Beitrag für Filmdokumentation

Die Appenzellische Gemeinnützige Gesellschaft (AGG) übernimmt die Kosten von 75 000 Franken für ein audiovisuelles Zeitzeugnis über die Aktivitäten «AR/AI 500» im Jubiläumsjahr des Beitritts Appenzells zur Eidgenossenschaft.

Hanspeter Strebel
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Bekannte Gesichter: Die AGG-Versammlung im Teufner Lindensaal war einmal mehr auch ein Stelldichein der Prominenz. (Bild: hps)

Bekannte Gesichter: Die AGG-Versammlung im Teufner Lindensaal war einmal mehr auch ein Stelldichein der Prominenz. (Bild: hps)

TEUFEN. Die 180. Jahresversammlung der AGG vom Samstag im Lindensaal Teufen warf keine Wellen. Sie wurde als Premiere unter der Leitung der letztes Jahr als erste Frau gewählten Präsidentin Vreni Kölbener durchgeführt. Auch der Antrag des Vorstands, 75 000 Franken als Beitrag an die Jubiläumsfeierlichkeiten «AR/AI 500» zu sprechen, damit die Aktivitäten filmisch dokumentiert und so als Zeitzeugnis der Nachwelt überliefert werden können, wurde mit grossem Mehr und ohne Diskussion gutgeheissen.

Im Vorstand sei man sich durchaus bewusst gewesen, dass es auch Argumente gebe, die gegen das Vorhaben sprechen, erläuterte Vreni Kölbener den Antrag, der in diesem Gremium intensiv und kontrovers diskutiert worden sei. Zwar wolle die AGG mit ihrer 180jährigen Tradition und der Herausgabe des Jahrbuchs ihrer Verpflichtung auch als «Gedächtnis» nachkommen. Überdies handle es sich beim Jubiläum um ein gemeinsames und für das Zusammenleben wichtiges Projekt der beiden Appenzell, die auch die AGG als Tätigkeitsgebiet sieht. Dagegen spreche aber sicher, dass es nicht um ein Projekt einer gemeinnützigen Organisation, sondern um ein solches zweier Kantone gehe, die es denn auch neben Sponsoren mit 3,6 Mio. Franken finanzieren und die dafür nicht unbedingt Geld einer gemeinnützigen Institution brauchten. Doch stehe der Vorstand schliesslich mit klarem Mehr hinter dem Antrag, auch weil es um ein identitätsstiftendes Vorhaben gehe.

Nicht im Budget vorgesehen

Jubiläums-Projektleiter Franz Breitenmoser begründete das Angehen der AGG um Geld vorab damit, man wolle die Bevölkerung und die Institutionen einbinden, und die Veranstaltungen seien ja auch öffentlich. Im Laufe der Vorbereitung sei klar geworden, dass von den früheren Beitrittsjubiläen 1913 und 1963 keine umfassenden Zeitzeugnisse bestehen. Es sei eine Notwendigkeit, diesmal dafür zu sorgen, doch sei das nicht im Budget vorgesehen. Mit dem AGG-Beitrag könnte aber die audiovisuelle Dokumentation unter der Leitung des Trogners Thomas Karrer realisiert werden.

Bei einigen Gegenstimmen und Enthaltungen winkte die AGG-Versammlung, an der 106 stimmberechtigte Mitglieder (von gegen 1700) teilnahmen, mit grossem Mehr durch.

Bei den übrigen Traktanden herrschte gar Einstimmigkeit. So wurde die erstmals von Michel Peter vorgestellte Rechnung mit Einnahmen von 105 000 Franken (weitgehend aus Mitgliederbeiträgen und Spenden) und Ausgaben von gut 130 000 Franken gutgeheissen. Mit 32 000 Franken nutzte der Vorstand seine Kompetenz von jährlich 50 000 Franken für direkte Beitragsgesuche. Als Subventionen bewilligte die Versammlung insgesamt 21 000 Franken, darunter 10 000 für die Schutzaufsicht und Bewährungshilfe in den beiden Appenzell.

«Auf Lebenszeit wird teurer»

Zugestimmt wurde auch dem Antrag, die «Mitgliedschaft auf Lebenszeit» von 700 Franken auf 2000 Franken zu erhöhen, während die übrigen Beiträge unverändert bleiben. Eine Mitgliedschaft auf Lebenszeiten dürfe sich nicht einfach finanziell «lohnen» oder ein «Akt der Bequemlichkeit sein» meinte Vreni Kölbener. Eine solche Mitgliedschaft habe die Bedeutung eines «bewussten Beitritts zur AGG».

Neuwahlen standen nach dem Revirement im Vorjahr nicht an, sämtliche Vorstandsmitglieder wurden im Amt bestätigt.

Ihren ersten Präsidialbericht stellte Vreni Kölbener unter den Titel «Hat die Gemeinnützigkeit ausgedient?». Auch wenn sich der Aufgabenbereich der AGG im Verlauf der Jahrzehnte geändert habe und viele staatliche, aber auch privatrechtliche Institutionen wichtige Aufgaben übernommen hätten, bleibe die AGG der Gemeinnützigkeit, sprich Menschlichkeit, verpflichtet und stelle heute noch das Patronat von Institutionen, die sich für Menschen mit Benachteiligungen einsetzen.

Nicht ausgedient

Auch die 13 eingegangenen Gesuche für Beiträge, denen aufgrund der Statuten nicht allen entsprochen werden konnte, zeigten, dass die Bedeutung der Gemeinnützigkeit nach wie vor gross sei. Auch im kulturellen Bereich, dem hierzulande eine besonders grosse identitätsstiftende Wirkung zukomme, wären viele Projekte ohne Unterstützung nicht möglich. Im sozialen Bereich verwies Vreni Kölbener auf den jüngsten Armutsbericht des Bundesamtes für Statistik, um die Notwendigkeit von Unterstützungen zu unterstreichen. «Die Gemeinnützigkeit hat noch lange nicht ausgedient», zog die AGG-Präsidentin ihr Fazit.

Zeughaus besichtigt

Vor der Versammlung hatten die Mitglieder die rege genutzte Gelegenheit, unter kundiger Führung von Kurator Ueli Vogt und der unverwüstlichen «Frau Grubenmann» Rosmarie Nüesch das Zeughaus Teufen samt dem Prunkstück des Grubenmann-Museums zu besichtigen.

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