Bergbeizen profitieren vom "Aescher-Effekt"

Der "Aescher" wird überrannt von Touristen aus aller Welt. Aber nicht nur das wohl berühmteste Berggasthaus im Alpstein hat eine gute Saison hinter sich. Einige Wirte haben vom "Aescher-Effekt" profitiert und glauben, dass dieser anhalten wird.

Christa Kamm-Sager
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Einheimische und auswärtige Ferienhausbesitzer müssen in Appenzell Innerrhoden gleichviel Tourismusabgaben leisten. (Bild: Ralph Ribi/Archiv)

Einheimische und auswärtige Ferienhausbesitzer müssen in Appenzell Innerrhoden gleichviel Tourismusabgaben leisten. (Bild: Ralph Ribi/Archiv)

"Weil der Aescher so oft voll ist, weichen Einheimische aus und kommen halt eher zu uns." Das sagt Bruno Hehli, Wirt und Besitzer des Gasthaus Mesmer. Das Berggasthaus am Weg vom Seealpsee zum Säntis hat eine gute Saison hinter sich und Wirt Bruno Manser diesen Sommer etwas Neues erlebt: "Es fanden zum ersten Mal auch ein paar Japaner und Amerikaner den Weg zu uns."

Wer einmal kommt, kommt wieder
Gäste aus Japan hatte der Wirt der "Bollenwees" noch nie: "Für ungeübte Wanderer sind wir doch etwas zu abgelegen", sagt Thomas Manser. Japaner seien vermutlich deshalb praktisch nie unter seinen Gästen auszumachen, Amerikaner hingegen schon. Sie kommen schon länger in organisierten Trekkinggruppen.

Manser stellt fest, dass Wandern bei Jungen seit einigen Jahren wieder im Trend ist. "Im Berggasthof übernachten, sich gut verpflegen, das ist alles unkompliziert im Alpstein, das gefällt den Jungen." Thomas Manser spricht aber doch von einem "Aescher-Effekt" für den Alpstein: "Wir werden von diesem Boom nachhaltig profitieren", ist er sich sicher. "Wer einmal im Aescher war, kommt wenn immer möglich wieder in unsere schönen Berge und möchte auch den Rest des Alpsteins entdecken."

Längerfristig beobachten
Auch Ruedi Manser, Präsident des Bergwirtevereins, sieht das so: "Man muss den Erfolg des Aeschers längerfristig beobachten." Der grosse Ansturm auf den Aescher, der durch Bilder auf sozialen Medien ausgelöst wurde, kommt dem ganzen Alpstein zu Gute. Man höre allerdings auch hie und da kritische Stimmen, die besagen, dass der Alpstein überlaufen sei. "Es ist klar, dass es an schönen Wochenenden viele Wanderer hat und die Parkplätze voll sind. Aber an sehr vielen Tagen ist auch sehr wenig los."

Zu 85 Prozent kämen die Alpstein-Touristen aus der Schweiz, etwa 10 Prozent seien Deutsche und rund 5 Prozent kämen aus anderen Ländern. "Wir haben dieses Jahr gemerkt, dass es etwas weniger Deutsche hat und dass sie etwas weniger konsumieren. Das hat klar mit der Frankenstärke zu tun", so Manser. Aber der wichtigste Faktor für eine gute Saison sei und bleibe das Wetter. Dieses Jahr seien die Sommermonate sehr gut gewesen, dafür habe es im Herbst eher wenige schöne Wochenenden gegeben.

Leute wandern weniger weit
Daniel Lüchinger, Wirt auf der "Staubern", sieht das relativ: "Das Wetter ist immer wieder gut, es ist nie einfach nur schlecht in einer Saison. Das gleicht sich immer aus." Eine Seilbahn führt direkt zu seinem Berggasthof an einer Lage mit spektakulärer Aussicht über das Rheintal – aber internationale Touristen seien trotzdem eher selten bei ihnen zu Gast. Dafür hat er einen anderen Trend ausgemacht. "Die Leute wandern heute weniger weit." Früher habe man eher Ganztageswanderungen unternommen, heute reichten vielen drei Stunden.

Bei Rita Inauen vom "Plattenbödeli" kehren alle Schichten von Gästen ein: Familien, Junge, Ältere. Nur Touristen mit Halbschuhen seien eher selten. "Der Weg zu uns das Brühltobel hinauf ist schon sehr steil." Auch wenn sie nicht direkt vom Erfolg des "Aeschers" profitieren kann, sieht sie die berühmte Bergbeiz in den Felsen doch als optimalen Werbeträger für den Alpstein mit gutem Nebeneffekt für alle anderen Berggasthöfe. "Aber wie immer hat alles Vor- und Nachteile", sagt die Wirtin. "Es kommen zwar generell mehr Gäste, aber einige Gäste werden vielleicht wegen diesem Rummel auch vertrieben."

An diesem Wochenende sind die meisten Berggasthöfe das letzte Mal geöffnet, bevor sie den Winter über die Türen schliessen.