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BEHINDERTENSPORT: Plusport-Angebot droht das Aus

Bald dürfen den Sporttreibenden mit Handicap nur noch ausgebildete Leiterinnen und Leiter Lektionen erteilen. Plusport Appenzellerland mit seinen teilweise langjährigen Leitenden gerät dadurch unter Druck.
Bruno Eisenhut
80 Prozent aller Turn- und Sportlektionen von Plusport müssen künftig durch ausgebildete Leiterpersonen erfolgen. Passiert dies nicht, gibt es keine finanzielle Unterstützung mehr. (Bild: Plusport Schweiz)

80 Prozent aller Turn- und Sportlektionen von Plusport müssen künftig durch ausgebildete Leiterpersonen erfolgen. Passiert dies nicht, gibt es keine finanzielle Unterstützung mehr. (Bild: Plusport Schweiz)

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut

@appenzellerzeitung.ch

Aufgeteilt in vier Sektionen fördert und betreibt die Organisation «Plusport» im Appenzellerland den Behindertensport. Wöchentlich bekommen dadurch Menschen mit körperlichem oder geistigem Handicap die Möglichkeit auf unterschiedliche polysportive Trainings sowie Wassersportlektionen. Betreut werden die Behindertenportlerinnen und -sportler grösstenteils durch freiwillig engagierte Personen, welche sich aus persönlicher Motivation in einer der vier Sektionen engagieren.

Dem sportlichen Angebot der Plusport-Sektionen stehen aber ungewisse Zeiten bevor. Wie Hannes Friedli, Präsident des Appenzellischen Plusport-Verbandes, gegenüber der Appenzeller Zeitung erklärt, hat die Delegiertenversammlung des nationalen Dachverbands Plusport Schweiz beschlossen, dass die Ausbildungsanforderungen an die Leiterpersonen auf das kommende Jahr rigoroser umgesetzt werden müssen. Künftig müssen bei mindestens 80 Prozent aller Turn- oder Sportlektionen eine ausgebildete Leiterperson sowie eine ebenfalls ausgebildete Leiterassistenz anwesend sein. Gänzlich neu sei diese Regel nicht, erklärt Susanne Dedial von Plusport Schweiz. Schon jetzt bestünde eine ähnliche Regelung, damit die Sektionen ihre Sportlektionen beim nationalen Dachverband Plusport Schweiz abrechnen können. Nichterfüllung der bestehenden Vorgabe wurde bisher aber lediglich mit einer leichten Reduktion der Kostenübernahme «bestraft».

Auch in den Sektionen von Plusport Appenzellerland wurde diese Reduktion der Kostenübernahme bislang in Kauf genommen. Wie Hannes Friedli von Plusport Appenzellerland erklärt, würden sich freiwillige Personen seit vielen Jahren als Leiterpersonen zur Verfügung stellen. «Einige verfügen teilweise aber nicht über die geforderte Leiterausbildung», erklärt der Verbandspräsident, der gleichzeitig auch Präsident der Sektion Vorderland ist. «Diese engagierten Leiterpersonen – so motiviert sie bei ihrer Tätigkeit auch sein mögen – können oder wollen die Ausbildung aus verschiedenen Gründen nicht in jedem Fall absolvieren. Manche ziehen sogar einen Rückzug in Betracht», so Friedli. Am Beispiel der Plusport-Sektion Vorderland bedeutet dies, dass ab Januar 2019 Leiterpersonen mit der zwingend geforderten Ausbildung fehlen. «Die Turnstunde der Mittwochgruppe ist damit in Gefahr. Die Sportlerinnen und Sportler, wir alle, würden dies sehr bedauern», schiebt Hannes Friedli nach.

Anforderungen werden umgesetzt

Plusport Schweiz schüttet als nationaler Dachverband jährlich rund 2,4 Millionen Franken für die Sportlektionen an die Sektionen aus. Das Geld stammt vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV). Anlässlich einer Inspektion durch das Bundesamt hat der Dachverband den Hinweis erhalten, im Sinne der Sicherheit künftig vermehrt auf die Leiterqualität zu achten. Eine Arbeitsgruppe mit zahlreichen Vertretern aus den Sektionen habe daraufhin beschlossen, der sich abzeichnenden Bedingung des Bundesamtes zu entgegnen, so Susanne Dedial von Plusport Schweiz. Die Delegierten des Dachverbandes haben dem entsprechenden Antrag mehrheitlich zugestimmt. In der Folge wurden die neuen ab Januar 2019 gültigen Unterleistungsverträge mit den Sektionen ausgearbeitet. Die Thematik der teilweise fehlenden Leiterausbildungen sei der Arbeitsgruppe und dem Dachverband bewusst gewesen, blickt Dedial zurück. Man müsse aber auch die Vorteile in Betracht ziehen. Wenn es den Sektionen gelinge, bestehende Leiterpersonen für die Ausbildung zu motivieren oder zusätzliche Personen zu rekrutieren, so brächte dies auch Abwechslung in die Turn- und Sportlektionen.

Die Plusport-Sektionen setzen das Geld für die Miete der Infrastruktur, teilweise für Leiterentlöhnung oder für die Ausbildung ein. «Ohne diese Gelder des Bundesamtes können wir unser Angebot nicht aufrecht erhalten», so Hannes Friedli.

Ausbildung: wertvoll aber kostenlos

Für den Appenzeller Plusportverband gilt nun die Devise «Angriff nach vorne». Man versuche die fehlenden Leiterinnen oder Leiter mit der geforderten Ausbildung so bald als möglich zu rekrutieren und somit das Angebot weiterhin sicherzustellen, so Hannes Friedli. Dabei hofft er auf die Unterstützung verschiedener Organisationen. Etwa steht Hannes Friedli im Gespräch mit der Stiftung Waldheim. Viele der Bewohnerinnen und Bewohner würden die Sportlektionen von Plusport besuchen. Es sei aber nicht selbstverständlich, dass sich das Betreuungspersonal der Stiftung Waldheim in seiner Freizeit für Plusport engagiere. Vielleicht würden sich im Appenzellischen Turnverband Personen finden lassen, die sich für diese Ausbildung interessieren, hofft Friedli zudem.

In dieser Leiterausbildung sieht der Verbandspräsident auch für die freiwilligen Personen einen grossen Nutzen. «Wenn sich jemand beruflich im Sozialbereich positionieren will, macht sich diese Ausbildung im Lebenslauf besonders gut», so Friedli. Kommt hinzu, dass diese Ausbildung für die Teilnehmerin oder den Teilnehmer kostenlos ist. «Die Kurskosten von rund 2000 Franken werden vollumfänglich durch die Sektionen übernommen», so Hannes Friedli. Gerne würde er interessierte Personen detailliert informieren.

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