Bekenntnis einer Nichtwählerin

Anlässlich der Nationalratswahlen vom letzten Wochenende glänzte der Kanton Appenzell Innerrhoden schweizweit mit der schlechtesten Stimmbeteiligung.

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Anlässlich der Nationalratswahlen vom letzten Wochenende glänzte der Kanton Appenzell Innerrhoden schweizweit mit der schlechtesten Stimmbeteiligung.

Auch ich gehöre zu den Leuten, welche bewusst nicht wählen gegangen sind – und zwar weil keine Frauen zur Wahl vorgeschlagen waren. Nach über 40 Jahren nationales Frauenstimm- und Wahlrecht ist es penibel, dass in beiden appenzellischen Halbkantonen im Jahr 2015 nur Männer zur Wahl zur Verfügung gestanden sind. In Appenzell Innerrhoden ist noch nie, das heisst in den ganzen möglichen 44 Jahren, eine Frau als National- beziehungsweise Ständeratskandidatin aufgestellt worden. Frau Metzler wurde als Regierungsrätin direkt vom Parlament in Bern als Bundesrätin gewählt. Bei den nächsten schweizerischen Parlamentswahlen wird das Frauenstimm- und Wahlrecht seit 48 Jahren bestehen. Ich bitte alle interessierten jungen Frauen, sich zu diesem Zeitpunkt für eine Wahl in die schweizerischen Parlamente zur Verfügung zu stellen. Es wäre ein Armutszeugnis, wenn die erste Hälfte des Frauenwahlrechtsjahrhunderts ohne eine Innerrhödlerin im National- und/oder Ständerat zu Ende ginge.

Für die Männer gilt deshalb nach wie vor das Motto der alten Frauenrechtlerinnen: «Machen Sie Platz, meine Herren.» Die Parteipräsidenten und Organisationspräsidentinnen bitte ich, eine aktive Frauenförderung zu betreiben. Die jungen Frauen werden es Ihnen danken, denn sie erhalten so die nötige Unterstützung für ihre Kandidatur.

Judith Hauptlin, Büelstrasse 5, 9413 Oberegg