Beim Chlausen genau hingeschaut: Rehetobler Künstler malt Silvesterchläuse und das Appenzeller Brauchtum

Stephan Kühne aus Rehetobel malt Silvesterchläuse. Auf ihn übt das Brauchtum eine besondere Faszination aus. Aktuell sind seine Bilder in St.Gallen ausgestellt.

Astrid Zysset
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Stephan Kühne malt die Chläuse mit einer hohen Detailgenauigkeit. Aktuell sind seine Werke in St.Gallen ausgestellt.

Stephan Kühne malt die Chläuse mit einer hohen Detailgenauigkeit. Aktuell sind seine Werke in St.Gallen ausgestellt.

Bild: Astrid Zysset

Seine neusten Bilder sind sofort erkennbar. Sie sind nämlich auf unterschiedlichen Holzmaterialien zu finden. Zuvor hatte der Künstler Stephan Kühne aus Rehetobel all seine Landschaftsbilder aus dem Appenzellerland, die Silvesterchläuse, Viehschauen und Porträts auf Leinwand gemalt. «Ich probiere gerne etwas Neues aus. So kann ich mich weiterentwickeln und meine Nische finden.»

Zuerst kommt die Vorbereitung: Schellen, Tannenzweige und Maske werden angezogen.
17 Bilder
Stärkung muss sein: Ein Schluck Appenzeller hält warm.
Eine der Hauben und Masken, die die Chläuse tragen.
Ist die Verwandlung zum Silvesterchlaus abgeschlossen, zieht die Gruppe, auch Schuppel genannt, los.
Die Chläuse wecken die Bewohner von Schwellbrunn und wünschen ihnen ein gutes neues Jahr.
Ab und an muss der Durst gestillt werden: Ein Anwohner spendet den Silvesterchläusen ein Getränk.
Viele Zuschauer finden sich entlang der Route ein, um die Silvesterchläuse zu bestaunen.
Einige geniessen die Wärme der eigenen Stube und bestaunen die Schuppel vom Fenster aus.
Auch die umliegenden Bauernhöfe wollen besucht werden. Das gelingt ohne Schnee einfacher.
Auch die Kinder schauen gespannt zu, was die Silvesterchläuse da machen.
Im Kreis stehend singt der Schuppel ein Zäuerli.
Nach dem Singen gibt es die Belohnung: Ein Getränk mit Röhrli serviert vom Hofherr.
Auch durch den Wald müssen die Silvesterchläuse mit ihren schweren Schellen laufen.
Vor dem Zmittag gilt es noch einen letzten Hof zu besuchen.
Auch der Hofhund ist neugierig ob der schönwüsten Gestalten.
Bevor sie weiterziehen: Die Silvesterchläuse wünschen allen ein gutes neues Jahr.
Nun geht es in die wohlverdiente Mittagspause.

Zuerst kommt die Vorbereitung: Schellen, Tannenzweige und Maske werden angezogen.


(Bild: Benjamin Manser)

18 Bilder von Kühne sind im Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen ausgestellt. Mehrheitlich sind es Silvesterchläuse, die zu sehen sind, einige Landschaften rund um den Säntis sind auch dabei. Die ältesten Werke stammen aus dem Jahr 2012, die neusten, auf Holz gemalt, wurden just auf die Ausstellung hin erstellt. Diese läuft noch bis zum 31. Januar. Öffentlich zugänglich ist sie allerdings nicht. Die Mitarbeitenden des Gerichts zeigten sich beeindruckt von Kühnes Werken. «Hier arbeiten auch Menschen aus der Westschweiz oder dem Tessin. Jene waren mit dem Silvesterchlausen nicht so vertraut und waren überrascht ob unseres Brauchtums», so der Künstler.

Gemalt wird jeweils am Feierabend

Hier in den Gängen des Gerichts hängen sie nun, die fotorealistischen Ölbilder über den Rütischuppel Waldstatt, den Rämseschuppel Bühler oder auch den Alpebluemeschuppel Herisau. Das Bild zum Blattenschuppel Waldstatt ist als Appenzeller Fenster konzipiert, ergänzt mit einer Messingplattenbeschriftung am unteren Rand. Kühne erläutert, dass als Grundlage ein Gruppenbild des Schuppels diente. Der Künstler widmete jedem Chlaus schliesslich jedoch ein einzelnes kleines Werk.

