder Transparenz weist der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner, der auch Präsident der Verwaltungskommission der gemeinsamen Berufsbeistandschaft gewesen ist, zurück: «Die Organisationsform der Berufsbeistandschaft hat nur als administrativer Rahmen für die Erledigung der amtlichen Aufgabenerfüllung der Mandatsträger gedient.» Die Verwaltungskommission sei zu keinem Zeitpunkt befugt, in der Fallbearbeitung zu intervenieren, dies sei Sache der zuweisenden Behörde, der Kesb, gewesen. Alle relevanten Entscheide der Verwaltungskommission seien auch in diesem Gremium gefällt worden, in der Wattwil nur mit einer Stimme vertreten, also immer in der Minderheit war. Die Gemeinden seien über die wichtigsten Entscheide schriftlich informiert worden. Der Wattwiler Gemeinderat sei überzeugt, dass die Strategie einer Integration von Sozialberatung, wirtschaftlicher Sozialhilfe und Berufsbeistandschaft in der Gemeindeverwaltung, so wie dies in anderen Gemeinden im Kanton selbstverständlich sei, für Wattwil eine gute Lösung sei. «Wir haben eine gute Grösse, um diese Aufgaben sachgerecht und effizient zu erfüllen. Daran halten wir fest, wir schauen vorwärts, haben den Partnergemeinden allerdings auch andere Lösungen unterbreitet, die leider ausgeschlagen wurden.»

Aktuelle Nachrichten