Bericht schürt die Angst vor dem Impfen

Das Impfen polarisiert Ausgabe vom 28. März 2015

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In Erwartung einer objektiven Berichterstattung über den Impfvortrag von Herr Dr. med. Alexander Ilg und die anschliessende Diskussion habe ich den Bericht im Alttoggenburger vom 28. März gelesen. Der Bericht geht aber nur auf die Seite der Impfkritiker ein und macht beim Durchlesen richtig Angst davor, sich impfen zu lassen. Als Hausarzt mit jetzt über 30 Jahren Praxiserfahrung habe ich aber den Segen einzelner Impfungen selber erleben dürfen. Dies müssen auch die Impfkritiker anerkennen. In meinen Anfängen in Kirchberg habe ich im Notfalldienst einige Kinder gesehen, die an einer bakteriellen Epiglottitis (akute, durch Hämophilus Influenza verursachte Kehldeckelentzündung) erkrankt waren. Ich kann Ihnen kaum beschreiben, wie diese Kinder sterbenskrank, grau verfärbt mit laufendem Speichel aus den Mundwinkeln – da sie ja wegen der Verengung im Hals nicht mehr schlucken konnten – und mit Atemnot kurz vor dem Ersticken in den Armen der Eltern lagen. Ich wusste manchmal nicht, ob diese Patienten das Kinderspital noch lebend erreichen würden, da diese Erkrankung plötzlich zu einem totalen Verschluss der Atemwege mit Ersticken führen kann. Seit der Einführung der Hämophilus-Influenza-Impfung aber sehen wir diese schwerste Erkrankung nicht mehr. Könnte es nicht sein, dass wir uns allgemein über die positiven Folgen der Impfungen – und ich nehme an, dass ein Grossteil der anwesenden Eltern an diesem Abend selber die Impfungen gegen Starrkrampf, Hämophilus, Kinderlähmung, eventuell auch Masern, Mumps und Röteln erhalten haben – dessen gar nicht mehr so richtig bewusst sind? In meiner Kindheit habe ich noch Mitschüler mit Folgen nach Poliomyelitis (Kinderlähmung) gesehen mit zum Beispiel lebenslangen Teillähmungen eines Beines; diese Krankheit und deren Folgen kennen die jüngeren Generationen nicht mehr. Andererseits haben wir ja letzthin Berichte aus Schweden gehört, wo wegen Impfmüdigkeit wieder Kinderlähmungsfälle aufgetreten sind.

Ich finde es richtig und begrüssenswert, dass man sich Gedanken macht, was mit sich und mit den Kindern geschieht. Ich finde es auch gut, wenn man gegenüber der Schulmedizin und ihren Therapien eine gewisse Skepsis an den Tag legt. Auch die Schulmedizin erkennt vieles erst im Nachhinein und muss Meinungen revidieren. Aber aus meiner Sicht sind die Impfungen ein Segen und haben – und tun es immer noch – weltweit grosses Leid lindern und verhindern können. Zur Frage der Zusatzstoffe in den Impfdosen kann ich nur anfügen, dass die Probleme sicher nicht vollständig gelöst, aber doch so entschärft sind, dass man davor nicht Angst haben muss. Grosse Beobachtungsstudien der Schulmedizin haben klar gezeigt, dass bei Anwendung der heute verwendeten Impfstoffe keine schwerwiegenden Nebenwirkungen oder Spätfolgen zu befürchten sind. Der Nutzen einer Impfung überwiegt bei weitem.

Ich schreibe diese Replik zum Artikel über den Vortrag von Dr. Ilg nicht zuletzt auch deshalb, weil ich mich als Hausarzt für das Wohl der Kinder verantwortlich fühle. Ich behandle meine Patienten – so wie das alle in der Praxis Tulpenstrasse tun –, so wie ich meine Enkel und Familie behandeln würde. Ich respektiere die Meinung des Gegenübers, wobei zur Meinungsbildung aber auch die Betrachtung beider Seiten einer Medaille gehören.

Dr. med. F. Fust Praxisgemeinschaft Tulpenstrasse, 9533 Kirchberg

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