Bei Elsener wird Roger Federer zum Philosophen

Der Zeltainer in Unterwasser ist schon seit acht Jahren das Obertoggenburger Humorzentrum. «Nützt es noch aus, denn ab nächstem Jahr steht hier ein neues Zelt», kündigte Zeltainer-Chef Martin Sailer am Mittwochabend an.

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Der Zeltainer in Unterwasser ist schon seit acht Jahren das Obertoggenburger Humorzentrum. «Nützt es noch aus, denn ab nächstem Jahr steht hier ein neues Zelt», kündigte Zeltainer-Chef Martin Sailer am Mittwochabend an. Die Container sind durchgerostet, im Zelt ist es mal zu heiss mal zu kalt – das soll ab nächster Saison wesentlich besser werden, verspricht Martin Sailer: «Einzelheiten erfahrt ihr demnächst.» Das Programm aber werde im gleichen Stil fortgesetzt: Vor allem Humor und Comedy, und viele Schweizer von Peach Weber über Joachim Rittmeyer bis zu den jungen Parodisten wie Fabian Unteregger oder Michael Elsener. Diese Erfolgsgaranten spielen jeweils vor «full house».

«Mins Integrationskurs»

Volles Haus – das erlebte der Zeltainer auch am Mittwochabend. Ein «try out» war angesagt, ein Probelauf eines neuen Programms – Michael Elsener testete in Unterwasser «Stimmbruch». Ein ambitioniertes Programm, in dem Elsener von Stimmen heimgesucht wird, die ihn einmal gepackt nie mehr loslassen: «Stellt euch vor, ich liege im Bett und Kurt Aeschbacher hilft mir beim Schäfchen zählen.» Schon sitzt das Publikum bei Aeschbi im Talk und verfolgt in einer knalligen Szene Aeschbis steigende Verzweiflung, weil dieser trotz gestenreicher Empathie den stummen Fisch Didier Burkhalter nicht aus der Bundesrats-Reserve locken kann. Ebenso knallig und zum lautstarken Vergnügen des Publikums bringt Michael Elsener seinen Parade-Jugo «Bostitch Besic» auf die Bühne. Da fliegen die Hände und zucken die Achseln, «voll krass» ist besonders «Mins Integrationskurs», den Bostitch besucht, weil ihn der Richter vor die Wahl gestellt hat: «3000 Franken Busse oder gratis» – gratis ist nämlich der Integrationskurs. Einen Jugo oder Kosovaren hat zwar bald jeder Comedian im Programm. Elsener spielt ihn trotzdem mit Lust und stilecht. Und er treibt ihn weit über den Klamauk auf höhere Ebenen, wenn er selbst anfängt, über Klischees zu schnöden: «Am schlimmsten sind die Komiker, die auch noch Witze über die Klischees reissen.»

Philosoph Roger Federer

Vom titelgebenden Stimmbruch ist bald kaum mehr die Rede, die Szenenwechsel geschehen assoziativ. Elseners Programm ist wie gewohnt eine Nummern-Revue mit parodistischen Glanzstücken, absurden Sprachminiaturen und immer wieder einer grossen Portion Melancholie und einer saftigen Freude an Verlierern, verklemmten Poeten und cool-beschränkten Jugendlichen: «Mit dem Mirko rede ich sicher nicht. Das ist ein Streber, liest jeden Tag 20 Minuten.» Bei ihm wird sogar Roger Federer zum Philosophen: Dieser zweifelt am Sinn des Smash und bei jedem Ass denkt er sich, er sei doch ein epikureischer Hedonist, ständig geistern ihm Nietzsche und Spinoza durch den Kopf und er fragt sich in der Garderobe: «Warum sind die anderen Philosophen eigentlich so unsportlich?» Den Federer spielt Elsener seit vier Jahren. Früher habe das Publikum kaum gelacht – zu sympathisch, erfolgreich und sauber sei der Federer gewesen, sagt Elsener nach der Vorstellung. Das habe sich geändert: Denn seit Federer als Steuerflüchtling einen Werbespot nach dem anderen dreht, wird er selbstverschuldet auch zum willkommenen Opfer parodistischer Lachnummern. Ein Problem habe er, sagt Elsener: Es hat in der Schweiz kaum Promis, die sich gut parodieren lassen. Gölä oder Polo Hofer seien ja schon selbst Parodien. Darum sei es ein Super-Gau gewesen, als Moritz Leuenberger seinen Rücktritt verkündet habe – genau während Elsener auf Tournee war, unter anderem mit seiner Lieblingsfigur. Keine Angst: Elsener hat trotzdem ein ganzes Arsenal von Figuren, von Aeschbacher bis Kliby und Caroline. Man darf sich auf viele weitere Programme freuen.

Hansruedi Kugler

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