BERGBAHNEN: «Das Angebot schadet der Region»

Die Toggenburger Bergbahnen AG offeriert den Aktionären der Bergbahnen Wildhaus AG, die Aktien für einen Bruchteil des Steuerwertes zu übernehmen. Über die Gründe hinter diesem feindlichen Übernahmeangebot schweigt sie sich aus.

Sabine Schmid / Thomas Schwizer
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Der Schriftzug auf der Talstation der Sesselbahn in Wildhaus ist ein Überbleibsel aus früheren Jahren, als die Bergbahnen im Obertoggenburg eine gemeinsame Strategie verfolgt haben. (Bild: Sabine Schmid)

Der Schriftzug auf der Talstation der Sesselbahn in Wildhaus ist ein Überbleibsel aus früheren Jahren, als die Bergbahnen im Obertoggenburg eine gemeinsame Strategie verfolgt haben. (Bild: Sabine Schmid)

Die Pfingsttage waren im Obertoggenburg alles andere als ruhig. Grund zu Diskussionen gab ein Angebot der Toggenburg Bergbahnen AG (TBB), die den Aktionären der Bergbahnen Wildhaus AG (BBW) ein Kaufangebot unterbreiten. Dieses ist am Samstag als Inserat im «Toggenburger Tagblatt» erschienen. Brisant ist der Preis: Für die Aktien, die bei der letzten Kapitalerhöhung für 200 Franken verkauft wurden, bietet die TBB gerade einmal 25 Franken an (siehe Zweittext). Es ist auch möglich, zehn Aktien der BBW für eine Aktie der TBB einzutauschen. Ziel der TBB ist es, auf diesem Weg mindestens 51 Prozent der Aktien der BBW zu übernehmen. Mit diesem Schritt könne sich das Toggenburg als «vereinigte, schlagkräftige, kreative und selbstbewusste Destination positionieren», schreibt die TBB im Inserat im «Toggenburger Tagblatt», das mit «Zur Rettung des gemeinsamen Skitickets im Obertoggenburg» übertitelt ist.

Dieses gemeinsame Skiticket liegt den Einheimischen und den Gästen am Herzen. So jedenfalls äusserten sie sich unter anderem an der Bürgerversammlung von Wildhaus-Alt St. Johann im Herbst 2016, als die Gemeinde den Antrag auf den Kauf von 2500 Nominalaktien der BBW zum Preis von 500000 Franken stellte. Diesem Antrag wurde klar zugestimmt, eine Verpflichtung zur Fusion oder zur Weiterführung des gemeinsamen Skitickets konnte die Politische Gemeinde aber nicht daran knüpfen. Bereits vor zwei Jahren hing die Weiterführung dieses gemeinsamen Skibilletts an einem seidenen Faden. Damals wurde eine Mediation durchgeführt. Den Sommertarifverbund gibt es seither nicht mehr, für den Winter wurde aber eine Verpflichtung auf vier Jahre, sprich bis und mit Wintersaison 2018/19, eingegangen.

Weitere Kooperation ist möglich

Ebenso überrascht von diesem Angebot wie die Aktionäre waren die Verantwortlichen der BBW. Verwaltungsratspräsident Jakob Rhyner ist bis gestern nicht persönlich von Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der TBB, kontaktiert worden. Dies findet er ebenso befremdend wie das Angebot an sich, dass er in der «Ostschweiz am Sonntag» als «feindlich» und «mehr oder weniger rufschädigend» verurteilte. Dennoch schliesst Jakob Rhyner eine weitere Zusammenarbeit der BBW mit der TBB unter Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger nicht grundsätzlich aus. «Im Interesse der Gäste und der ganzen Region Obertoggenburg müssen und wollen wir das unsererseits weiterhin tun», stellte Jakob Rhyner auf Anfrage klar. Ein Scheitern des Billettverbundes der BBW und der TBB wäre für Jakob Rhyner «unvorstellbar gastfeindlich» und müsse, wenn immer möglich, vermieden werden, blickt er besorgt auf 2018/19 voraus, wenn der Winterverbund ausläuft. Als Variante zur Verständigung nennt Jakob Rhyner einen Lösungsansatz, «mit dem alle leben könnten»: ein regionales Billett für beide Bahnen und je ein Billett für jede Bahn einzeln, so könne der Gast selbst entscheiden, welches Bahnangebot er nutzen wolle.

Aktionäre machen wohl kaum mit

Das Übernahmeangebot an sich ist für Jakob Rhyner unverständlich und schade der Region. Die Offerte, die Aktie zu einem Wert von 12,5 Prozent des Kaufpreises zu übernehmen, komme einer Enteignung gleich, sagte der BBW-Verwaltungsratspräsident gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». Für die angestrebten 51 Prozent der Aktien würden die TBB 400000 Franken bezahlen. «Das entspricht dem Preis von einem Pistenfahrzeug. Dafür hätten die TBB das Sagen und zudem Zugriff auf die derzeit über drei Millionen Franken flüssigen Mittel der Bergbahnen Wildhaus», sagt Jakob Rhyner. Ob es aber dazu kommen wird, ist fraglich. Das Angebot der TBB ist bis am 23. Juni offen. Bereits geäussert hat sich die Ortsgemeinde Grabs, die auf keinen Fall auf das Angebot zum Aktienverkauf respektive Aktientausch eingehen möchte. Ihn störe das Angebot extrem und es sei für ihn nicht nachvollziehbar, was die TBB damit erreichen wolle, sagt Hans Sturzenegger, Präsident der Ortsgemeinde Grabs. Auch der Präsident der Politischen Gemeinde Grabs, Niklaus Lippuner, stellte klar, dass man nicht auf das Angebot eintrete.

Mélanie Eppenberger übrigens nahm bisher zu den Anfragen von verschiedenen Medien keine Stellung. Gegenüber dem «Toggenburger Tagblatt» kündigte sie gestern an, zu einem späteren Zeitpunkt zu informieren.