Maria Heine Zellweger und Andreas Tonner kämpfen um das Lutzenberger Gemeindepräsidium ++ Das sind ihre grössten politischen Differenzen

Am Sonntag steht in Lutzenberg der zweite Wahlgang für das Gemeindepräsidium an. Im Rennen sind noch zwei Kandidierende.

Jesko Calderara
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Gemeinderätin Maria Heine Zellweger oder Recycling-Unternehmer Andreas Tonner? Am Sonntag entscheidet sich im zweiten Wahlgang, wer in Lutzenberg die Nachfolge von Gemeindepräsident Werner Meier antritt. Dieser hört Ende Mai auf. Die Ausgangslage verspricht Spannung. Das beste Resultat im ersten Wahlgang erzielte Heine Zellweger. Ihr Vorsprung auf Tonner betrug 35 Stimmen. Abgeschlagen auf dem dritten Platz landete Martin Meier, der im zweiten Wahlgang deshalb nicht mehr ins Rennen steigt.

Maria Heine Zellweger.

Maria Heine Zellweger.

Zwischen Heine Zellweger und Tonner gibt es bei wichtigen politischen Fragen Differenzen. Solche zeigen sich beispielsweise in der Finanzpolitik. Mit fast 4000 Franken Vermögen pro Einwohner verfügt die Vorderländer Gemeinde über ein üppiges finanzielles Polster. Bereits 2019 konnte Lutzenberg deshalb den Steuerfuss um 0,1 auf 3,7 Einheiten reduzieren.

Beide Kandidaten sind gegen «Landegg»-Pläne

Andreas Tonner.

Andreas Tonner.

Eine weitere Steuersenkung lehnt Heine Zellweger zurzeit ab. «Ich möchte dieses Thema nicht nutzen, um im Wahlkampf für mich zu werben», sagt die 58-jährige Supervisorin und Coach. Abgesehen davon sei der Zeitpunkt dafür aufgrund der Coronapandemie und den noch nicht abschätzbaren, weitgreifenden Folgen für Wirtschaft und Gemeinwesen ungünstig. Anders beurteilt dies ihr 53-jähriger Mitbewerber. Eine Steuersenkung sei definitiv ein Thema, sagt Tonner. «Die Budgetplanung beginnt nach den Sommerferien, dann gehört das auf den Tisch.» Auf den ersten Blick herrscht Einigkeit beim Dossier Asylzentrum Landegg. Beide sprechen sich gegen das Vorhaben aus, ab 2021 in der «Landegg» unbegleitete, minderjährige Asylsuchende unterzubringen. Um die Pläne des Trägervereins Integrationsprojekte St.Gallen (Tisg) zu verhindern, würde Tonner als Gemeindepräsident den Druck auf den Kanton St.Gallen erhöhen. Falls nötig, müsse man sogar versuchen, Bundesrätin Karin Keller-Sutter einzuschalten.

Heine Zellweger hingegen möchte den Weg weiterverfolgen, bei dem sie als amtierende Gemeinderätin bereits eine aktive Rolle einnimmt. Inhaltlich könne sie allerdings zu den laufenden Gesprächen zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben.

Tonner möchte die Ressorts Finanzen und Ortsplanung

Interessant könnte im künftigen Lutzenberger Gemeinderat die Ressortverteilung werden. Die Finanzen lagen bis anhin in den Händen des Gemeindepräsidenten. Für Tonner macht dies Sinn. Bei einer Wahl würde er die Ressorts Ortsplanung und Finanzen übernehmen. Letzteres gehöre ohne Wenn und Aber in den Verantwortungsbereich des Gemeindepräsidenten, betont er. Weniger klar äussert sich diesbezüglich Maria Heine Zellweger. «Die Verteilung der Ressorts ist Aufgabe des Gemeinderats in neuer Zusammensetzung an der konstituierenden Sitzung im Juni», sagt sie lediglich. Die Kandidatin gehört seit 2015 dem Gemeinderat an und ist für das Ressort Soziales zuständig.

Zusätzliches Potenzial für die Vorderländer Gemeinde sieht Andreas Tonner beim Projekt «Dorf-Café», bei dem die Einwohner Vorschläge machen konnten, und der Stärkung der Weiler sowie des Zusammenhalts im verzettelten Dorf.

Demgegenüber möchte Heine Zellweger den Hebel ansetzen bei der Suche nach zukunftsfähigen Lösungen für das Seniorenwohnheim Brenden und bei der laufenden Ortsplanrevision.