Kühnes Stil ist unverkennbar: Der Hintergrund ist meist in unterschiedlichen Grautönen gehalten und wirkt unscharf. «So kommt der Chlaus richtig zur Geltung und erfährt seinen verdienten Mittelpunkt», erklärt der Künstler. Der Chlaus selbst präsentiert sich in einer beeindruckenden Detailgenauigkeit. Jede Perle, jede Schnitzerei und jeder Riemen ist genau an jener Stelle angebracht, an welcher sie auch im Original zu finden sind. Diese akribische Genauigkeit ist es, die Stephan Kühnes Werke von denjenigen anderer Maler unterscheidet. «Ich liebe es, diese Feinheiten zu malen. Das fordert mich immer wieder heraus.» Einige Elemente wie zum Beispiel das Chlausegroscht, die Larve, die Rollen oder eine Schelle werden in den Originalfarben hervorgehoben.

Stephan Kühne arbeitet hauptberuflich bei der Kantonalen Verwaltung in St.Gallen. Er sieht die Malerei als Hobby, bezeichnet sich selbst als «Feierabendkünstler». Das Anfertigen der Bilder schaffe ein «kreativer Ausgleich» zur Verwaltungsarbeit, so Kühne. Dass er nur abends malen kann, führt allerdings dazu, dass ein einzelnes Bild bis zu vier Monate dauern kann, bis es fertig erstellt ist. Für Kühne ist dies aber kein Wermutstropfen. Er malt der Freude und seiner heimatlichen Verbundenheit wegen. Sein künstlerisches Schaffen begann vor über 20 Jahren. Damals fertigte er Bleistiftzeichnungen an. Die Faszination am Brauchtum erwachte hingegen schon früher.

«Ab meinem 16. Lebensjahr wohnte ich in Herisau. Da bekam ich die Auftritte der Silversterchläuse, die Alpauf- und -abzüge wie auch die Viehschauen hautnah mit.»

Heute nimmt sich Kühne jeweils am 31. Dezember und 13. Januar die Zeit, um nach Herisau respektive Waldstatt, Schwellbrunn oder Urnäsch zu reisen, damit er die Schuppel und deren Gesang aus der Nähe miterleben kann. Manchmal gelingt es ihm auch, ein gutes Foto zu schiessen, das er anschliessend als Vorlage für eines seiner Bilder verwendet. «In erster Linie möchte ich das Brauchtum aber geniessen. Schöne Fotos von Chläusen sind reichlich vorhanden – notfalls helfen mir Freunde und Bekannte aus.»

Appenzeller Brauchtum in unterschiedlicher Form

Auf Chläuse wollte sich Kühne jedoch nie beschränken. Das Appenzeller Brauchtum findet sich in unterschiedlicher Ausprägung in seinem Schaffen wieder. Sein neustes Projekt: Er will das Innenleben eines Stalles malen. Zudem plant er eine Porträtserie über diejenigen Berufsgattungen, die mit dem Chlausen in Zusammenhang stehen. So etwa werden der Schellenschmied, der Sattler oder auch die Trachtenschneiderin malerisch festgehalten. Zu sehen sein werden diese Werke im Rahmen der Volkskunst-Ausstellung im Oktober im «Rössli» in Hundwil.

In seiner Vorstellung weiss Kühne genau, wie die Bilder aussehen werden. «Vielleicht werde ich einen Strick einer Kuh bei den Stallbildern farbig gestalten oder beim Schellenschmied eine Schelle oder eine Rolle. Und ich sehe die Werkzeuge beim Sattler schon vor mir – da könnte ich auch das eine oder andere besonders zur Geltung bringen.» Der Künstler will das Traditionelle mit modernen Elementen verbinden. Dieser Gegensatz übe eine Faszination auf ihn aus, erklärt er. Wie genau die Gegensätzlichkeit umgesetzt wird, das lässt Kühne offen. Aber immerhin: Direkt auf Holz zu malen, dem will er vorerst mal treu bleiben.

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