Bei Granit beisst keiner auf Stein

Der Fussball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach hat im Berghof Ganterschwil mit dem Fanclub Schweiz 93 zusammen einen Grillabend in familiärer Atmosphäre verbracht. Die Fussballstars zeigten dabei keinerlei Allüren und genossen das besondere Ambiente.

Urs Huwyler
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Die Gladbacher Fussballer haben sich in Ganterschwil als ausgezeichnete Salat- und Fleischesser erwiesen.

Die Gladbacher Fussballer haben sich in Ganterschwil als ausgezeichnete Salat- und Fleischesser erwiesen.

GANTERSCHWIL. Biggi und Andi Schröder lassen sich im Normalfall nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Doch vor vier Wochen mussten beide wegen eines Anrufs aus Mönchengladbach mindestens zweimal leer schlucken. Ob sie Interesse hätten, einen Abend mit den Spielern und Offiziellen der Borussia zu verbringen, lautete die Frage. Für Nicht-Fussballer: Gladbach spielt nächste Saison die Qualifikation für die Champions League. Dazu muss Mann oder Frau wissen, dass die Schröders seit über 20 Jahren zum Fan-Inventar der «Fohlenelf» gehören. Sie fahren zu jedem Heimspiel 650 Kilometer hin und logischerweise zurück. Bei den Auswärtspartien fiebern die gebürtige Gladbacherin und der Mann mit der Schweizer Fahne im Stadion nach Möglichkeit ebenfalls live mit. Die Antwort «Ja, wir wollen» mussten sie sich nicht lange überlegen.

Die Schweizer Fraktion Djibril Sow, Granit Xhaka, Yann Sommer und Nico Elvedi (in Trainern, von links) mit Trainer André Schubert sowie Andi und Biggi Schröder. (Bilder: Urs Huwyler)

Die Schweizer Fraktion Djibril Sow, Granit Xhaka, Yann Sommer und Nico Elvedi (in Trainern, von links) mit Trainer André Schubert sowie Andi und Biggi Schröder. (Bilder: Urs Huwyler)

Fussballmärchen haben erfahrungsgemäss einen Haken. Profiklubs schicken trotz Verträgen oft einzelne Stars und daneben das B-Team mit Spielern, die beim FC St. Gallen spielen könnten. Biggi und Andi Schröders Optimismus, es würden alle Topleute am «Grillabend im Berghof Ganterschwil bei Melch und Vreni Schoch» aufkreuzen, war deshalb eher mutig. Das Kader von Mönchengladbach mit Sportchef Max Eberl, Trainer André Schubert in Ganterschwil: Wie schräg tönt so was?

Xhaka und Sommer

Die Vorfreude bei den Mitgliedern des von den Schröders gegründeten Fanclubs Schweiz 93 steigerte sich vor dem Märchenbesuch in Ganterschwil von Minute zu Minute. Zuoberst auf der Hitliste standen die beiden Schweizer Granit Xhaka, Yann Sommer sowie der Brasilianer Raffael.

«Unfassbar, ein Traum wird Realität», wunderten sich zwei Fans. «Sie sind nur für uns da, richtig privat», hiess es bei Sonnenschein und Natur pur an einer andern Ecke. Was sich dann abspielte, dürften die Fan-Borussen kaum mehr vergessen. Alle kamen – ohne die viel kritisierten Kickerallüren. Ob am Buffet, vor, während und nach dem Essen, der Abend verlief wie an jedem Familienfest. Bei Granit Xhaka, dem oft als «arrogant, eingebildet» titulierten ex-Basler Fussballer biss niemand auf Stein. Er zeigte sich wie seine Kollegen unverkrampft und konnte locker vom Hocker plaudern.

Sogar die Ärzte wurden zum Objekt der Begierde. Wobei es für die Kenner nicht einfach schien, die (jetzt) Bekannten aufgrund der Frisuren und tätowierten Arme zu erkennen. Der Borussen-Führer «Fohlenelf auf Fohlentour» mit den Bildern der Gäste brachte eine Entschärfung und Ernüchterung. Auf dem Foto lächelte nicht der, der es sein sollte. Machte nichts. Der andere war für den zweiten Versuch auch da.

Echte Fans

Es war unschwer zu erkennen, dass Biggi und Andi Schröder einzelne Jungs von den Reisen ins gelobte Stadion näher kannten. «Das sind echte Fans, die auch in schlechten Zeiten zum Club stehen. Ich kenne sie nun einige Zeit und bewundere sie nicht nur dafür, was sie auf sich nehmen, sondern auch dafür, wie sie sich mit Borussia identifizieren», sagte Granit Xhaka. Yann Sommer hieb in die gleiche Kerbe, sprach davon, «bei solchen Leuten wie hier im Berghof kann von Fans gesprochen werden.» Für andere Gruppen werde der Begriff missbraucht.

Trainer André Schubert, Nachfolger von Lucien Favre, sah die Sache gleich und doch anders. «Für mich sind nicht die Kilometer entscheidend, welche die Schröders und ihre Kollegen zurücklegen, sondern ich spüre das Herzblut, die Leidenschaft. Wenn ich sie erzählen höre, weiss ich: Das sind wirkliche Borussen.» Er schob nach, es sei schon im positiven Sinn verrückt, was die Schröders auf sich nähmen.

Zwei Stunden wollten sie bleiben, die Gladbacher. Es wurden über drei. Das Ambiente, die Aussicht (trotz einsetzenden Regens), die Herzlichkeit, das Essen, die Gastfreundschaft, es passte alles. Die Liebe zum Detail mache es aus, fanden Dessert-Schöpfer am kalten Buffet. Ob Kuchen oder Torte, das Gladbach-Logo fehlte nicht. «Wir geniessen das besondere Ambiente», betonte André Hahn – und freute sich, dass auch der Europacupfinal auf Grossleinwand zu sehen war.

Biggi und Andi Schröder? Sie werden nach einigen Tagen realisieren, was abging. «Wir dürfen zufrieden sein. Es war für alle Fans ein einmaliges Erlebnis. Und die Borussia hat sich wohl gefühlt, einmal mehr bewiesen, dass sie nicht nur von der Nähe zu den Fans reden, sondern dies auch leben», fassten sie den Abend zusammen. Sie werden künftig mit noch mehr Freude zu den Spielen fahren. Sofern dies noch möglich ist.