Berufs-WM: Wir kommen!

Im Oktober finden in London die Berufsweltmeisterschaften statt. Zwei Appenzeller vertreten die Schweiz: Der Bauschreiner Peter Enzler und der Möbelschreiner Peter Müller.

Guido Berlinger-Bolt
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Höchste Konzentration ist an der Berufs-WM gefragt. (Bild: Archiv)

Höchste Konzentration ist an der Berufs-WM gefragt. (Bild: Archiv)

Appenzellerland. Die World Skills in London sind der international grösste Wettbewerb von jungen Berufsleuten; über 1000 Frauen und Männer aus der ganzen Welt werden zwischen dem 5. und 8. Oktober ihr Land mit ihren Fertigkeiten und ihrem Wissen vertreten. Alle befinden sie sich noch in oder kurz nach Abschluss ihrer Ausbildung. Unter ihnen sind vier Appenzeller: Sandrine Eisenhut, Koch aus Oberegg; Sabrina Anita Keller, Restaurationsfachfrau aus Heiden; Peter Müller, Möbelschreiner aus Herisau, und Peter Enzler, Bauschreiner aus Appenzell. Letztere setzen ein Ausrufezeichen hinter den ausgezeichneten Ruf des Appenzeller Schreinerhandwerks: In einer Qualifikation schlugen Peter Müller und Peter Enzler alle anderen Schreiner; mit dem Schweizer Meistertitel vom letzten September haben sie sich zugleich das Ticket für London gesichert. In den nächsten Wochen werden sie sich an ihrer Lehrabschlussprüfung beweisen müssen. Und dann, im Oktober wird es so weit sein: Gemeinsam mit der Crème de la Crème des Nachwuchses an Berufsleuten der Schweiz reisen sie in die Millionenstadt an der Themse und kämpfen dort um den Weltmeistertitel.

Schreiner – zunächst 2. Wahl

Für Peter Enzler aus Appenzell war der Bauschreinerberuf zunächst bestenfalls zweite Wahl. Eigentlich wollte er Landwirt werden; nach nur zehn Tagen in der Lehre zum Bauern musste er sich allerdings einer Rückenoperation unterziehen – der Traum vom Traumberuf war geplatzt. Dennoch kämpfte sich Enzler zurück in den Berufsalltag. Als Schreinerlehrling stellte er sich schon früh dem Wettbewerb; im ersten Lehrjahr beteiligte er sich an der Ausscheidung zur Schweizer Meisterschaft. Im dritten Lehrjahr schliesslich hat es geklappt. «Am Anfang war es für mich nichts weiter als eine gute Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung im kommenden Juni», sagt Peter Enzler. «Doch plötzlich war ich eine Runde weiter, gehörte zu den besten Schreinern der Ostschweiz. Der Erfolg gab mir fortlaufend Motivation.» Seit letztem Herbst gehört er der Schweizer Nati der Berufsleute an. Bereits im Januar fand das erste von vier Team-Weekends statt. Die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten sich in Spiez im Berner Oberland gegenseitig kennen, wurden eingekleidet, erhielten erste Informationen, was den Ablauf der «Expedition» nach England angeht. In den kommenden Trainingswochenenden wird es vermehrt um das Mentale gehen – die Aufgaben, die an der Berufs-WM an die jungen Berufsleute gestellt werden, seien extrem anspruchsvoll, sagt Peter Enzler. «Und der Zeitdruck ist enorm.» Es braucht also ein gesundes Selbstvertrauen und eine Portion Gelassenheit, wer die Aufgaben bestehen will. Über beides verfügt Enzler.

Den World Skills nähert er sich in kleinen Schritten – und dennoch zielstrebig. «Im Juni habe ich Lehrabschlussprüfung», sagt er. Und: «Danach geht's ans Trainieren.» Dafür reist er zum Schweizer Schreiner-Experten der World Skills in die Romandie. Und lebt dort während dreier Monate ohne Lohn, nur für die Vorbereitung für die Berufsweltmeisterschaft. Unterstützung kann er sich, wie auch Peter Müller, vom verbandseigenen Berufsbildungsfonds der Schreiner erhoffen sowie von einzelnen Unternehmen und Sponsoren. Weiter als bis London, als bis in den Oktober hinein, plant Peter Enzler nicht. Er könnte weiterhin in seinem Lehrbetrieb, der Weishaupt AG in Appenzell, bleiben. Allein, für ihn ist es noch zu früh, sich schon festzulegen.

Guter Startplatz

Bereits entschieden hat sich hingegen sein Kollege Peter Müller. Er ist der zweite Appenzeller Schreiner, der im Oktober nach London reist. Das Opfer, nach der Lehrabschlussprüfung im Juni ohne Lohn für die Berufs-WM zu trainieren, geht Peter Müller deshalb ein, «weil ich dafür auch einiges kriege». Vor allem: Sicherheit, einen guten Startplatz im Einstieg ins Erwerbsleben. Und einen höheren Anfangslohn. Ein Schweizer Meister hat seinen Preis. Müller wird nach London seinem Lehrbetrieb, der Danuser AG in Herisau, die Treue halten. Für den 19jährigen Bauernsohn aus Herisau war schon früh klar, dass er eine Möbelschreinerlehre absolvieren wollte. Aus einem einfachen Grund: «Weil Schreiner ein schöner Beruf ist», wie er sagt. Ihm gefällt die Arbeit mit dem Holz und mit den eigenen Händen. Wie Enzler hat auch Peter Müller die Qualifikation für die World Skills innerhalb eines Jahres durchlaufen. «Zuerst», sagt er, «habe ich es als Vorbereitung für die Teilprüfung im dritten Schreiner-Lehrjahr angesehen.» Davon, dass der Weg am Ende bis nach London führt, hat Peter Müller zu Beginn nichts gewusst. «Ich hätte selber auch nie gedacht, dass ich weiterkäme. Aber natürlich hatte ich Freude.» Und dann sagt er: «Der Erfolg motivierte mich natürlich. Denn wenn man schon dabei sein kann, will man's wissen!» Wenn schon, denn schon – wie bei Peter Enzler: Der Ehrgeiz kommt mit dem Erfolg.