BERGLAUF: Extremsituationen erfahren

Snowboarder Jan Scherrer bereitet sich auf den Swiss Alpin Marathon vor. Er möchte die Strecke von Ebnat-Kappel über den Säntis nach Buchs überstehen und seine Grenzen austesten.

Urs Huwyler
Drucken
Teilen
Jan Scherrer oberhalb von Wattwil auf dem Weg auf die Kreuzegg. (Bild: Urs Huwyler)

Jan Scherrer oberhalb von Wattwil auf dem Weg auf die Kreuzegg. (Bild: Urs Huwyler)

REGION. Am 30. Juli wird sich Snowboard-Halfpiper Jan Scherrer einem Leistungstest unterziehen und im Rahmen des Swiss Alpin Marathons den K42 von Bergün aus über die Keschhütte, den Piz Kesch und den Sertigpass nach Davos joggen und marschieren. «Die 42 Kilometer mit 1830 Meter aufwärts und 1680 Meter abwärts entsprechen der Strecke von Ebnat-Kappel über den Säntis nach Buchs. Für mich als Freestyler ist dies eine ziemliche Belastung», gesteht der Olympia-Teilnehmer von 2014 in Sotschi.

Vor einem Jahr bestritt der ehemalige Schweizer Nachwuchssportler des Jahres (2009) den K30 und klassierte sich in drei Stunden und vier Minuten auf Platz 113 bzw. 4 in der Kategorie M20. «Auf 30 Kilometer verteilt waren dies insgesamt nur 430 m Steigung. Also handelte es sich vergleichsweise um eine nahezu flache Strecke. Die Herausforderung wird diesmal eine ganz andere sein», ist sich der 22jährige Wintersportler zumindest auf dem Papier bewusst, worauf er sich einlässt.

Kopfsache

Die Übung mit den für Freestyler atypischen Ausdauer-Lauftrainings dient der Fitness und damit der Vorbereitung auf die nächste Saison. «Es bleibt schwierig, das hohe Niveau der Sportler-RS zu halten. Ich muss mir während der Zwischensaison ein Ziel setzen.» Zur Auflockerung auf den Tanzboden laufen gehört ebenso dazu wie das Training über die Mittagszeit bei sommerlichen Temperaturen.

Ob Jan Scherrer 30 oder 42 Kilometer rund um Davos verkraftet, ist zweitrangig und wird nicht über Gold oder Leder an den Olympischen Spielen 2018 entscheiden. «Ich möchte meine Grenzen austesten, erfahren, was ich zu leisten vermag. Entscheidend wird sein, ob der Kopf mitmacht. In diesem Bereich verspreche ich mir den grössten Gewinn für die sportliche Zukunft.»

Es gebe, führt Jan Scherrer aus, während eines Winters immer wieder Situationen, in denen der Kopf und nicht die Technik, das Material oder Judges entscheidend seien. «Das Wetter kann schlecht sein, es kommt zu Verschiebungen, Absagen, Unterbrüchen, es müssen neue, noch schwierigere Tricks versucht werden, dann ist vieles Kopfsache. Vermag ich mit Extremsituationen, die sich beim Swiss Alpin Marathon ergeben werden, umzugehen, helfen mir diese Erfahrungen auch sonst.» Eine Zeitlimite hat er sich für die 42 Kilometer übrigens nicht gesetzt. «Durchstehen» lautet das Motto. Und zeigen, dass Halfpiper austrainierte Sportler sein können.

Schwierige Zukunft

Trotz hoher Einschaltquoten an den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 ist der Snowboard-Boom abgeflacht. Bei den Freestylern stehen zudem europaweit nur wenige Pipes mit der nötigen Grösse zur Verfügung. Die Trainings sind dadurch mit längeren Anfahrtswegen verbunden. «Das sind keine idealen Voraussetzungen für den Nachwuchs. Wir müssen im Herbst möglicherweise mangels Alternativen für drei Trainingswochen nach Neuseeland», weiss Jan Scherrer um die schwierige Ausgangslage.

Aktuelle Nachrichten