Belgien und Trogen – ihr und wir

TROGEN. Derzeit findet an der Kantonsschule Trogen der zweite Teil des traditionellen Schüleraustauschs mit einer belgischen Schule statt. Durch das Projekt lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur ein anderes Land kennen, sondern setzen sich auch mit der eigenen Kultur auseinander.

Antonia Baumgartner
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Aus einem Schulzimmer tönt zuerst Jodelmusik. Dann folgt ein Song des Rappers Bligg. Der Workshop «music», organisiert von einer kleinen Schülergruppe, soll den belgischen Gästen die Schweizer Musik näherbringen. Als es musikalisch weiter zu DJ Antoine geht, nicken einige Belgier; dieser Künstler ist ihnen offensichtlich bekannt. Währenddessen sucht eine andere Gruppe draussen, mit Hilfe eines iPhones, einen Ort, an dem Süssigkeiten versteckt sind. Ein Spaziergang durch Trogen ist für die Schülerschaft der Kantonsschule Trogen (KST) beinahe etwas Alltägliches. Die belgischen Austauschschülerinnen und -schüler erleben bei dieser Aktivität aber, was es heisst, in einer Region mit vielen Bergen und Hügeln zu wohnen.

Eine Woche in Belgien

Der erste Teil des Schüleraustauschs mit Belgien findet jeweils im März statt, wenn eine Klasse der KST für eine Woche nach Buggenhout in Ostflandern reist. Der zweite Teil folgt im September mit dem Besuch der Belgier in der Schweiz. Die Ziele, welche die KST mit diesem jährlich stattfindenden Austausch verfolgt, sind unterschiedlich. Vor allem aus pädagogischer Sicht können die Schülerinnen und Schüler vom Projekt profitieren. Die meisten von ihnen brauchen das Gelernte aus dem Englischunterricht zum ersten Mal ausserhalb der Schule und müssen sich in einer Fremdsprache verständigen. Zudem verändert sich die Wahrnehmung für das eigene Land. Gerade beim Vorbereiten der Workshops müssen sich die Schülerinnen und Schüler überlegen, was sie denn als typisch schweizerisch erachten. So mussten sich die Mitglieder der Kochgruppe beispielsweise zuerst Gedanken darüber machen, was für sie Schweizer Spezialitäten sind, die sie mit den belgischen Gästen zubereiten können.

Auseinandersetzung mit Kultur

Beim Projekt stellen die Kulturen der beiden Länder – im aktuellen Fall Schweiz und Belgien – die Eckpfeiler im Programm dar. Neben den Workshops werden Städte und Sehenswürdigkeiten besucht. So reist die Gruppe in der Woche, die sie in Belgien verbringt, zum Beispiel nach Brüssel und besichtigt eine Brauerei. In der Schweiz wird unter anderem Zürich besucht und eine Fahrt auf den Säntis unternommen.

Die Auseinandersetzung findet aber nicht nur mit der fremden Kultur oder dem fremden Land statt, sondern auch mit der Heimat. Als Gastgeber müssen sich die Schüler der Kantonsschule Trogen überlegen, was sie ihren belgischen Freunden von der Schweiz zeigen wollen. Plötzlich müssen sie sich Gedanken über Dinge machen, die vorher selbstverständlich waren. Gäste zu beherbergen heisst auch, Verantwortung für jemanden zu übernehmen, schliesslich repräsentieren die Schülerinnen und Schüler ihr Heimatland.

Langjährige Tradition

Der Kontakt mit der Schule in Buggenhout ist vor gut 20 Jahren entstanden. Willi Eugster, Rektor der Kantonsschule Trogen, hat an einer Weiterbildung seinen Berufskollegen Raf Verstraeten aus Belgien kennengelernt. Im Gespräch fanden sie heraus, dass sie in der gleichen Situation sind: In ihrem Land wird eine Sprache gesprochen, die nicht sehr oft von Schülern aus anderen Ländern gelernt wird. Trotzdem wollten sich beide an einem internationalen Austausch beteiligen und so ihre Schule weiterentwickeln. «Die Schülerinnen und Schüler sollen einmal <rausgehen> aus dem Gewohnten und etwas anderes sehen», sagt Eugster. Auch mit einer Schule in Irkutsk in Sibirien organisiert die KST einen Austausch. Dieser Kontakt war aber einiges schwieriger herzustellen. Der damalige Lehrer für Russisch, Georges Schlegel, reiste kurz nach der Auflösung der UdSSR nach Sibirien. Was er dort erlebte, wollte er seinen Schülern zugänglich machen, und so begann seine Odyssee auf der Suche nach einer Partnerschule, denn das Interesse auf russischer Seite war eher gering.

Heute ist Andrea Elmer für beide Austauschprojekte verantwortlich. «Die Motivation, den Aufwand für den Austausch immer wieder zu betreiben, kommt vor allem aus den Freundschaften, die ich in den anderen Ländern knüpfen konnte.» Vor sieben Jahren hat sie die Leitung des Austauschs mit Belgien von Max Suter übernommen und führt ihn nun zusammen mit Roger Pighi. Im letzten Jahr wurde erstmals ein Austauschprojekt mit einer Schule aus China durchgeführt.