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Bereit, neue Wege zu beschreiten

Seit August ist Nanette Rüegg als Pfarrerin bei der Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg tätig. Am Sonntag stellt sie sich in Lichtensteig der offiziellen Wahl in dieses verantwortungsvolle Amt.
Anina Rütsche
Der Pfarrerin Nanette Rüegg gefällt ihre neue Aufgabe bei der Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg, die sie unter anderem in der reformierten Kirche in Wattwil ausübt. (Bild: Anina Rütsche)

Der Pfarrerin Nanette Rüegg gefällt ihre neue Aufgabe bei der Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg, die sie unter anderem in der reformierten Kirche in Wattwil ausübt. (Bild: Anina Rütsche)

Sie ist Lehrerin, seit kurzem ist sie auch Pfarrerin: Nanette Rüegg hat ein Jahr nach Abschluss ihres Zweitstudiums ihre erste Stelle in ihrem Traumberuf angetreten. Seit August gehört die 41-Jährige zum Pfarrteam der Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg, die Wattwil, Krinau und Lichtensteig umfasst.

Nanette Rüegg, am Sonntag findet eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung statt, an der Sie offiziell zur Wahl als neue Pfarrerin vorgeschlagen werden. Wie blicken Sie diesem wichtigen Anlass entgegen?

Nervös bin ich nicht, aber ich bin mir bewusst, dass die Wahl etwas Besonderes wird. Die Gemeinde kann an diesem Tag ein Zeichen setzen, das meine Zukunft mitbestimmt. Für mich wird das Ganze folgendermassen ablaufen: Zuerst stelle ich mich kurz vor, dann beantworte ich allfällige Fragen der Kirchbürgerinnen und Kirchbürger. Anschliessend trete ich in den Ausstand, denn ich selbst bin nicht stimmberechtigt. Ich vertraue darauf, dass mich die Menschen in meinem Wirken bestätigen und mir ihre Stimme geben. Übrigens befürworte ich solche Wahlen, denn sie tragen einen reformierten Gedanken in sich – hier zeigt sich die Demokratie, bei der das Volk mitentscheiden kann.

Auch wenn die Wahl noch bevorsteht: Ihr Amt haben Sie bereits im August angetreten. Wie verlief der Start?

Meinen Arbeitsbeginn in Wattwil habe ich als schön und ideal erlebt. Mir hat gefallen, dass alles gestaffelt abgelaufen ist. Anfang August waren noch Schulferien, also hatte ich genug Zeit, um den Unterrichtsstoff für die vier Klassen vorzubereiten, die ich nun betreue. Auch die Angebote und Tätigkeiten unserer Kirchgemeinde konnte ich Schritt für Schritt kennenlernen. Mittlerweile habe ich mich für den Anfang gut eingelebt.

Wie haben Sie Ihren ersten Gottesdienst gestaltet?

Mein erster Gottesdienst nach dem Vikariat war für mich ein bewegendes Erlebnis. Ich fühlte, dass ich angekommen bin, dass ich meine Berufung gefunden habe. Mir war aber auch bewusst, dass ich mich nun nicht mehr in einem geschützten Rahmen bewege, sondern die volle Verantwortung trage. Ins Zentrum meiner Predigt habe ich einen Abschnitt aus dem ersten Johannesbrief gestellt. «Lasst uns einander lieben», heisst es dort. Ich habe über den Umgang gesprochen, den die Menschen untereinander pflegen. Das Thema hat mir geholfen, die ersten Kontakte zu den Menschen aus der Kirchgemeinde zu knüpfen.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Pfarrerin?

Bei vielem bin ich traditionell. So orientiere ich mich am Bibelwort – es bildet die Grundlage für meine Arbeit und für mein Leben. Ich bin in der reformierten Kirche gross geworden und habe mich schon früh mit christlichen Glaubensinhalten auseinandergesetzt. Die Traditionen sehe ich aber nicht als in Stein gemeisselt an. Ich bin bereit, neue Wege zu beschreiten. Dies nicht alleine, sondern gemeinsam mit den Leuten, denen ich im Rahmen meiner Arbeit begegne: Mit den Jugendlichen aus den Religionsklassen, mit den Besucherinnen und Besuchern der Gottesdienste sowie mit meinen Teamkollegen Trix Gretler, Daniel Klingenberg und Rainer Pabst.

Ursprünglich sind Sie Lehrerin, nun Pfarrerin. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben diese Berufe?

Sowohl in der Schule als auch in der Kirche geht es um Mündigkeit und Selbständigkeit. In beiden Ämtern hat man mit Freud und Leid zu tun, mit Themen, welche die Menschen bewegen. Der grösste Unterschied besteht sicherlich darin, dass ich als Pfarrerin mit allen Generationen zu tun habe, und früher als Lehrerin vor allem mit Jugendlichen.

Aus welchem Grund sind Sie nicht auf direktem Weg Pfarrerin geworden?

Mit zwanzig fühlte ich mich, offen gestanden, noch nicht bereit fürs Theologiestudium. Doch ich habe damals in meiner Freizeit die Bibel gelesen und gemerkt, dass ich diese bereichernd finde. Auch habe ich mich schon während meiner Erstausbildung als Freiwillige in der Kirchgemeinde engagiert und viel Schönes dabei erlebt. Die Zeit als Lehrerin möchte ich nicht missen. Ich habe dabei nicht nur Fachliches, sondern auch viel fürs Leben gelernt.

Was bedeuten Glaube und Religion für Sie persönlich?

Seit meiner ersten Bibellektüre denke ich immer wieder darüber nach, woher ich komme und wohin ich gehe. Zuvor als Jugendliche habe ich mir solche Fragen nicht gestellt. Mein Leben hat sich durch den Glauben verändert, obwohl ich noch immer die gleiche Person bin. Aber der Glaube verändert die Perspektive, denn ich bin mir Gottes Ja zum Menschen bewusst geworden. Das gibt mir Zuversicht und Hoffnung, in guten wie in schwierigen Tagen.

Kirchgemeindeversammlung mit Wahl: Sonntag, 25. September, 10.30 Uhr, in der evangelisch-reformierten Kirche Lichtensteig.

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