Bei Toni Brunner Wäsche gewaschen

BÜTSCHWIL. Das Bibliotheksteam Bütschwil organisierte im Rahmen der Schweizerischen Erzählnacht zum Thema «Anderswelten» eine Lesung mit dem Schweizer Autor Yusuf Yesilöz. Humorvoll gab er Einblick in seine Kurztexte und in seinen neuesten Roman «Hochzeitsflug».

Sylvia Baumann
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Andrea Isenring vom Bibliotheksteam Bütschwil bedankt sich beim Schweizer Autor Yusuf Yesilöz für die Lesung aus seinem Buch «Hochzeitsflug». (Bild: Sylvia Baumann)

Andrea Isenring vom Bibliotheksteam Bütschwil bedankt sich beim Schweizer Autor Yusuf Yesilöz für die Lesung aus seinem Buch «Hochzeitsflug». (Bild: Sylvia Baumann)

BÜTSCHWIL. Am Freitagabend füllte sich die kleine Bibliothek bis auf den letzten Platz. Die Zuhörerschaft war gespannt auf den Schweizer Autor mit dem so unschweizerischenen Namen Yusuf Yesilöz. Andrea Isenring vom Bibliotheksteam begrüsste ihn herzlich als guten Bekannten, den sie an einem Kurs kennenlernte. Aufgrund des diesjährigen Mottos «Anderswelten» erinnerte sie sich des kurdischstämmigen Autors, der exzellent zur diesjährigen Erzählnacht passen würde. Er sagte zu.

Ein Bedürfnis zu schreiben

Geboren ist Yusuf Yesilöz 1964 in einem kurdischen Dorf in Mittelanatolien. Er kam 1987 als Flüchtling in die Schweiz. Heute lebt er als Schriftsteller und Filmemacher in Winterthur. 1994 begann er kurdische Literatur ins Deutsche zu übersetzen und gab sie im Eigenverlag Ararat heraus. Von 1992 bis 1995 hatte er die Leitung einer eigenen Buchhandlung in St. Gallen inne. 1995 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft. Er wird Kolumnist beim «Tagesanzeiger» und später bei der «Wochenzeitung (WOZ)». Auf die Frage, warum er angefangen habe zu schreiben, meinte er: «Es war mir ganz einfach ein Bedürfnis meine Gedanken und Erlebnisse aufzuschreiben, sprechen könne er nicht so gut». Seine Bücher werden in fünf Sprachen übersetzt. Er wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2002 mit der «Ehrengabe» der Stadt Zürich für den Roman «Der Gast aus dem Ofenrohr». Er beschreibt darin seine Eindrücke, als er in die Schweiz kam. Er erzählt von den vielen kleinen Kulturschocks und vom beschwerlichen Weg der Integration. «Ich habe inzwischen viele Schweizer Freunde und niemand will mich ausschaffen» – seine Antwort auf die Ausschaffungsinitiative. Seine humorvolle Art mit Andersdenkenden wie auch mit provokativer Politik umzugehen, kam in der Folge in der kleinen Bibliothek in hervorragender Weise zum Ausdruck. Mit viel Einfühlungsvermögen erzählt er in Ich-Form von «Beyto», einem jungen Imigrantensohn, in seinem Roman «Hochzeitsflug». Der Titel lässt erahnen, was den Helden bei seinem Flug in die Heimat erwartet. Er freut sich seine Freunde wiederzusehen, wird aber mit seiner eigenen Verheiratung konfrontiert. Die Cousine Sarah ist die ihm Bestimmte. Er liebt sie als Cousine, jedoch nicht als zukünftige Frau, denn er ist schwul. Er getraut sich nicht sich zu outen. Homosexualität und Zwangsehen sind die Themen des Romans, die der Autor in bilderreicher Sprache schildert. Er setzt sich im Roman mit Ritualen der dörflichen Kultur auseinander sowie mit den Nöten solcher, die aus der Konvention ausbrechen möchten.

Unterwäsche versteigern

Nebst humorvollen Kurztexten über einen Computerkauf und Kebabläden erzählte er zum Schluss «Wie meine Unterwäsche bei Toni Brunner im Toggenburg gewaschen wurde». Freunde von ihm besitzen im Bendel neben dem Bauernhof von Toni Brunner ein Ferienhaus. Yusuf Yesilöz ist mit seiner Familie oft bei seinen Freunden zu Besuch. Einmal stieg die Waschmaschine aus und sie dürfen bei Brunners waschen. Apropos gewaschene Unterwäsche, er werde diese nicht mehr tragen, sondern aufbewahren bis sie einen antiquarischen Wert erlange. «Ich werde sie aber erst versteigern, wenn Toni Brunner sich aus der Politik verabschiedet hat», so sein Statement.